Der Cousin im Souterrain
Der Cousin im Souterrain
Der nach "Dingerchen und andere bittere Köstlichkeiten" zweite Streich der Dortmunder Autorinnengruppe "Undpunkt".
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Januar 2005
Der Trip
von Sabine Ludwigs

Das Mädchen war kein guter Mensch. Sie hatte die zehn Gebote gebrochen. Mehr als einmal, und doch verschwendete sie keinen Gedanken daran.
Nicht, weil sie es nicht bereute, sondern weil ihr die Erinnerung daran fehlte ...

Sie krümmte sich vor Bauchkrämpfen und der Schüttelfrost ließ ihre Zähne aufeinanderschlagen. Ein eisiger Wind griff unter Kathrins kurzen Rock, sodass ihre Schenkel vor Kälte taub wurden. Sie hechelte, um den Unterleib zu entkrampfen. ´Verdammt´, dachte sie. `Ich muss mich zusammenreißen und die Entzugserscheinungen noch eine Weile im Zaum halten. Nur, bis ich einen letzten Freier gefunden habe.`
Die Schmerzen ebbten ab. Die Kirchturmuhr schlug elf Mal. Der Nachtzug aus Ederstadt müsste eingetroffen sein.
Lässig schlenderte Kathi den Bürgersteig entlang. Die meisten Kerle wollten keine Junkies, und wenn sie noch so geil waren. Die Siebzehnjährige hing seit drei Jahren an der Nadel. Erwartungsvoll suchte sie das Häuflein Menschen ab, das aus dem hellen Bahnhofsgebäude drängte. War ein Kunde für sie dabei?
´Komm schon, finde einen Freier`, feuerte sie sich an. `Murat wird dir keinen Stoff auf Pump geben. Also streng dich an.´
Murat, der Kathrin die große Liebe vorgegaukelt und dem sie bedingungslos vertraut hatte. Zu ihrem vierzehnten Geburtstag machte er ihr ein besonderes Geschenk: den ersten Schuss.
„Hier Kathi, eine Überraschung.“ Er hatte gegrinst. Damals bebten ihre Hände vor Aufregung, als sie das bunte Päckchen öffnete. Eine aufgezogene Spritze lag darin. Kathrin fühlte sich den anderen aus der Clique haushoch überlegen, als Murat sie an sich zog und ihr - vor aller Augen - gekonnt die Nadel in die Vene stach. Er wusste, dass sie sich nicht traute, es selbst zu tun. Wie glücklich war Kathi gewesen, weil sie glaubte er täte es aus Liebe zu ihr. Die ersten paar Male half er ihr noch, doch schließlich musste sie es allein tun. ...

Liebe Leserin, lieber Leser,

diese Geschichte gehört zu den Siegergeschichten und erscheint in unserer Literaturzeitschrift Schreib-Lust Print. Wir bitten Sie um Verständnis, dass wir uns nicht selbst Konkurrenz machen möchten, indem wir die Geschichte ebenfalls hier komplett veröffentlichen.

Vielen Dank!

Andreas Schröter

Letzte Aktualisierung: 29.06.2006 - 20.40 Uhr
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