Der himmelblaue Schmengeling
Der himmelblaue Schmengeling
Glück ist für jeden etwas anderes. Unter der Herausgeberschaft von Katharina Joanowitsch versuchen unsere Autoren 33 Annäherungen an diesen schwierigen Begriff.
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Juni 2004
Anthony
von Elsa Rieger

„Scheußlich, Lola, heut’ läuft ja gar nix ...“ Mia drückt einen Kuss auf die Wange der Älteren, schält sich aus dem Plüschmantel und wirft sich auf das Sofa in Lolas Etablissement.
Es ist kalt in dieser Novembernacht auf dem Strich im fragmentarischen Röckchen, den ungefütterten Lacklederstiefeln. Die Mädchen kommen immer wieder herein, um sich aufzuwärmen, leider ohne Freier. Die Bar ist leer bis auf die beiden Frauen. Nicht ein einziges Zimmer hat Lola heute vermietet. Doch sie lässt das nicht an den Nutten aus, die ihre Freundinnen sind. Zu gut kennt sie das Problem, da draußen zu stehen in der Kälte wie heute oder bei schwüler Hitze in den Sommernächten.
Nach dreißig Jahre im Rotlichtmilieu, zwanzig davon aktiv auf dem Strich, hat sie schon im Gefühl, dass dieser Abend ein mieser Abend bleiben wird.
„Nein, es läuft wirklich nix.“ Lola bringt Mia Tee mit Rum: „Dabei brauch ich die Knete verdammt dringend. Anthony hat einen neuen Therapeuten, kostet Schweinegeld ...“
„Meine Güte -“, meint Mia zähneklappernd. „Dass das nix wird mit dem Jungchen ...“
„Jungchen? Mia, er ist fast dreiundzwanzig ...“
„Bei diesem Wetter traut sich kein Kerl raus! Die sitzen alle schön daheim mit Mutti vor der Glotze ...“ Mia schlürft den heißen Tee.
‚Sie ist so alt wie Anthony, doch im Gegensatz zu ihm so gesund -’‚ denkt Lola. „Nö, keiner traut sich raus. Ich glaub, ich sperr zu für heute, Mia.“
„Ja, du kannst das ja machen, hast ja keinen Stecher, der dir eine knallt, wenn’st ohne Zaster ankommst daheim ...“ Mia schüttelt sich angewidert, sagt: „Dieses Arschloch!“
Lola lächelt. „Siehste, ich habe immer auf eigene Rechnung gearbeitet und konnte was auf die hohe Kante legen für so einen Laden hier. Zu Weihnachten werden es zehn Jahre, dass ich nicht mehr auf der Strasse steh’ und ich bin froh darüber. Steig aus, Mia, du bist jung, du schaffst das bestimmt. Kannst doch so schön singen, hm?“
„Aber ich liebe den Mistkerl. Du hast halt keinen geliebt, oder?“
„Nein, keinen Luden. Einen Freier ... damals hab ich mir das Kind ... also dann, Mia, trink deinen Tee aus, ich werde nach Anthony sehen, weil ich heut mal Zeit hab. Kommt ja abends kaum vor in unserer Branche ...“

Anthony war ein toller Junge, fand Lola. Sie zeigte ihm die ganze Welt. In den Schulferien bereisten sie die Kontinente. Während des Jahres saßen sie beieinander und erinnerten sich daran. Lola machte kein Geheimnis aus ihrem Job. Sie erzählte ihm von der Zeit, als sie selbst auf den Strich gegangen war, und dass sie nun Zimmer an Nutten vermietete.
Anthony kam gut damit zurecht. Gab es Zoff auf dem Schulhof, die üblichen Reibereien zwischen den Jungs, bei denen sie sich anblafften und gegenseitig als ‚Hurensöhne’ beschimpften, feixte er nur, anstatt sich wie die anderen auf den Beleidiger zu stürzen.

Lola war glücklich mit ihrem Jungen. Den Schmerz hatte sie schon lange überwunden. Auch die Wut auf sich selbst, dass sie an die Liebe des Kindsvaters geglaubt hatte. Es war nicht mehr wichtig. Das Einzige, was zählte, war Anthony.
„Mein Wunderknabe“, sagte sie stolz und reichte Fotos und seine vorzüglichen Schulzeugnisse bei den Mädchen herum. Für Lola war Anthony das Beste in ihrem Leben. Er sah gut aus und war gescheit, sie liebte ihn uneingeschränkt.

Lola schenkte Anthony zu seinem siebzehnten Geburtstag eine Interrailreise durch Europa. Er liebte es, auf Achse zu sein, und diesmal wollte er gerne ohne Mutter, dafür mit ein paar Freunden losziehen. Lola freute das sehr und sie sagte zu den Freundinnen: „Jetzt wird er groß, mein Anthony, toll, was?“

Nach vier Wochen kam er zurück. Etwas hatte sich verändert. Anthony wich aus, wenn Lola ihn bat, von seiner Reise zu erzählen. Er verbrachte auffallend viel Zeit im Badezimmer, beantwortete Lolas Fragen dazu nur mit: “Ich bin schmutzig, da wäscht man sich eben ...“
Vorher pünktlich, kam er nun regelmäßig zu spät zur Schule, schließlich ging er gar nicht mehr hin. Er sperrte sich entweder im Bad oder in seinem Zimmer ein. Oft bettelte Lola vor seiner Türe. „Anthony, Junge! Komm, sprich mit mir. Was ist denn los? Bitte, sag doch etwas ...“
„Mama, lass mich, ich muss nachdenken, geh weg!“, antwortete er mit dumpfer Stimme.

Lola suchte einen Jugendpsychologen auf.
Er sagte: „Es scheint sich um eine Adoleszenz-Krise zu handeln, das passiert immer wieder und heißt ‚depressive Episode’. Das wird schon wieder. Am besten, Sie lassen den Jungen mal machen.“
„Ja, alles wird gut“, sagte Lola mit fester Stimme.

Am darauffolgenden Sonntag verbrachte Anthony acht Stunden im Bad, Lola sah den Wasserdampf unter dem Türspalt hervorquellen, weil er ständig neues heißes Wasser zusetzte, und sie verhielt sich so, wie der Psychologe ihr geraten hatte. Sie blieb ruhig und ‚ließ den Jungen mal machen’.
Als Lola hörte, wie er die Tür entriegelte, lief sie schnell in die Diele, um ihn zu erwischen, ehe er in seinem Zimmer verschwinden würde. Da stand ihr Junge, ein Handtuch um die Hüften, mit aufgeweichten, verschrumpelten Händen und Füßen, hochrot seine Haut.
„Anthony, was machst du denn? Wozu soll das gut sein, Junge?“, rief Lola erschrocken aus. Sie konnte ihn nicht einfach mal machen lassen und schlug den Rat des Experten in den Wind.
Anthony drückte sich stumm an der Mutter vorbei, ging in sein Zimmer und sperrte ab. In Lola schrillten alle Alarmglocken, sie glaubte nicht mehr, dass es sich um eine Pubertätsmarotte handelte. Ihr riss die Geduld, sie hämmerte mit den Fäusten an die Tür, schrie: „Mach sofort auf, du bist ja irre!“
Kein Laut war von drinnen zu hören. Lola kauerte sich neben Anthonys Zimmer auf den Boden und weinte. Sie zitterte vor Angst. Die ganze Nacht blieb sie dort hocken und lauschte. Sie fühlte die Stille hinter der Tür wie ein riesiges schwarzes Loch in ihrem Bauch.

„Was wollen Sie eigentlich? Das ist doch ein toller Junge!“, sagte der Psychiater in der Psycho-Ambulanz, nachdem er eine gute Stunde mit Anthony gesprochen hatte und danach Lola hereinbat.
„Er wäscht sich wie ein Wahnsinniger, Herr Doktor, ich weiß nicht mehr, was ich tun soll. Seit er von der Reise zurück ist, macht er das. Er ist so anders geworden. Vielleicht hat er unterwegs etwas Schreckliches erlebt?“ Ihre Hände zitterten, Lola ballte sie zu Fäusten, damit das aufhörte.
„Nur nicht nervös werden, gnädige Frau, Heranwachsende haben manchmal merkwürdige Verhaltensmuster, die geben sich schon wieder.“
„Alles wird gut ...“ Lola wollte ganz fest daran glauben und nickte.

Es folgte eine Zeit, in der sich Anthony nicht mehr wusch. Gar nicht mehr. Es roch muffig und abgestanden in der Wohnung, obwohl Lola die Fenster ständig gekippt ließ. „Nein“, sagte Anthony, wenn sie ihn anflehte, endlich wieder das Bad aufzusuchen. „Nie wieder!“

„Wisst ihr, wie eine Socke aussieht, wenn sie drei Monate lang Tag und Nacht an einem Fuß bleibt?“, fragte Lola eines Abends die Mädchen vom Strich, als sie bei ihr saßen.
„Nö. Wie denn?“
„Sie ist ein großes Loch, an dem hinten eine Ferse und vorne noch ein Hütchen für die Zehen hängt ...“

In dieser Nacht gab Anthony den Kampf gegen das Waschen auf. Als Lola morgens heimkehrte, war die Diele in Wasserdampf gehüllt. Diesmal badete ihr Junge ganze zwölf Stunden. Die Haut war dunkelrot geschrubbt, aus kleinen Rissen sickerte Blut.

Lola rief die Rettung an und Anthony wurde in der Psychiatrie aufgenommen.

Zwei Jahre lang übte er dort sein Verhalten zu ändern. Er badete unter Aufsicht. Nach genau einer Stunde musste er die Wanne verlassen. Tat er das nicht, griffen die Pfleger ein. Verweigerte Anthony das Waschen länger als zwei Wochen, wurde er geduscht. Eine schwere Depression stellte sich ein.
„Das ist normal in dieser Umlernphase“, beruhigte der zuständige Psychiater die Mutter.
„Ach ja? Anscheinend ist alles ganz üblich, was mein Sohn durchmacht. Zuerst ist es nur eine Pubertätssache, dann bloß eine kleine Zwangsneurose, und jetzt soll plötzlich sein depressives Verhalten eine ganz normale Reaktion sein? Wann hört das auf? Warum hat er das?“
Der Doktor schüttelte den Kopf. „Wir müssen abwarten“, sagte er und begleitete sie bis zur Tür.
„Wie soll das nur gut werden?“ Lola weinte.

Wenn sie Anthony besuchte, war er nett zu ihr und freute sich immer, sie zu sehen. Doch es gab keine Erklärung für sein Verhalten. Weder Lola noch seine Ärzte erfuhren, was mit ihm damals passiert war.
Von Besuch zu Besuch hoffte sie, ein Wunder würde geschehen, doch es veränderte sich nichts. Immer noch wurde er kontrolliert in seinem Waschverhalten, weil er der Zwang nicht beherrschen konnte. Auch das
Antidepressivum zeigte keinerlei Wirkung. Anthony blieb unangreifbar zwanghaft und verzweifelt.
Er lächelte und flüsterte ihr ins Ohr: „Mama, ich nehme diese Pillen nicht, das ist Gift.“
Einmal versuchte Lola an ihn heranzukommen, indem sie von den wunderbaren Reisen anfing, die sie zusammen gemacht hatten. Da verschloss Anthony sein Gesicht, sein Körper krampfte und er erbrach sich mitten auf den Tisch. Lola sprach das Thema nie wieder an.

Nach zwei Jahren bat der behandelnde Arzt Lola zu sich.
„Ich bedaure sehr, Ihnen sagen zu müssen, Anthonys Verhalten ist unveränderbar, wir können nichts bewirken. Wir fürchten, dass Ihr Sohn nicht therapierbar ist. Sie sollten ihn in einer betreuten Wohngemeinschaft unterbringen“, sagte er.
Lola antwortete nicht, packte Anthonys Tasche und fuhr mit ihm nach Hause.
Zweimal wöchentlich besuchte sie mit ihm gemeinsam eine Selbsthilfegruppe für Zwangskranke und ihre Angehörigen.
Die Waschphasen wechselten sich mit den trockenen ab. Lola versorgte die Körperstellen, wo die Haut weggeschrubbt war, mit Betaisodonasalbe und Mull. Irgendwann, nach drei quälenden Jahren, schaffte Lola es nicht mehr, ihr Etablissement und die Betreuung des Jungen unter einen Hut zu bringen. Ihr blieb keine Wahl, sie musste ihn in einer Wohngemeinschaft unterbringen.
Anthony war durch Lolas Beruf viel zu lange allein, oft die ganze Nacht, und die Zwänge vermehrten sich. Es schien, als würde er einen Tic gegen einen anderen austauschen. Entweder er schlief tagelang oder wanderte Tag und Nacht ruhelos durch die Zimmer. Er aß den Kühlschrank leer, dann wieder nahm er lange Zeit außer Wasser nichts zu sich. Was er auch anstellte, am Ende siegte der Zwang, sich waschen zu müssen.

Das Zimmer in der betreuten Wohngemeinschaft war klein und dunkel, das Gebäude alt, aber Lola hatte den Eindruck, dass Anthony kein Problem damit hatte. Ihr war wichtig, dass der Junge rund um die Uhr versorgt war, jemand auf die Badezeiten achtete, ihn rechtzeitig aus dem Wasser holte. Meistens klappte das recht gut.
So oft es Lola möglich war, besuchte sie Anthony, die andere Zeit verbrachte sie damit, Geld zu verdienen. Sie wollte so viel einnehmen, dass sie eine private Pflegerin engagieren könnte. Dann würde sie Anthony wieder nach Hause holen.
„Alles wird gut ...“, sagte sie immer wieder zu sich selbst und animierte die Freier der Mädchen zum Champagnertrinken. Sie veranstaltete Karaoke- und Stripteasewettbewerbe, um die Einnahmen zu erhöhen.

Heute kann sie den freien Abend nutzen, um Anthony zu besuchen.
‚Merkwürdig’, denkt Lola, als sie das Haus betritt, sie vermisst die übliche Betriebsamkeit, die Hintergrundgeräusche. Sie schaut in das Büro des Sozialdienstes, das mit dem Nachtdienst besetzt sein sollte, von hier aus wird die Betreuung koordiniert. Beim Schließen der Tür entdeckt Lola einen Zettel, der an der Außenseite klebt. ‚Komme gleich wieder – Notfall’ steht darauf in flüchtig hingeworfenen Buchstaben.
Lola rennt die Treppe hoch, außer Atem erreicht sie den zweiten Stock und damit das Zimmer von Anthony. Es ist leer. „Junge -“‚ sagt sie. Angst lässt ihr Herz zucken. ‚Er ist der Notfall!’, denkt sie und will die Stiegen wieder hinunterlaufen.
Da lässt sie ein Plätschern vom Ende des Gangs, dort, wo das Gemeinschaftsbadezimmer ist, verharren.
„Anthony?“

Er liegt im zartrosa gefärbten Badewasser, sieht Lola an. „Mama, hilf mir ... ich kann nicht mehr ... bitte tu was!“ Kleine Hautfetzchen dümpeln um ihn herum, seine Augen sind geweitet vor Not.
„Mama, das ist kein Leben, nur noch Schmerz ...“ Anthony beginnt wieder seine Haut mit der Bürste zu zerreiben. Lola lässt ihn gewähren, krallt hinter ihrem Rücken die Hände in den Pullover, reißt Löcher hinein.
Er weint und rollt mit den Augen, die Bürste rutscht aus seiner Hand. „Jeden Tag, jede Nacht diese Bilder ... ich werde nie mehr sauber sein ... bitte, Mama, hilf ...“
Lola blickt sich suchend um, entdeckt einen Haarföhn auf der Etagere.
„Mein Anthony, ja, ich helfe dir. Es geht ganz schnell und dann wird alles gut sein.“
Sie nimmt den Kopf ihres Jungen an ihre Brust, streichelt sein Haar und flüstert immer wieder, als würde sie ein Mantra singen: „Alles wird gut, alles wird gut, mein Engel, wirst sehen, alles wird gut ...“
„Ja, Mama“, schluchzt er auf.
„Wir befreien dich jetzt von der Quälerei, ja?“ Lola lächelt unter Tränen, sie zittert vor Anstrengung, um nicht loszubrüllen.
„Mein Prachtjunge“, sagt sie.
Dann steckt sie den Stecker des Föhns in die Stromdose an der Wand, schaltet auf Höchststufe und schleudert ihn in die Wanne. Es blitzt. Einen Moment sieht es aus, als würde das Wasser um den zuckenden Anthony aufkochen, dann ist es finster.
Lola tastet nach dem Föhnkabel, zieht es aus der Wand. Sie rutscht auf dem nassen Boden zu Anthony, spürt seinen Kopf in ihren Händen und drückt ihn lange Minuten unter Wasser.
„Alles ist gut, mein Junge ...“, sagt sie weinend.

Nachdem die Leiche von der Anatomie freigegeben ist, lässt Lola das Begräbnis ausrichten. Mia mit ihrer schönen Stimme hat ein Lied von Tracy Chapman einstudiert. Sie singt ‚Baby, can I hold you’.

Nach der Beerdigung geht Lola nach Hause.
Die Reisetasche mit Anthonys Sachen, die ihr vor Tagen von einem der Betreuer aus der Wohngemeinschaft gebracht worden war, steht immer noch unberührt in der Diele. Lola fängt an, die Sachen auszuräumen, in den Schrank zu legen. Dabei stößt sie auf ein kleines Buch.
‚Anthony’ steht darauf und ‚Logbuch’. Die Mutter will nicht, dass die Worte ihres Sohnes verschwimmen, sie hält die Tränen zurück.
Kleine und größere Einträge für jeden Tag der Interrailreise in Anthonys zügiger Schrift. Immer wieder lächelt Lola während des Lesens. Sie sagt: „Was für ein begabter Junge du bist, mein Anthony, wie gut du schreiben kannst ...“
Plötzlich bricht der fließende Stil ab. Mit krakeligen Buchstaben steht da:

Es ist zuviel! Nie hätte ich mich betrinken dürfen, einladen lassen von den fünf Kerlen in der Hafenkneipe. Warum musste ich unbedingt Marseille bei Nacht sehen? Hätte ich nicht wie die anderen einfach schlafen gehen können? Und weshalb ausgerechnet diese Pinte dort?

Die Schrift ist nun fast unleserlich.

Nie darf Mama das erfahren, niemals! Es bricht ihr sonst das Herz ... ach, Mama ich werde dieses Geheimnis hüten vor dir, solange ich lebe!

Wie sie mich abgeschleppt haben, ich war so weggetreten. Ich werde es ewig spüren! Das Festhalten, das Grölen, Blut, Sperma, Dreck. Was für eine Nacht, ich muss kotzen. Ich bin zerrissen, ich bin tot, besudelt. Für immer. Ich werde nie ein Mädchen-


Die restlichen Seiten sind leer. Lola atmet ganz flach und schnell. Sie drückt das kleine Buch an ihre Brust, spürt wie es erzittert, weil das Herz so rasch hämmert. Sie hält Anthonys Schmerz, diese Worte fest an sich gepresst, während sie die ganze Packung Rohypnol schluckt.
Lola legt sich ins Bett, damit sie die Tabletten nicht erbricht. Während sie wartet, schaut sie den Videofilm von ihrer letzten Amerikareise an. Anthony mit einem Tropenhut auf dem Kopf mitten in der bizarren Wüstenlandschaft des Death Valley. Sie hatte in den Badlands einen komischen Film gedreht und Anthony spielte die Hauptrolle ...
„Jetzt ist wirklich alles gut“, sagt sie. Dann schläft sie ein.







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