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November 2004
Wie aus Mäxchen ein Max wurde
von Heidi Hoppe

Mäxchen spürte es in seinen Barthaaren. Irgendetwas war anders heute. Er trollte sich aus seinem Katzenkörbchen, schlich in den Flur und sah zur Eingangstür. Wo Gesa nur blieb? Mäxchen wollte an der Tür warten, doch die Fliesen waren zu kalt, zu hart für seine watteweichen Tatzen. Er spitzte die Ohren. Was war das für ein Geschrei?

Mäxchen hatte nie eine Chance, ein Max zu werden. Er zählte inzwischen zehn Lenze, doch sein Frauchen behandelte ihn immer noch wie ein Neugeborenes. Das war auf der einen Seite sehr angenehm. Sein Futter war allererste Sahne. Sonntags bekam er Tartar und sonst gab`s das Fresserchen aus diesen schimmernden Golddosen. Einfach delikatös! Er empfand es als urgemütlich, am Abend mit Gesa im Sessel zu sitzen, von ihren Chips zu knabbern und zuzuhören, wie es im Fernseher quietschte und knallte. Das Allerschönste war jedoch, neben seinem Frauchen einzuschlafen. Sein Platz war unter ihrer Bettdecke. Dort kuschelte er sich an ihre Füße und biss hin und wieder aus lauter Übermut zärtlich in ihren großen Zeh.
Doch wenn sie mit ihm sprach, als hätte er nicht alle Sinne beisammen, dann wünschte er sich, ein erwachsener, schlanker Kater zu sein. Davon war er allerdings weit entfernt.

Mäxchen eilte zurück ins Wohnzimmer, sprang auf die Sessellehne und von dort auf die Fensterbank. Das Fenster hatte keine Gardinen. So konnte er direkt auf die Stellplätze und die nächste Häuserzeile blicken. Dort stand Gesas Taxi. Er entdeckte sie, zusammen mit Achim, diesem nervigen Typen. Beide fuchtelten mit den Armen. Als dann Achim seinen Arm hob und direkt auf ihn zeigte, fühlte Mäxchen sich ertappt. Er sprang auf den Teppichboden, schlich geduckt zu seinem Schlafplatz und rollte sich zusammen. Hatte er es etwa zu doll getrieben?

Kurze Zeit später klimperten die Haustürschlüssel. Dazwischen mischte sich ein Schluchzen, das ihn zutiefst berührte. Es dauerte eine Weile, bis Gesa die Tür geöffnet hatte. Sie kam allein. Mäxchen stellte sich schlafend und wartete ab. Er hörte die Wahltasten des Telefons piepen. Kurz danach sprach Gesa.

„Du Scheißkater!“
Mäxchen zuckte zusammen.
Mit einem Latschen in der Hand kam Gesa ins Wohnzimmer gestürmt und zielte in seine Richtung. Mäxchen schaffte es gerade noch, sich aus seinem Körbchen zu wuchten und hinter die Badezimmertür zu verschwinden, da sauste es schon kometengleich durch die Luft und landete mit einem Klatsch an der Badezimmerwand. Mäxchen hockte sich ins Katzenklo. Er war verwirrt, scharrte die Streu auseinander. So hatte er sein Frauchen noch nie erlebt. Plötzlich stand Gesa im Bad und schmiss das Katzenkörbchen in die Wanne.
Sie zeigte drohend darauf und schrie fürchterlich.
Was hätte er denn tun sollen? Seine Versorgerin und Kuschelpartnerin widerstandslos diesem dahergelaufenen Typen überlassen? Das war nun doch zu viel verlangt.

Vor einigen Monaten hielt Achim Gesa seine neuen Mokassins unter die Nase. Als die zwei dann engumschlungen ins Schlafzimmer schlenderten, schmiss Gesa Mäxchen kurzerhand hinaus. Das war nun wirklich zu viel. Anfangs kuschelte Mäxchen schnurrend an den Lederschuhen, die Achim im Flur sorgsam einreihte und fühlte, wie angenehm weich diese waren, aber dann überkam ihn doch ein heftiger Schmerz. Rausgeschmissen hatten sie ihn. Da ihm der Weg zu seinem Klo zu weit war, erledigte er sein kleines Geschäft eben in einem dieser Schuhe. Na und? Achim war sauer am nächsten Morgen, schnupperte in der Luft herum, während der Kater durch den Türrahmen blickte. Achim nahm den Schuh hoch und wollte ihn auf den Kater werfen, doch da mischte Gesa sich ein. Sie nahm Mäxchen auf den Arm und streichelte ihn:
„Mein armer Kater. Musstest ganz allein schlafen.“ Sie strich ihm übers Fell und er schnurrte wohlig. Achim bekam einen Schreikrampf und knallte mit den Türen.
Dann war da noch die Sache mit der Walnussschale. Gesa und Achim knackten im Wohnzimmer Nüsse. Immer, wenn Mäxchen an Gesas Beinen herumstrich, zappelte sie und schimpfte:
„Nun geh doch mal. Ab ins Körbchen.“
Mäxchen wartete ab. Er wusste, dass Achim des Nachts zum Klo ging, also schnappte er sich ein paar spitze Walnussschalen und platzierte sie vor der Badezimmertür.
Als das Katerchen dann einen höllischen Schrei hörte, nickte er zufrieden ein.

Während Mäxchen über seine Untaten nachdachte, klingelte es. Carolin stand vor der Tür. Sie war ganz nett, doch andauernd versuchte sie ihn zu erziehen. Was ging sie es an, wie er mit seiner Gesa hier lebte? Und dann diese ekligen Leckerli, die sie ihm hin und wieder zusteckte. Mager und trocken wie ein Furz.

Mäxchen äugte aus dem dunklen Bad in den Flur. Er sah, wie Gesa und Carolin sich umarmten. Seine Versorgerin hatte sich gerade beruhigt, doch jetzt begann sie wieder zu schluchzen. Carolin legte tröstend ihren Arm um Gesa und beide verschwanden ins Wohnzimmer. Das konnte nichts Gutes bedeuten.
Mäxchen schlief im Bad ein. Plötzlich packten ihn zwei Hände und steckten ihn in diesen kalten Tragebehälter. Gesa wollte ihn streicheln, aber Mäxchen ließ es sich nicht gefallen und fuhr seine Krallen aus. Ihm schwante Böses. Carolin trug ihn aus dem Haus und nahm ihn einfach mit.

Er verbrachte Wochen auf dem Lande bei Carolin. Das Leben dort war anfangs viel zu anstrengend und ungewohnt für einen verwöhnten Stadtkater. Zuerst durfte er noch in Carolins Wohnzimmer übernachten, aber als er sich eingewöhnt hatte, scheuchte sie ihn nach draußen. Dort suchte er sich ein Schlafplätzchen auf dem Carport. Futter gab`s nicht mehr aus den Golddöschen. Mäxchen musste sich Mäuse fangen und wenn er Glück hatte, fand er in seinem Näpfchen Trockenfutter, trockenes Trockenfutter. An Chips vor dem Fernseher war nicht im Entferntesten zu denken. Carolin hatte gar keinen Fernseher und Chips erst recht nicht. Sie lebte gesund.

Nach einiger Zeit fühlte sich Mäxchen so richtig fit. Er hatte abgenommen, doch plagte ihn das Heimweh nach seiner Gesa. Dann endlich nahm ihn seine Pflegemutter auf den Arm und setzte ihn vor dem Tragekorb ab. Mäxchen spürte: jetzt geht es zurück nach Hause. Er blinzelte Carolin mit seinen kugelrunden Augen an uns stolzierte maunzend hinein.
Was war er glücklich, seine Gesa wieder zu sehen. Er schnurrte wie eine Nähmaschine, als sie sein Fell kraulte. Als er Achim in die Wohnung kommen sah, blinzelte er skeptisch.

Mäxchen war jetzt oft draußen unterwegs. Er genoss es, vom Dachfirst den Vollmond zu begrüßen und eine ganze Schar von Katzendamen anzulocken. Inzwischen war es ihm recht, dass Achim sich des Nachts um Gesa kümmerte. Mäxchen beobachtete, wie Gesa immer runder wurde und nach einer Weile ein kleines, weiches Wesen in der Wiege lag. Er war erleichtert. Endlich hatte Gesa ein anderes Kuscheltier gefunden und Mäxchen war endlich zum Max geworden.


© Heidi Hoppe

Letzte Aktualisierung: 00.00.0000 - 00.00 Uhr
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