Der Cousin im Souterrain
Der Cousin im Souterrain
Der nach "Dingerchen und andere bittere Köstlichkeiten" zweite Streich der Dortmunder Autorinnengruppe "Undpunkt".
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November 2004
Der Weg in Nichts
von Thom Delißen

Der Schlüssel knarrte wie immer im Schloß der weisslackierten Pressspantür, als Gesa, von ihrem Einkauf zurückkam. Ihr Übermantel war von dem anhaltenden Regen draußen vollkommen durchnässt, die Wollmütze triefend und tropfend.
Es war nicht viel, was sie in einer diesen kleinen weißen Stofftaschen mit dem Frosch und der Schildkröte darauf, die ihren waren schon sehr verwaschen, in dem nahegelegenen Supermarkt eingekauft hatte.
Sie betrat die Wohnung und begann sich ihrer Kleidungsstücke zu entledigten.
Zuerst hängte sie Mantel und Mütze an die kleine Garderobe, dann landeten nacheinander Sweatshirt, T-Shirt, verwaschene Jeans, Socken und schließlich ein winziger schwarzer Slip auf der großen Couch in der einen Ecke des Wohnschlafzimmers.
Nachdem sich Gesa, eilig, wie es ihre Angewohnheit war, geduscht hatte, stellte sie sich, wie die Schöpfung sie gestaltet hatte, vor den altmodischen Spiegel, der so gar nicht zu der Einrichtung passte. Sie hatte ihn einmal auf einem der Flohmarkte, die sie häufig besuchte, gesehen und sich sofort in ihn verliebt .
Auch jetzt wieder erinnerte sie sich, wie sie das schwere barocke Möbelstück, ganz alleine auf sich gestellt, mühsam durch die Stadt geschleppt hatte.
Was in dem Spiegel zu sehen war, gefiel ihr. Ein wohlgeformtes Gesicht, ähnlich wie das von Audrey Hepburn, schmale Schulter, Brüste wie kleine Äpfel, ein flacher Bauch, die sorgfältig in Form rasierten Schamhaare, die muskulösen, straffen Oberschenkel und Waden, die zarten Fesseln.
Sie lächelte sich selbst mit ihren nahezu blendend weißen Zähnen zu.
Als sie sich etwas nach vorne beugte, um den Ansatz eines Pickel auf ihrem rechten Nasenflügel näher in Augenschein zu nehmen und den Arm hob, um die Stelle zu betasten, bemerkte sie, dass ihr Ellbogen, der eigentlich an das kühle Glas anstoßen hätte sollen, darin einfach verschwand.
Noch ehe sie sich darüber wundern konnte , ergriff ein Sog, ausgehend von dem Ellbogen der nicht zu sehen war, ihre ganze Leiblichkeit.
Ohne dass sie sich im Klaren war, wie das Alles so schnell hatte passieren können, befand sie sich mitten auf der Maxwellstreet, wo sie noch vor wenigen Minuten beim Einkaufen gewesen war.
Sie stand tatsächlich auf dem Gehsteig der Maxwellstreet, im hellen Schein der schon leicht abnehmenden Sonne.
Alles schien vollkommen normal, als ob nichts passiert wäre, als ob sie vielleicht nur geträumt hatte, gerade in ihre Wohnung zurückgekommen , geduscht und dann vor dem Spiegel gestanden zu sein.
Noch ein paar Schritte von ihr entfernt, kam Mr. Billing auf sie zu., Ein sympathischer alter Pensionär, der im Haus gegenüber dem ihren wohnte. .
Er lächelte und schien etwas zu sagen, doch Gesa hörte nichts, konnte keinen Ton vernehmen.
Dann beobachtete sie mit Entsetzen und weit aufgerissenen Augen, wie sich vor dem Schnauzbart über den Lippen Mr. Billings eine rosafarbene Blase bildete, ganz genauso, als ob ein Teenager einen Kaugummi aufblies.
Die Blase löste sich vom Mund des Pensionärs, schwebte etwa zwei Sekunden in Gerichtshöhe und platzte dann, sich ins Nichts auflösend.
Jetzt erst hörte Gesa die in einem angenehmen Timbre gesprochenen Worte
“Einen wunderschönen guten Morgen Mrs. Wohlrath!”
All das, diese Begrüßung, dieselben Worte hatte sie vor etwa einer Viertelstunde von demselben Mann an nahezu derselben Stelle gehört. Die vielen Umstände, die sich innerhalb von Sekunden vollzogen hatten, ließen Gesa Wohlrath an den Rand eines hysterischen Schreikrampfes gelangen .
Doch seltsamer Weise blieb diese Reaktion aus.
Sie bemühte sich, ihre Gesichtszüge unter Kontrolle zu bringen und antwortete mit einem leichten Nicken
“Guten Morgen, Mr. Billing.”
Zu ihrem ungläubigen Entsetzen hörte sie keines ihrer Worte, statt dessen löste sich eine purpurfarben Blase, deren Entstehen sie nicht bemerkt hatte, von ihrem Mund, zerplatzte schließlich, genau wie die, die aus dem Mund des Pensionärs geschlüpft war, einige Zentimeter vor ihren Lippen..
Im selben Augenblick vernahm sie ihren Gegengruß.
Noch ehe sie dieses Geschehen richtig verarbeiten konnte, schoss ihr durch den Kopf, dass sie ja nackt vor dem Spiegel gestanden hatte, sah an sich herunter und war beruhigt. Sie hatte dieselbe Kleidung an, die sie vor dem Duschen ausgezogen hatte.
Sie blickte Mr. Billing an, der neugierig und offensichtlich ihre Nervosität bemerkend etliche Schritte näher an sie herangetreten war.
Wieder schien er etwas zu sagen und wieder vernahm Gesa nichts.
Dann erschien, wie schon vorher eine kleine, etwa 2 cm im Durchmesser große Kaugummiblase, das Rosa, wie sie bemerkte diesmal eindeutig kräftiger und dunkler, verharrte kurz in der Luft und zerplatzte dann geräuschlos.
“Sie sind wohl sehr verfroren?”
Er deutete auf ihren Kopf.
Unwillkürlich fasste sie sich an die Haare, bemerkte die Wollmütze.
Natürlich, die Sonne schien, es war Frühlingshaft warm, Mr. Billing trug ein ärmelloses Hawaihemd.
Schnell versuchte Gesa Wohlrath eine Ausrede, eine Erklärung zu finden.
Sie artikulierte:
“Oh, ein Geschenk meiner Tochter, ich musste sie ausprobieren.”
Wiederum war schlichtweg nichts zu hören.
Dann blähte sich eine grellrote Kugel vor ihrem Mund auf, und sie hörte das, was sie gerade mit ihren Stimmbändern produziert hatte. Gesa vermeinte einen leichten Geruch nach verdorbenem Fisch zu riechen.
Der alte Mann sah sie etwas erstaunt an, ganz so, als ob er sie bei einer unerwarteten Lüge ertappt hätte, schüttelte dann leicht den Kopf und wiederum kam eine, diesmal eisblaue Blase aus seinem Mund.
“Ist schon gut, ich wollte ja nur fragen.”
Unwillig trat er an ihr vorbei, um dann eilig die auf die andere Straßenseite zu wechseln.
Gesa Wohlrath stand da, vollkommen reglos, unfähig zu begreifen, was mit ihr (oder der Welt?) geschehen war.
Träumte sie? War das eine Wirkung des Marihuanas, dass sie gestern bei einem Geburtstagsfest zum ersten Mal in ihrem Leben geraucht hatte?
Sie blickte sich um.
Die Maxwellstreet bot sich dar wie jeden Tag.
Dort der kleine Supermarkt, da das Postgebäude, das gemütliche Café in dem sie so gern die Tageszeitung las.
Ein paar Meter weiter, vor dem seit Generationen bestehenden Teeladen , dessen jetzige Besitzerin eine ungeheuer dicke Matrone war, die immerzu grantig wirkte, standen zwei Frauen um die Vierzig und unterhielten sich, wie es den Anschein hatte, sehr angeregt.
Gesa Wohlrath konnte nichts verstehen, doch sie konnte viele Bläschen, wie man sie aus den Röhrchen dieses Kinderspielzeugs produzierte, um die Oberkörper der sich Unterhaltendenden erkennen.
Fast jede dieser Seifenblasen hatte eine andere Couleur, der Grundton war jedoch eindeutig dem Rosa der aus Mr. Billings Mund entstandenen Seifenblasen ähnlich. Sie ging einige Meter auf die beiden zu.
Jetzt bemerkte sie, das die Farbe der Seifenblasen, die vor und teilweise über den Gesichtern der Frauen trieben, unterschiedliche Schattierungen hatten, manche waren sogar eindeutig Grün, andere Zitronengelb oder von dem Grellrot des kugeligen Gebildes, dass, als sie Mr, Billing begrüßt hatte, aus ihrer Mundhöhle entfleucht war.
Sie trat noch einen Schritt näher und war jetzt auch in der Lage, die Sätze, die aus den sich auflösenden Blasen entstanden, die da in großer Menge durch die laue Luft um die zwei Damen trieben, zu verstehen.
Manche zerplatzten, einige sanken einfach zu Boden und schienen zu zerfließen,
manche strebten, ohne ihren Wortinhalt wiederzugeben, dem blauen, mit wenigen Schäfchenwolken überstreuten Himmel zu, bis sie nicht mehr zu erkennen waren.
Jetzt kam ein besonders großer Ballon aus dem Mund der Dame, die direkt vor dem Schaufenster des antiquiert wirkenden Lädleins stand.
Das Ding hatte ein wesentlich größeres Volumen als diejenigen, die Gesa Wohlrath bis dahin gesehen hatte, außerdem war sie von einem wie giftig wirkenden, fast schillerndem Quittengelb.
War das die Farbe für Lüge, Überheblichkeit oder ähnliches? Jede Farbe schien ihre Aussage zu haben, und ihren eigenen Geruch. Denn wieder war da eindeutig ekeliger Fischgestank und etwas noch schlimmeres.
„Mein Mann und ich, wir fliegen in zwei Monaten in die Dominikanische Republik, mein Mann hat jetzt eine noch höhere Stellung in der Firma bekommen, wurde ja auch Zeit, so fleißig wie er arbeitet, und so können wir uns das nun ohne weiteres leisten.“
Nahezu im selben Moment als die Hülle der Worte geplatzt war, konnte Gesa einen widerlichen Geruch nach Exkrementen wahrnehmen, sich jedoch nicht vorstellen, dass dieser Gestank vielleicht aus der Kanalisation kam, hier in der Maxwellstreet hatte es allerhöchstens einmal nach Dieselabgasen gerochen, wenn der uralte Stadtbus vorbei getuckert war.
Die Kaugummiblase, welche die Antwort der anderen Dame beinhaltete, war von einem Grün, wie man es höchsten an einem Moosgeflecht in einem tiefen, schattigen Wald findet.
„Das ist ja toll! So weit weg und in eine so herrliche Gegend!“
Es roch eindeutig nach starker Schweißausdünstung.
Erneut eine Blase aus dem Mund der Frau auf der linken Seite, noch tiefgelber und nahezu genauso groß wie die vorherige.
„Nun, so ist es einmal, wir können es uns leisten, die anderen nicht.“
Der Gestank nach verdauten Nahrungsresten und verfaultem Fisch nahm Mrs. Wohlrath für einen Augenblick den Atem.
Gesa beschloss weiter in diese seltsame Welt, die sich ihr hier so plötzlich darbot, zu marschieren und machte einen großen Bogen um die zwei Damen und die sie umgebenden Blasen.
Was war passiert?
Vollkommen verwirrt, in dem verzweifeltem Versuch Ordnung in ihre Gedanken zu bringen, strebte sie auf die Wartebank der in der Nähe gelegenen Bushaltestelle zu.
Was hatte es mit dem Farbenspiel der Seifenblasen, diesem Geruch auf sich?
Sie nahm Platz.
„Ich bin in einer mir nicht bekannten Welt gelandet.“
Die Blase entwich ihrem Mund, ohne dass sie sie körperlich empfunden hätte.
Sie war weiß, nicht größer als eine Traube und geruchlos.
Sie zerplatzte, verschwand, und Gesa konnte ihre Worte hören.
„Ich glaube ich bin verrückt geworden.“ sagte sie eigentlich unbewusst resigniert und melancholisch vor sich hin.
Wieder eine pflaumengroße Blase, Hellgrau diesmal, süßlich nach Hyazinthen duftend.
„Verdammter Mist!“ Sie war aufgeregt, verärgert, böse auf sich selbst und wunderte sich deswegen ein wenig, denn eigentlich war sie die Ruhe in Person.
Das Gebilde aus ihrem Mund war Lila, eigentlich fast blau.
Die zwei Worte stanken, wie der glimmende Docht einer billigen Stearinkerze.
Ihr Intellekt begann zu arbeiten.
„Ich liebe meinen Freund.“
Die schwebende Kugel war hellgelb, löste sich auf und hinterließ einen Geruch, wie in einer gerade benutzten Toilette.
„Ich fühle mich gut.“
Auch diese Kugel Zitronengelb, wieder der nun aber etwas leichtere Geruch nach frisch benutzten Santäranlagen.
Sie starrte stumm vor sich, saß da mit vorgebeugtem Oberkörper.
Urplötzlich sah sie eine silberchromschimmernde, sehr große Kugel sich in Höhe ihrer Stirn auflösen und hörte den öligen, fast schleimigen Klang des ihr bekannten Staubsaugervertreters, der sich unbemerkt neben sie gesetzt hatte.
Die in dieser seltsamen Tönung schimmernde Blase löste sich auf und ein nahezu bestialischer Gestank nach verfaulten Eiern erfüllte den kleinen Wartestellenunterstand.
„Ja Mrs. Wohlrath! Was für ein glücklicher Zufall, dass ich ihnen hier begegne! Gerade wollte ich Sie in Ihrem Zuhause besuchen.“
Sie sagte nichts, sah nur ihn und die nächste in derselben Farben kolorierte Blase aus seinem Mund entfleuchen.
Verzweifelt versuchte sie, den durch den Gestank hervorgerufenen Brechreiz zu unterdrücken, würgte, schluckte , wollte ihre Körperkontrolle wieder gewinnen.
Wieder eine gleichfarbige Blase mit diesem schrecklichen Geruch aus der Mundöffnung des Vertreters.
„Wir verkaufen jetzt ein Gerät, das wirklich alles bisher Dagewesene übertrifft. Sie gewinnen beim Kauf eines dieser Geräte und ich...Sie wissen schon, kann mich gerade einmal so über Wasser halten....“
Mrs. Wohlrath stand abrupt auf, was ihr einen kleinen Schwindel verursachte, und sagte mit einer angsterregenden Blase von spinnengrünem Aussehen, die zudem noch grausam nach dem Bettbezug eines Durchfallkranken roch:
„Nein Danke, ich habe mir schon vorige Woche einen Neuen gekauft. Schön, Sie getroffen zu haben.“
Als sie wieder auf den Gehsteig trat, bemerkte sie, dass die Sonne schon fast untergegangen war, es musste bereits kurz vor 19.00 Uhr sein. Bald würde es vollkommen dunkel sein, der Übergang zwischen Dämmerung und Nacht verlief in diesem Teil der Welt ziemlich rasch.
Noch einmal und wieder rekapitulierte sie für sich die Situation, die nur ein Traum sein konnte.
Die Sätze, die die Menschen hier aussprachen, waren eine Art Seifenblasen, und ihrer Farbe und ihrem Geruch nach offensichtlich Träger des wahren Inhalts der Botschaft, die in ihnen ruhte.
Wahrlich seltsam. Sie stellte sich vor, wie sie mit ihrem Chef sprach, wie es wohl aussehen und riechen würde, einen Pfarrer predigen zu hören.

Die Einkaufstrasse hatte sich mittlerweile geleert, die Läden waren schon größtenteils dunkel und verschlossen, die Jalousien der zwei Juweliergeschäfte hinunter gelassen.
Sie fühlte sich sehr allein und einsam in dieser seltsamen Welt, in die sie geraten war.
Die öffentlichen Verkehrsmittel fuhren nicht mehr, für ein Taxi hatte sie nicht genügend Geld, und so beschloss sie, sich zu Fuß auf den Nachhauseweg zu machen. Es war zwar ein Stück zu Fuß, doch trotz einer seltsamen Schwäche, die sich ihrer bemächtigt hatte, fühlte sie sich stark genug, diezwei Kilometer hinter sich zu bringen.
Das alles konnte sowieso nur ein Traum sein.
Tapfer ging sie los.
Irgendwann dann war die Einkaufsstraße, die von Straßenlaternen einigermaßen ausgeleuchtet gewesen war, zu Ende, und sie kam in die dunklen, nach dem Konzept eines offensichtlich wahnsinnigen Architekten angelegten Straßenzüge der Hochhaussiedlung, in der sich irgendwo ihr neues Appartement befand.
Minutenlang schon hatte sie einen süßlichen Geruch wahrgenommen, nicht unangenehm, doch seltsam,- hatte auch das eine oder andere Mal vermeint, Schritte hinter sich zu vernehmen.
Jetzt drehte sie sich mit leichter Panik um.
Eine Gestalt war hinter ihr, noch in beruhigender Entfernung, doch holte sie auf.
Sie war keine furchtsame Frau, doch gerade in der letzten Zeit hatte man viel von Überfällen auf Frauen in der Stadt gehört.
Sie kam an einem großen Parkplatz zu ihrer Rechten vorbei, auf der linken Seite befand sich ein in Bau befindliches Hochhaus.
Die Schritte hinter ihr beschleunigten sich, sie begann schneller zu gehen.
Erneut drehte sie sich um, der Mann, es war eindeutig ein Mann, lief ganz offensichtlich hinter ihr her. Der ekelerregende süße Geruch wurde stärker.
Er war nun schon so nahe, dass sie tiefschwarze, kleine Blasen aus seinem Mund blubbern sehen konnte.
Sie begann zu rennen. Ihre hochhackigen Schuhe behinderten sie, dann wurde dieser Geruch immer intensiver. Ein Geruch nach Verwesung, Pestilenz.
Eine ungeheure Mixtur aus Essenzen, die aus verfaultem Fleisch und Obst, abgestandenem Kohlgeruch und Kot gewonnen zu sein schien.
Die brutal kräftige Hand eines Mannes ergriff ihren linken Oberarm.
Eine tiefschwarze, in ihrem Inneren Glutrot schimmernde Blase kam aus dem mit Zahnlücken übersäten Mund, des offensichtlich bis an den Rand einer menschlichen Existenz heruntergekommen Mannes, dessen Kleider schmutzverkrustet waren und der sie jetzt herum riss.
Die schwebende Kugel, die aus seinem den Gestank von billigem Fusel ausströmenden Rachen hervorquoll, schwebte einige Sekunden lang vor seinem unrasierten Kinn, platzte dann, doch nicht um vollkommen zu verschwinden, denn Teile einer geleeartigen nachtschwarzen Materie der Blase benetzten Mrs. Gesa Wohlrath, klebten an ihrem Mantel, ihrem Gesicht und auch dem des stinkenden Mannes.
„Jetzt werden wir uns vergnügen Mädel!“
Er zerrte sie über die Straße in den Rohbau. Ständig kamen die glutrotschwarzen Kugeln aus seiner Gurgel, der furchtbare Gestank.
„Vergnügen, Vergnügen!“. hörte sie ihn, wie einen Irren, ein um das andere Mal murmeln, flüstern.
Sie war zu schwach, sich zu wehren.
Es war entsetzlich, grausam schmerzhaft, sie fühlte sich erniedrigt wie nie in ihrem Leben, doch seltsamer Weise war der unerträgliche Gestank nach Tod und Verwesung das Schlimmste.

Schön wurde es erst wieder, als der Mann ihr mit einer rasiermesserscharfen Klinge die Kehle durchschnitt.
Ihr Ich schwebte in einer goldfarbenen Blase in den azurblauen Himmel, der Sonne entgegen und genauso fühlte sie sich jetzt.

Der Beamte in der Mordkommission legte den Akt über dieses Verbrechen zu den anderen ungelösten Fällen vermisster Personen, eine kleine Seifenblase aus tiefschwarzer Konsistenz schwebte über seinem Kopf, sie zerplatzte und dann waren die Worte zu hören:
„Wer glaubt denn an irgendeinen Unsinn von Parallelwelten?“.

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