Honigfalter
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Juli 2004
Wisch und weg!
von Sabine Ludwigs

Ich werde von meinen Freundinnen beneidet und von den mir weniger wohlgesonnen Geschlechtsgenossinnen verachtet, denn ich habe eine Putzfrau. Ihr Name ist Frau Redlich.
Leider bin ich kein Mensch, der gut mit Hausangestellten umgehen kann, da es mir unangenehm ist ihnen Arbeiten zuzuteilen. Ich habe das Gefühl, sie denken: Berufsmäßig überlastet? Die ist einfach nur faul!
Wer keine Putzfrau hat mag deshalb auf den Gedanken kommen, dass ich zu zaghaft im Umgang mit Hauspersonal bin. Doch das ist ein Irrtum!
Frau Redlich ist bereits meine fünfte Putzfrau. Sie erledigt ihre Aufgaben zufriedenstellend, ist nicht geldgierig und sie versteht meine Sprache, denn das Angebot deutschsprechender Menschen ist in dieser Berufssparte erschreckend gering. Sie sind die Juwelen der Branche und entsprechend zuvorkommend zu behandeln, in dem man beispielsweise ihren empfindlichen Geruchssinn angemessen berücksichtigt.
Als pflichtbewusster Bürger trenne ich den Müll: Papier zu Papier, Altglas wird nach Farben sortiert. Korken sammele ich gesondert, im Garten gibt es einen riesigen Komposthaufen und der Wertstoffsack gehört zu den großartigsten Erfindungen der Menschheit.
Dieser Abfallsack wurde von Frau Redlich sofort hermetisch verschnürt, selbst dann, wenn er nur zu einem Bruchteil mit leeren Konserven, Joghurtbechern oder Saftpaketen gefüllt war, da ihr die entsorgten Teile stanken. Und dann kam es unweigerlich: „Spülen Sie das Zeug nicht, bevor Sie es wegschmeißen?“ Ihr Tonfall war harsch, und obwohl sie mich zu Unrecht verdächtigte, schrumpfte ich unter ihrem Blick. „Selbstverständlich spüle ich den Müll. Mit Pril. Zitronenduft! Und teilweise sogar in der Spülmaschine,“ verteidigte ich mich.
Misstrauisch musterte sie mich und ich zog mich zurück wie ein geprügelter Hund. Vielleicht sollte ich es mit einem Mülleimer-Deo versuchen?

Bevor Frau Redlich für mich arbeitete sah ich mich bei einigen Vorgängerinnen gezwungen unangenehme Konsequenzen zu ziehen, aber nur, wenn mir keine andere Möglichkeit blieb! Die Serie der Putzfrauen begann damit, dass Liza fortging.

Liza war eine blonde, englische Rose und die erste Haushaltshilfe, die ich einstellte. Seit ihrem 17. Lebensjahr war sie mit Manfred, einem beispiellosen Müßiggänger, verheiratet und hatte inzwischen vier Kinder.
Liza gefiel mir auf Anhieb und ich stellte sie ein. Als wir nach dem Vorstellungsgespräch in der Diele standen um uns zu verabschieden, bog mein roter Kater Zerberus um die Ecke und machte abrupt Halt.
„Oh, ist das aber very sweet“, lächelte Lisa. „Was hast du da, Kitty?“ Zerberus legte ihr eine tote Ratte vor die Füße. Ich versuchte den Kadaver unauffällig mit den Füßen unter die Kommode zu schieben, doch das gefiel dem Kater gar nicht und er zerrte fauchend an seiner Beute. Ich lachte nervös: „Sie mögen doch Haustiere, oder?“
„Oh, I love them! Sie sind so suß, aren`t they?” Nun ja.
Sie vertraute mir an, dass ihre Katze gelegentlich Haarknäuel hervorwürgte und manchmal auch einen halbverdauten Mäuseleichnam.
Das waren die besten Referenzen für meinen Haushalt.

So begann unser drei Jahre währendes Arbeitsverhältnis. Nach vier Wochen wies ich Liza darauf hin, dass die Palme im Esszimmer aus Kunststoff sei und kein Wasser benötigte. Daraufhin brach sie über ihren Fehler in Tränen aus und flennte fast zwanzig Minuten, so dass ich mich ganz elend fühlte.
Die Arme hatte soviel Selbstwertgefühl wie Darth Vader, unser Meerschweinchen. Die Wurzel allen Übels war ihr Mann.
Ich nahm mich ihrer an. Mit Hilfe einiger Frauenzeitschriften therapierte ich sie zwei Jahre, und sie begann sich endlich gegen Manfred zu behaupten. Ich veränderte ihre Frisur und ihren Modestil. Mit meinem emotionalen Beistand und der finanziellen Unterstützung der AOK ließ sie ihren exorbitanten Busen verkleinern und straffen. Das tat ihrem Körperbewusstsein ungemein gut. Mich kostete die Sache volle zwei Monate ohne Putzhilfe.
Als sie zurückkam, riss sie noch in der Haustür triumphierend ihr T-Shirt in die Höhe, um mich einen Blick auf das chirurgische Wunderwerk werfen zu lassen. „Look at this! Sind sie nicht wonderful?“ Sie wippte auf und ab, ihr Busen erbebte ein bisschen. Ich ignorierte die neugierigen Nachbarn und stupste die Brüste ehrfürchtig mit dem Finger an. Sie standen wie eine Eins. Neidvoll musste ich zugeben: „Great!“ Liza strahlte.
Im Frühling reiste Liza in ihre Heimat und verbrachte ein paar Ferientage bei ihren Eltern. In England traf sie ihre große Jugendliebe wieder. Mike fiel verständlicherweise in Verzückung als er Lisa unerwartet an einem Oben-Ohne-Strand erblickte.
Sie kehrte nach Deutschland zurück, reichte die Scheidung ein und zog mitsamt den Kindern nach Wales. Das Geld für die Reisekosten lieh ich ihr gerne. Es hat mir auch kaum Mühe bereitet, neben meinem Job und ohne Putzfrau ihr laufendes Scheidungsverfahren in Deutschland zu betreuen und mit den Anwälten zu korrespondieren. Selbstverständlich streckte ich auch die Kosten für das Verfahren vor.
Liza war die einzige Putzfrau, bei der ich das Arbeitsverhältnis formgerecht beendete.

Marina war eine mollige, hübsche Frau und leidenschaftliche Zeugin Jehovas. Sie brachte stapelweise den `WACHTTURM´ in unseren Haushalt den ich - heimlich und ungelesen - zum Altpapiercontainer brachte.
Im Januar bat Marina mich, ihr künftig keine üppigen Bauernkörbe mehr zu Weihnachten zu schenken. Ich entschuldigte mich sofort: „Tut mit Leid! Ich habe ganz vergessen, dass Sie Weihnachten nicht feiern.“
„Das meine ich nicht“, schüttelte sie den Kopf. „Es geht hier lediglich um die Wurst.“
„Die Wurst?“
„Die Blutwurst. Laut Bibel ist es verboten Blutwurst zu essen. Der Korb und die übrigen Sachen können bleiben.“
Ich war verblüfft. „In der Bibel steht, dass der Verzehr von Blutwurst untersagt ist?“
„Natürlich nicht.“ Sie musterte mich missbilligend: „Es steht nicht wörtlich drin – aber auch Blutwurst ist gemeint. Ebenso Möpkenbrot. Und Bluttransfusionen.“
Schuldbewusst errötete ich, denn ich war Blutspenderin.
„Sie könnten die Blutwurst verschenken“, schlug ich kleinlaut vor.
„Ich kenne keine Weltlichen, nur Zeugen. Niemand von uns nimmt verbotene Speisen zu sich“, erklärte sie resolut.
„Schon gut, ich verstehe! Ich werde demnächst daran denken.“
„Gut. Dann kann ich ihn annehmen“, meinte sie gnädig.
„Sagen Sie mal ehrlich, gab es denn vor zweitausend Jahren überhaupt schon Rotwurst? Oder Transfusionen?“
Ihr eisiger Blick traf mich bis ins Mark: „Es ist mir nicht untersagt ein Geschenk anzunehmen, solange ich keine heidnischen Bräuche praktiziere“, ließ sie mich wissen. „Und selbstverständlich gab es keine Transfusionen. Das Verbot steht im Zusammenhang mit Blut, Opferungen und erlaubten Speisen. Sie würden es ja doch nicht verstehen! Sie studieren das Wort Gottes nicht. Aber gemeint sind auch unreine Speisen und Transfusionen. Hätte es sie damals gegeben, stünde es garantiert in der Heiligen Schrift.“
Marina drehte sich um, räumte die Spülmaschine ein und zeigte mir die kalte Schulter. Ich verkroch mich in meinem Büro.
Wie konnte ich nur so nachlässig sein? Hätte ich doch bloß den “WACHTTURM“ gelesen. Ich schämte mich entsetzlich, denn ich war eine katholische Blutspenderin und mein Leibgericht war Himmel und Erde - mit möglichst knuspriger Blutwurst.

Kritisch wurde unser Verhältnis aber erst, als meine Begeisterung für David Copperfield, den großen Magier & Zauberer, aufflog. Ich erzählte Marina in aller Unschuld, dass ich seine Show in der Westfalenhalle besucht hatte und schlichtweg verzaubert sei. Ich konnte mir nicht erklären, wie David seine Tricks durchzog. „Teufel noch mal!“, endete ich begeistert. Unwillig runzelte Marina die Stirn: „Fluchen Sie nicht“, tadelte sie mich streng. „Und sprechen Sie seinen Namen nicht aus.“ Ihr Blick war so durchdringend wie ein Laserstrahl.
„David Copperfields?“
„Nein. Den des Unaussprechlichen. Sie sind bloß eine Weltliche und wissen um solche Dinge nicht Bescheid.“ Sie zog mich zur Duschkabine
„Das sind keine Tricks“, flüsterte sie. Sie sah sich im Bad um, als könnte sich hier der Leibhaftige versteckt haben, zerrte mich in die Duschkabine und schloss die Tür hinter uns. „Er hat seine Seele dem Teufel verkauft und dafür magische Kräfte erhalten“, zischte Marina.
„Wirklich? David Copperfield?“ vergewisserte ich mich atemlos.
Ihr Blick versenkte sich mit fanatischem Glitzern in meinen, und ich konnte die Auen nicht abwenden. Marina nickte ruckartig.
„Sie meinen, er hat der Blondine tatsächlich den Kopf abgetrennt? Und er kann wirklich fliegen?“, nervös zupfte ich einige Fasern aus dem Luffaschwamm.
Wieder nickte sie. „Ja, genau! Wie sonst könnte es funktionieren?“
„Mit einem gut durchdachten Trick?“, wandte ich zaghaft ein „Vielleicht mit Spiegeln.“
Marina schnaubte: „Keine Illusionen! Keine Spiegel! Ich erkenne es, wenn jemand seine Seele an den Unaussprechlichen verloren hat, glauben Sie mir,“ sie wrang energisch den Putzlappen aus und polierte die Armaturen. „Es gibt den Teufel.“ Sie bekreuzigte sich und ich sah mich genötigt es ihr nachzutun. Einige kalte Wassertropfen aus der Brause rieselten auf meinen Kopf und liefen mir in den Kragen. Ich bekam eine Gänsehaut.
„Unsinn. Niemand kann Schnee aus seinen Fingern zaubern. Das sind doch bloß Tricks!“, wehrte ich unsicher lachend ab. „Sie wollen mich wohl veräppeln, was?“
Düster schüttelte sie den Kopf. „Keineswegs. Wenn Sie mir nicht glauben wollen: Bitte sehr! Aber vor mir sollten Sie nie wieder von diesem Verfluchten sprechen.“
Nachdenklich verließ ich die Duschkabine. Ganz egal, was ich darüber dachte: Ich würde in ihrer Nähe nie wieder einen Magier erwähnen.
Doch leider war ich unachtsam und unterhielt mich einige Tage später an der Haustür mit unserem Postboten über Copperfields Vorstellung. Marina hörte jedes Wort.
Von da an lief der Haushalt nicht mehr rund, denn sie wurde regelmäßig krank. Ich putzte wieder selbst, zahlte zähneknirschend ihr Gehalt und wusste, dass ich ihr drei Monate Kündigungsfrist gewähren musste. Und Krankheit war kein Kündigungsgrund, wie Marina mir hämisch klarmachte. Offenbar stand in der Bibel nichts darüber, dass man seinen Chef nicht übervorteilen sollte. Die Sache wurde mir zu kostspielig.
In der Folge tat ich, was ich für richtig hielt. Es war das erste Mal und es fiel mir schwerer, als ich erwartet hatte. Meinem Mann erzählte ich, dass sie uns verlassen hätte, um als Pflegerin in einem Altenheim für Atheisten zu arbeiten.

Frau Joraszkiewicz hatte flammend rot gefärbtes Haar, war zum Putzen besser gekleidet als ich im Friseursalon und polnischer Abstammung. Eine gelernte Hauswirtschafterin und Köchin mit ausgezeichneten Zeugnissen. Zuletzt hatte sie in einem Kloster in Heidelberg für die Mönche kalorienreiche, polnische Spezialitäten zubereitet. Von dem Abschiedsfoto, das sie mir vorlegte, lächelten reihenweise dralle Brüder.
Meine fettarmen Mahlzeiten hielten daher in ihren Augen keinem Vergleich stand. Sie konnte sich nie damit abfinden, dass ich lediglich eine Putzfrau brauchte. Das kam besonders deutlich zum Vorschein, wenn ich das Mittagessen zubereitete. Wie von Geisterhand stand sie mir regelmäßig im Rücken, um meine Kochkünste zu bemängeln.
„Mänschen wie Sie, die so geizik mit Fett, Butterr und Sahnä kochen, gehärren in eine gans spezielle Helle“, erklärte sie gehässig.
Oder: “Olivenäl!“, mit soviel Verachtung in der Stimme, dass ich keine Erwiderung wagte.
„Warum Sie nich koochen eine scheene Borschtsch?“
„Weil ich nicht weiß, was das ist, und es hört sich auch nicht so an, als ob ich es herausfinden möchte“, grollte ich. Bestimmt hatte dieses Gericht Milliarden von Kalorien.
„Na denn, eine kästliche Krakauerr Wurrst, mit Krraut, gute Butterr und viel Speeck.“
„Ich mag keine Krakauer“, erwiderte ich uneinsichtig. Darauf fing sie an auf Polnisch zu fluchen um dann auf Deutsch zu drohen, dass sie künftig kochen würde.
Ich begann die Zubereitung unserer Mahlzeiten zu fürchten. Um sie zu täuschen, stellte ich manchmal einen Becher Rahm oder Schmalz in die Küche. In der Mittagspause robbte ich über den Korridor und schlich in die Küche, darauf hoffend, dass Frau Joraszkiewicz mich nicht bemerkte – was nur selten gelang.
Nachdem sie sich an einem Montagmorgen abfällig über Frauen äußerte, die Fertigprodukte in der Küche verwendeten, genierte ich mich, wenn ich zu spät aus dem Salon kam und nur schnell ein paar Nudeln, eine Fertigsoße, knusprig aufgebackenes Brot und frischen Salat (mit Olivenäl!) auf den Tisch brachte.
Trotzdem überließ ich ihr nicht das Regiment, sondern reagierte trotzig auf ihre wiederholten Androhungen den Kochlöffel zu übernehmen. Am Ende stand fest: Eine von uns musste gehen.
Obwohl wir erst den fünften des Monats schrieben, bestand sie auf das volle Gehalt sowie das anstehende Urlaubsgeld. Dann wäre sie bereit auf die Kündigungsfrist zu verzichten. Eventuell, wie sie betonte.
Ich zog meine Konsequenzen und siehe da, ich stellte mich schon wesentlich souveräner an!
Meinem Mann erklärte ich, dass Frau Joraszkiewicz eine Stelle als Diät-Köchin bei den Weight-Watchers angetreten habe.

Frau Henkel hieß die Neue, sie war eine ältliche Jungfer.
Darth Vader kam hinter Gitter, durfte nicht mehr in Tills Zimmer herumlaufen und sie gestattete auch nicht, dass Zerberus auf Sesseln oder Polstern lag. Ich bekam sofort ein schlechtes Gewissen, dass ich es bisher erlaubt hatte. Daher kaufte ich unverzüglich den von ihr geforderten Stoff für Schonbezüge für sämtliche Sitzgelegenheiten im Haus, honorierte ihre Näharbeiten großzügig und erledigte nach Feierabend die anfallende Mehrwäsche ohne Murren.
Da es Frau Henkel unverständlich war, dass Frauen Alkohol tranken, brachte ich unser Altglas selbst zum Container. Es war mir unangenehm, wenn sie die Rotweinflaschen darin sah. Sie war ein Putzteufel der meinen morgendlichen Ritus - in aller Gemütsruhe die Zeitung auf dem Klo zu lesen - ausrottete.
Ich bekam Verdauungsprobleme und litt unter anfallartigen Kontrollzwängen. War alles sauber und aufgeräumt genug, bevor Frau Henkel ins Haus kam?
Das Arbeitsverhältnis begann an meinen Kräften zu zehren, da begegnete ihr Bruno, ein gutsituierter Rentner. In der Folgezeit fehlte sie häufig, daher war ich gezwungen die Hausarbeit selbst zu erledigen, obwohl ich ihr ein volles Gehalt zahlte. Auch sie bestand auf der Kündigungsfrist. Ich tat, was ich tun musste. Man kann sagen, es war pure Notwehr.
Alles lief glatt! Ich trug nicht einmal irgendwelche Blessuren davon. Das heiße, mit Meister Propper angereichter Wischwasser schwappte so gut wie gar nicht über, da ich mittlerweile genau wusste wie ich den Kopf am besten packen und in den Wischeimer tauchen musste. Das Blubbern ihres Atems dauerte drei Minuten und zweiundfünfzig Sekunden, dann war auch sie fristlos entlassen.
Für das Aufwischen genügte ein wenig Zewa. „Mit einem Wisch, ist alles weg,“ trällerte ich. Sie war die Leichteste von allen, hinterließ nicht mal eine Schleifspur auf dem Rasen, als ich sie in die hinterste Ecke des Gartens schaffte. Ich erzählte meinem Mann, dass Frau Henkel uns wegen Bruno verlassen hatte.

Es gibt also gute Gründe die Eigenarten Frau Redlichs ebenso gebührend zu respektieren wie ihren fanatischen Hang zum Saugen. Flüchtig dachte an die Tränen meines Sohnes, dessen Indianer oder Lego-Kleinteile regelmäßig im Rohr des Staubsaugers verschwanden, der von der unbarmherzigen Hand Frau Redlichs geführt wurde. Er nannte ihn das Schwarze Loch. Deshalb saugte ich Tills Zimmer selbst oder kroch vorher auf den Boden herum und sammelte das Spielzeug auf.

Heute hatte ich sehr spät Feierabend und dachte müde, dass ich die Spülmaschine noch ausräumen musste. Als ich noch schnell die Bioabfälle zum Kompost rausbrachte, fiel mir ein, dass Frau Redlich am nächsten Tag kommen würde. Sie räumte gerne das Geschirr in den Schrank. Ich stocherte mit einem Stock im Mist herum. Mit einem zufriedenen Lächeln sah ich zu, wie fette, weiße Würmer sich an den organischen Abfällen gütlich taten und war froh, dass ich endlich eine Hilfe hatte, mit der ich zurechtkam.

Zumal mir langsam die Ausreden über das Verschwinden unserer Putzfrauen ausgingen und es unter dem Komposthaufen allmählich ein wenig eng wurde.

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