Der himmelblaue Schmengeling
Der himmelblaue Schmengeling
Glück ist für jeden etwas anderes. Unter der Herausgeberschaft von Katharina Joanowitsch versuchen unsere Autoren 33 Annäherungen an diesen schwierigen Begriff.
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Februar 2005
Der Männerchor
von Klaus Eylmann

Ich stehe an der Reling und warte. Bisweilen findet die schräg stehende Sonne einen Weg durch die Mangroven und färbt das Wasser des Amazonas in helles Braun. Die Maschine stampft, unter mir dreht sich ein Rad. Durch das Rauschen bewegten Wassers dringt die Stimme eines Kindes. Ich ziehe die Uhr aus der Weste. Vor drei Stunden hatten wir in Obidos abgelegt. Am Ufer hängen Bäume über dem Wasser. Das Schiffswrack müsste in wenigen Minuten auftauchen. Eine junge Frau kommt mit einem kleinen Jungen das Deck entlang. Das Kind läuft zu mir, sieht mich an und fragt: “Was hast du in deinem Koffer?”
Abgewetzt, braun, robust steht der neben mir auf den Planken, als warte er darauf eine neue Reise anzutreten. Ich antworte dem Jungen, der zur Frau zurück läuft und ruft: “Der Mann hat gesagt ‘Korsetts’, hat er gesagt. Mammi, Korsetts, was ist das?”

Jahrzehnte lang war ich, Robert Bimstein, Zuschneider in der Mieder- und Korsagenfabrik Formtreu & Cie gewesen und glaubte, auf dem Höhepunkt meiner Berufslaufbahn zu stehen. Doch je näher mein Pensionsalter heran rückte, desto mehr erwachte in mir die Sehnsucht nach neuen Ufern, und ich verließ im Juni 19.. das Unternehmen. Ich wurde Reisender in Trikotagen. Oh, das Gefühl selbständig zu sein!
Der Vorgang, wenn auch eine wichtige Zäsur in meinem Leben, wäre nicht wert erwähnt zu werden, hätte er mir nicht die Möglichkeit verschafft, die in mir aufgekommene Lust auf phantastische Abenteuer zu befriedigen.
Aller Anfang ist schwer und ich fragte mich, ob es der Anfang vom Ende war. Reiste ich doch mit einem Koffer voll Korsetts ohne Plan und Ziel in Deutschland umher, um die Produkte an die Frau zu bringen, bis ich an einem grauen Novembertag in Ochsenstadt aus der Kutsche sprang und im ‘Braunen Bären’ einkehrte. Die Frau des Wirtes, eine füllige Endvierzigerin mit mächtigen Oberarmen, brachte just in dem Moment vier Humpen Bier an unseren Tisch, als ich meinem Tischnachbarn, dem Dorfschmied Heinz, ein Exemplar aus meinem Sortiment zeigte.
“Mein Herr”, flötete sie. “Wie gern hätte ich eines Ihrer Korsetts anprobiert. Doch mein Mann”, und sie deutete mit ihrem Kopf zur Theke, wo ein schmächtiges Männlein Bier einschenkte, “bringt die Kraft nicht auf, es so zu schnüren, dass meine Jugend wieder zum Vorschein kommt. Ich sehe jedoch, dass auch Sie dazu nicht in der Lage sind.” Ihre Bemerkung traf mich, doch war die Frau nicht im Unrecht. Bin ich doch von zarter Konstitution, die so manchen Genies eigen ist. Dafür war der Dorfschmied um so kräftiger, und ich wagte zu sagen, dass mein Tischnachbar wohl helfen könnte.
Als Heinz und ich im Morgengrauen nach ausgedehnter Zecherei aus dem Lokal traten, hinterließen wir ein Korsett, ein glückliches Wirtsehepaar und eine Garantie auf freie Übernachtung und Verzehr, wenn immer ich mich in Ochsenstadt aufhalten sollte. Heinz meinte: “Es gibt genügend kräftige Männer hier.” Ich sah ihn fragend an. “Um das Korsett der Wirtin zu schnüren.”
Ich setzte Anzeigen in die Zeitungen. ‘Mit dem Wunderkorsett fühlen Sie sich wie neu geboren’. Nun, das Wunder war Partner Heinz, der mit einem Korsett jeden Frauenkörper in die gewünschte Form zu pressen in der Lage war. Formtreu & Cie hatten in mir einen würdigen Vertreter gefunden.
Unrast trieb mich über die Landesgrenzen. Alsbald befand ich mich mit einem Koffer voll Korsetts im Unterdeck eines Passagierdampfers nach Argentinien, um der Einladung eines Jugendfreundes zu folgen. Um für die Passage aufzukommen, machte ich mich in der Schiffswerkstatt nützlich. Mein Partner war nach Ochsenstadt zurück gekehrt. So entwickelte ich einen mechanischen Korsettschnürer. Er besteht aus Zahnrädern, Stahlfedern, einer Spule, versetzt auch den schwächsten Ehemann in die Lage, das Korsett seiner Frau zu schnüren. Dem Kapitän gab ich die Gelegenheit, den Apparat auszuprobieren. Es war beeindruckend, wie die Luft aus der Kapitänsfrau gepresst wurde, bis sie ohnmächtig zu Boden sank. Dieser Zustand dauerte nur einige Minuten. Als ich die Flasche mit dem Riechsalz beiseite stellte und die Frau ihre Figur im Spiegel sah, drückte sie mich so fest an ihren Busen, das es mir schwer fiel, sie nicht meine Begeisterung spüren zu lassen. Der Schnürer hatte sich bewährt. Ein Exemplar überließ ich dem Kapitän, und ich bekam auf Grund von Mundpropaganda genügend Aufträge weiblicher Passagiere, um meinen Aufenthalt in Argentinien für einige Zeit finanziell abzusichern.
Als wir in Buenos Aires einliefen, stand mein Jugendfreund Walter am Pier. Ich hatte ihn als spindeldürren Mann in Erinnerung. Doch dieser hier hatte sich vom guten Leben überzeugen lassen. Sein Umfang hatte beträchtlich zugenommen. Der Kopf glich einer Kugel, aus dem die Augen listig hervor lugten. Er hieß mich überschwenglich willkommen und warf mein Gepäck in eine Kutsche, mit der wir in die Stadt fuhren.
Der Abend im Teatro Colòn war einer der Höhepunkte meines Aufenthaltes. Ich vergaß füllige Frauen, Korsetts, Stangen, mechanische Schnürer, als Walter mit seinem Chor aus voller Kehle Lieder von der Bühne schmetterte. Die Männer standen in ihren Fracks, nach vorn gebeugt wie altersschwache Pinguine. Der Zahn der Zeit hatte kräftig an ihnen und ihren Toupets genagt, doch sprühte Feuer in ihren Augen und ihre Stimmen klangen kräftig. Sie besaßen ein umfangreiches Repertoir, vom Lustigen wie ‘Was macht der Meier auf dem Himalaya’, ‘Bevor nicht die Hose am Kronleuchter hängt’, zum getragenen ‘Am Brunnen vor dem Tore’ und erhabenen ‘La Montanara’. Am Schluss sprang das Publikum jubelnd auf die Stühle, und nur unter Mühen gelang es den Ordnern, die Sänger durch einen Hinterausgang aus dem Theater zu bugsieren. Walter und ich übernachteten in meinem Hotel. Am Morgen darauf fuhren wir in die Pampas, die sich südwestlich von Buenos Aires ausbreiteten.
“Wir haben uns zur Ruhe gesetzt. Du hattest Glück, eine unser seltenen Vorstellungen zu sehen.” Walters feistes Gesicht glich einem Mond, der sich in den Tag verirrt hatte. Außerhalb der Stadt rumpelte die Kutsche über ausgefahrene Wege. Die Fahrt dauerte mehrere Stunden. Wir passierten Rinderherden, Gauchos auf endloser Steppe, und ich fürchtete, nie mehr aus der Kutsche heraus zu kommen. Dann sah ich die Estancia. Das Herrenhaus, ein kleineres, vermutlich für’s Gesinde, die Stallungen, waren um einen Patio gruppiert, in dessen Mitte ein Springbrunnen die Luft kühlte. Walter und ich setzten uns in den Schatten von Palmen, mannshohen Kakteen und Jacaranda Bäumen, beobachteten, wie der Kutscher die Pferde abspannte, trocken rieb und in die Stallungen führte. Peones fuhren mit einem Pferdewagen davon. Eine junge Frau kam aus dem Haus und lief auf uns zu.
“Pilar, traiganos unas cervezas!”, rief Walter und legte seine Füße auf die Mauer, die sich um Brunnen und Pflanzen wand.
Ich schloss die Augen. Meine Sinne ergaben sich dem Duft des Oleanders, dem Zirpen der Zikaden, dem Rauschen des Brunnens.
“Robert. Estas in tu casa.”
“Gracias”, war eines der wenigen spanischen Wörter, mit denen ich antworten konnte. “Wie hast du das nur geschafft?”, fragte ich, ohne die Augen zu öffnen.
“Nicht ich. Der ganze Chor.” Und ich erfuhr die unglaubliche Begebenheit, wie die Sangesbrüder zu Wohlstand gekommen waren.
“Es war vor zwei Jahren. Nachdem wir in den berühmtesten Häusern der Welt aufgetreten waren, zogen wir nach Buenos Aires, Stadt mit europäischem Flair in einem Land, das uns, die wir alt geworden waren, mit seinem milden Klima zusagte. Hinter uns die Karriere, über uns der Himmel, unter uns die....Oye muchacha, dos cervezas, por favor ..., also wir sind rundherum zufrieden hier, geben, wenn wir gefragt werden, Benifiz- Konzerte im Teatro Colòn. Dann bekamen wir diese Einladung aus Manaus, einer brasilianischen Stadt inmitten von Gummiplantagen. Deren Besitzer hatten ein Opernhaus gebaut. Wie sehr sie mit unserer Zusage rechneten ergab sich daraus, dass sie die Schiffspassage für den Chor im Voraus bezahlten. In Buenos Aires bestiegen wir ein Schiff, mit dem wir auf dem Rio de la Plata die hundert Meilen zum Atlantik und dann die Küste entlang bis nach Belèm an die Mündung des Amazonas fuhren. Dort wartete die ‘Paryassu’ auf uns, einer jener verrotteten Kähne, die auf dem Amazonas verkehren. Außer uns waren Händler an Bord, die Stoffe, Früchte und Eisenwaren stromaufwärts verkaufen wollten. Dann ein bibelschwingender Priester, ein Polizist auf Verwandtenbesuch, eine Frau, die ihrem Mann davon gelaufen war. Um uns braunes Wasser, Wald wie gigantischer Broccoli und das Geschrei von Affen. Dann würfelte das Schicksal. Zwischen Obidos und Manaus explodierte der Dampfkessel. Wir begruben den Heizer am Ufer und sprachen ein kurzes Gebet unter einer Wolke von Glühwürmchen. Die anderen Passagiere gingen aufs Schiff zurück, doch meine Chorbrüder und ich entschieden sich stromaufwärts zu marschieren, da wir einen guten Monat auf das nächste Boot hätten warten müssen.” Walters Stimme schläferte mich ein. Ich hörte dann wieder, wie er sagte: “Kikapu-Indianer, es mussten die Kikapu sein, von denen schon Edgar Allan Poe berichtet hatte, trieben uns tiefer in den Dschungel. Jeder von uns Choristen umklammerte seinen kleinen Koffer mit Waschzeug, Nachthemd, Nachtmütze, Unterwäsche und Frack, als hinge sein Leben davon ab. Es war dunkel, es war feucht. Das Hemd klebte mir auf dem Leib. Mangroven hielten das Tageslicht fern, so dass wir nicht auf die grauen Mauern achteten, die sich zwischen den Bäumen erhoben. Eine Pyramide, die sich in den Himmel reckte. Etwas Unheimliches ging von diesem Bauwerk aus und dann wurde mir bewusst: Die Tiere, deren Stimmen uns den ganzen Weg über begleitet hatten, waren verstummt. Es war, als trauten sie sich nicht in die Nähe dieses grauen Tempels, der mit einer Höhe, Breite und Länge von rund fünfzehn Metern von weitem kaum zu sehen gewesen war. Die Kikapu stießen uns durch einen breiten Riss in der Mauer.
Ein Mann lag auf dem Bauch und streckte die Arme einem Götzenbild entgegen. Es glich einem Ballon mit aufgepapptem Kopf. Zweifelsohne handelte es sich bei dem Indio auf dem Boden, dessen Kopf unter einem Federschmuck verschwand, um einen Priester. Er trug einen Umhang aus gegerbtem Leder, eine Kette aus Jade und Muschelschalen und rief: “K’inich yaz kuk mo!” Dann schwanden mir die Sinne.”
Es dämmerte. Ein Hund bellte. Jemand sang zur Gitarre. Frauenlachen wehte zu uns herüber. Walter hatte seine Geschichte abgebrochen und führte mich auf mein Zimmer. Ich stellte meinen Koffer in eine Ecke und sah zum Fenster hinaus. Walter und seine Sangesbrüder hatten in den Glückstopf gegriffen. Doch mir war unbehaglich zumute; ich schien mein Ziel aus den Augen zu verlieren.
Nach dem Abendessen aus Steak und Bohnen sprachen Walter und ich dem Bier zu. Mein Freund fuhr mit seiner Geschichte fort. “Als ich aufwachte, schienen zwei Sonnen auf auf uns herab. Wir lagen unter einer Kuppel aus durchsichtigem Material. Wesen, die dem Götzen aus dem Tempel glichen, sahen durch die Kuppel auf uns. Groß wie wir, ihre runden haarlosen Köpfe übersät mit Augen, die sich in einer mir unerklärlichen Folge öffneten und schlossen. Platz für Nase, Mund, Ohren waren nicht vorhanden. Unter den Umhängen über ballonförmigen rot gestreiften Körpern waren weibliche Attribute zu sehen.”
Ich dachte an die fünfzehn Korsetts in meinem Koffer und fragte: “Wie viel waren es?” “Um die zehn”.
“Sie hüpften auf Stummelbeinen, stießen gegen einander, schienen erregt. Doch in die Kuppel drang kein Laut. Unter und hinter ihnen dehnte sich eine metallen schimmernde Fläche zum Horizont. Dann gruppierten sich die vermenschlichten Ballons konzentrisch um die Kuppel und fixierten ihre Augen auf einen Punkt in der Mitte. Unter dem Licht der Sonnen bildeten sich dort grünbläulich glänzende Kristalle. “Diamanten!”, rief einer aus unserer Mitte. Wir teilten auf, steckten sie in unsere Koffer. Die Wesen sahen uns an, schienen auf etwas zu warten. Auf was?, fragte ich mich. Was hatten wir ihnen zu bieten? Doch nur eines. Ich zog den Frack aus dem Gepäck und rief meinen Kollegen zu: “Zieht euch um! Wir singen!”
Unsere schönen deutschen Lieder. Dies war ein denkwürdiger und gleichzeitig beunruhigender Auftritt. Wir begannen mit Ännchen von Tharau.
...hat wieder ihr Herz auf micht gerichtet, in Liebe und Schmerz.”
Walters Augen, feucht schimmernde Kürbiskerne.
“Während wir sangen, suchten mich Empfindungen heim, von denen ich nicht ahnte, dass ich ihrer fähig war, seit mich meine Frau verließ. Die Ballonwesen schienen in sich zu ruhen, bewegungslos, in Trance, und ich fragte mich: Waren sie es, die diese Gefühle auf uns projizierten?”
Walter hatte zu reden aufgehört. Glühwürmchen tanzten, Grillen zirpten, ein Specht trommelte seinen Abendgruss. Ich versuchte mich der hypnotischen Wirkung zu entziehen, die das Plätschern des Wassers, die Gitarrenklänge auf mich ausübten und fragte.
“Habt ihr weiter gesungen?”
“In der Mitte der Kuppel”, antwortete Walter, “bildeten sich weitere Diamanten. Für mich stand fest: Es war eine Aufforderung an uns, fortzufahren. Als wir ‘Im Wald und auf der Heide’ sangen, wuchs ein Wald in der Kuppel heran. Und nicht nur das. Auch die metallene Fläche außerhalb verwandelte sich in eine Forst- und Heidelandschaft. Dieser Szenenwechsel verwirrte uns. Es war, als veränderte der Inhalt des Textes die Umgebung. Und nicht nur das, auch unsere, und vermutlich die Empfindungen dieser seltsamen Wesen um uns herum. Wir nahmen uns vor, Lieder zu singen, die den Wald zum Inhalt hatten, um nicht durch ständige Wechsel von Landschaften aus dem Konzept gebracht zu werden. Nach etwa fünfzehn Liedern waren unsere Koffer mit Diamanten gefüllt.
“Jetzt ist es genug”, meinte jemand. Wir warteten. Die Ballonwesen darauf, dass wir weiter sangen und wir hofften, dass sie uns dorthin zurück transportierten, wo wir her gekommen waren. Plötzlich verkrampften sich unsere Muskeln. Wir wälzten uns vor Schmerzen auf dem Boden. Stöhnend erhoben wir uns und stimmten ein neues Lied an. Die Schmerzen verschwanden. Doch nach den ‘Blauen Dragonern’ sank der erste von uns erschöpft zu Boden. ‘Es klapperte die Mühle’ und ein zweiter wurde ohnmächtig. Der ständige Wechsel der Umgebung machte auch uns, die weiter sangen, zu schaffen. Wir sangen ‘La Montanara’, zitterten unter der schneidenden Kälte hoher Berge, keuchten in dünner Luft und beobachteten, dass die Ballonwesen um uns herum an Umfang zunahmen. Sie stiegen ein paar Meter in die Höhe. Dann explodierte eines. Als das Lied verklang, und die Ballonmenschen zu Boden schwebten, rief ich: “Den Meier!” Wir sangen mit letzter Kraft: “Was macht der Meier auf dem Himalaya?” Ein zweites Wesen platzte. “Rauf da kummt er, aber wie kommt er wieder runter?” Die Fetzen eines dritten klebten auf der Kuppel, dann wurde es dunkel um mich.” Walter wischte sich den Schweiß von der Stirn. “Die Erinnerung”, meinte er. “Was für ein Abenteuer”, und er fuhr fort: “Wir lagen in dem Tempel vor dem Götzenbild. Der Kikapu-Priester war verschwunden. Einer von uns rief: “Ich hatte eine Halluzination, befand mich in einer Kuppel... .”
“Dann hatten wir sie alle”, unterbrach ich ihn. “Öffnen wir unsere Koffer.”
Diamanten! Wir sahen uns an und fanden, es sei das Beste, über diesen unglaublichen Vorgang kein Wort zu verlieren.”
Walter trank sein Bier aus und erhob sich. “Es ist spät.” Wir gingen ins Gebäude zurück.
“Wir fanden das Boot am Ufer und warteten mit den anderen auf eine Passage nach Belèm.”
Bevor Walter in seinem Zimmer verschwand, sagte er: “Das Wrack liegt etwa drei Stunden hinter Obidos am rechten Ufer.”

Am Ufer wächst ein dunkler Punkt zu einem Schiffswrack heran. Walter, der mir den Inhalt seines Tresors zeigte, hatte auch hier nicht gelogen. Ich sehe auf meinen Koffer. Fünfzehn Korsetts und Schnürgeräte. Diese Wesen unter zwei Sonnen, sie sind rund. Richtig? Es sind Frauen. Nicht wahr? Und runde Frauen lieben Korsetts. Stimmt doch? Ich denke an Diamanten. Die Diamanten! Wir nähern uns.

‘La su per le montagne, fra boschi e valli d´or, tra l´aspre rupi echeggia un cantico d´amor.’

La Montanara. Meine Gedanken rasen durch den Text, den mir Walter gab. Meine Rückfahrkarte. Plötzlich fährt mir die Erkenntnis in die Knochen: Ballonfrauen im Korsett können nicht explodieren! Ich wische den Gedanken beiseite, klettere auf die Reling. Das Wrack zieht an mir vorbei. ‘Paryassu’. Ich ziehe den Koffer zu mir hoch und springe.

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