Mainhattan Moments
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Susanne Ruitenberg und Julia Breitenöder haben Geschichten geschrieben, die alle etwas mit Frankfurt zu tun haben.
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November 2004
So ein Tag, so wunderschön wie heute
von Marion Pletzer

Irgendetwas war anders als sonst. Luisa gehörte schon im täglichen Leben zu den eher chaotischen Menschen, aber an diesem Morgen fühlte ich ihre Unruhe, als wäre es meine eigene.
Am besten machte ich mich unsichtbar. Wenn sie mich brauchte, würde sie sich schon melden. Von meinem Sessel aus beobachtete ich, wie sie hektisch durch das Haus lief. Treppauf, treppab mit klappernden Absätzen.
„Bruno, wo sind die Unterlagen?“
„Da, wo du sie gestern Abend hin gelegt hast.“
„Wo war denn das gleich.“ Suchend blickte sie sich im Zimmer um.
„Luisa, bitte tu dir selbst einen Gefallen und beruhige dich.“
„Na, du hast gut reden. Es steht so viel auf dem Spiel“, sagte sie und verschwand schon wieder durch die Tür.
Ich hörte, wie sie Schubladen aufzog und wieder schloss und ab und zu ein verzweifeltes: „Das gibt es doch gar nicht.“
Ich schloss die Augen. Eine Hilfe war ich ihr sowieso nicht.
„Bruno!“ Ich riss die Augen wieder auf.
„Was denn?“
„Kannst du mir nicht mal helfen. Wir müssen los und du weißt genau, dass wir ohne diese blöde Anmeldung nicht teilnehmen können.“
„Ja, ja. Aber das ist das letzte Mal. Ich bin es endgültig leid, deine Unordnung zu unterstützen. Hättest du die Papiere – wie ich es dir geraten habe – gestern gleich ins Auto gelegt, müsstest du jetzt nicht suchen.“
„Da sagst du was.“ Nachdenklich zog sie ihre Brauen zusammen. „Hab ich vielleicht doch?“, sie beendete den Satz nicht.
„Bin sofort wieder da“, rief sie und lief nach draußen.
Der Tag schien lustig zu werden.
„Ach, Gott sei Dank. Stell dir vor, sie lagen tatsächlich schon im Wagen. Wo bin ich nur immer mit meinen Gedanken?“, schwatzte Luisa und klapperte schon wieder eilig die Treppe nach oben.
Urplötzlich stand sie in der Tür und trug die magische Kleidung. Blitzartig stand ich auf.
„Ich bin so weit“, sagte sie.
„Na endlich.“
Wir fuhren los. Voller Vorfreude schaute ich aus dem Fenster.
Dann waren wir endlich da. Als wir ausstiegen, schlugen mir wohlbekannte Geräusche und Gerüche entgegen. Mein Herz klopfte heftig in meiner Brust. Doch zum Umschauen und Kontakte knüpfen blieb keine Zeit, denn Luisa hastete sofort los. Ich lief hinter ihr her, um sie nicht zu verlieren.
Sie gab die Anmeldung ab und erhielt eine Nummer. Dann mussten wir warten. Um uns herum herrschte ein Riesentrubel. Menschen klatschten, wenn über den Lautsprecher eine Stimme die Laufzeiten der Teilnehmer durchgab.
„Die nächste Startnummer lautet 27“, schallte es über den Platz.
„Jetzt geht es los“, sagte Luisa. „Komm“. Das musste sie mir nicht zweimal sagen. Begeistert folgte ich ihr.
Am Startpunkt blieben wir stehen.
„Als nächste starten: Luisa Winter und Franzi“, sagte die Stimme. Ich spitzte die Ohren, schaute Luisa erwartungsvoll an und wartete auf das ersehnte Kommando. Mein Körper war gespannt wie eine Feder.
„Los, Franzi.“ Sofort spurtete ich auf das erste Hindernis zu und nahm es im Flug. Luisa hatte ich dabei immer im Blick.
„Laufdeel, Franzi, schnell.“ Ich sauste über den schmalen Balken und achtete auf ihre Stimme, die das nächste Ziel rief.
„Wippe.“ Rauf auf die Wippe, dann etwas langsamer bis sie umkippte und wieder herunter.
„Tunnel.“ Meine Zunge hing vor Begeisterung weit aus meinem Maul, als ich aus dem Stofftunnel wieder auftauchte.
„Reifen“. Ein Satz und ich war durch.
„Super, Franzi. Slalom.“ Geschickt bog ich meinen gelenkigen Körper und schaffte die Slalomstangen in Rekordzeit.
Als nächstes kam der Dreisprung. Ein Klacks für mich.
„Schnell, Franzi, lauf“, schrie Luisa und lief selbst so schnell sie konnte hinter mir durch die Ziellinie.
Ich sprang ich an ihr hoch und bellte laut vor Begeisterung.
„Das hast du fein gemacht. Du bist ein toller Hund“, lobte sie mich überschwänglich und rubbelte meine Halskrause kräftig durch.
Mmmh, für dieses Lob machte ich einfach alles.
„Gratuliere. Das war bisher die Bestzeit. Ja, unsere Bordercollies sind einfach nicht zu schlagen“, sagte die Stimme aus dem Lautsprecher.
„Ja!“, schrie Luisa und klatschte in die Hände.
„Herzlichen Glückwunsch“, sagte Bruno, der plötzlich aufgetaucht war und sie küsste. „Dir natürlich auch.“ Zärtlich zupfte er an meinen Ohren.
Was für ein Tag.




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