Madrigal für einen Mörder
Madrigal für einen Mörder
Ein Krimi muss nicht immer mit Erscheinen des Kommissars am Tatort beginnen. Dass es auch anders geht beweisen die Autoren mit ihren Kurzkrimis in diesem Buch.
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März 2005
Das Paket
von Jana Kilema

Elfriede stellte das Paket atemlos auf den Tisch und betrachtete es von allen Seiten. Sie erwartete kein Paket, oder doch? Hatte sie etwas bestellt bei einem Modeversand, in Trance sozusagen vielleicht? Nun gut die Erinnerung daran war dann ja weg, wenn dem so wäre. Elfriede sah keinen Zusammenhang zwischen sich und dem Paket. Sie hatte, als sie von ihrer Arbeit als Sekretärin nach Hause kam, den Abholzettel im Briefkasten vorgefunden und war eben noch zur Post gehetzt.
Der Schalterbeamte sah sie bei der Aushändigung des Paketes so seltsam an bildete sie sich das nur ein?

„Ich mach es auf“, sagte sie sich, griff sich die Schere, zerschnitt die Schnur und wickelte den Karton aus dem braunen Packpapier. Im Karton lag in edlem Designer-Plastik eingewickelt Wäsche. Frauen Unterwäsche packte sie aus, von edelster Art. Ein weinrotes Oberteil kam zum Vorschein, dazupassend die Hose, beides mit Stickereien in Form von kleinen feinen Schmetterlingen verziert. Dann war da noch eine Wäschegarnitur in hellblau. Elfriede stockte der Atem. Etwas so schönes hatte sie noch nie besessen, der weiche Wäschesatin fühlte sich kühl an, die Wäsche jedoch war total berauschend.

Verstört schaute sie auf das Packpapier, Empfänger-Adresse und Name stimmten nicht, es musste sich um eine Verwechslung handeln.
Elfriede wohnte hier, seit das Haus gebaut wurde. Sie kannten jeden, auch in der Umgebung, sie liebte Menschen, war sehr offen. Sie hielt gerne da mal einen kleinen Klatsch oder fragte dort nach ob jemand Hilfe brauche, wenn sie erfahren hatte, dass eine Mutter kranke Kinder hatte.
„Man kann sich doch helfen“, sagte sie immer zu Herbert, „oder nicht?“
Herbert nickte dann beiläufig und war ihrer Meinung. Er war der Einfachheit halber oft ihrer Meinung, denn er war sehr diplomatisch, weil er sie liebte.

„Einmal muss ich die Wäsche probieren, einmal im Leben so schöne Wäsche besitzen“ sagte sich Elfriede. Das Gefühl konnte sie sich nicht entgehen lassen. Sie probierte im Wohnzimmer und wer hätte das gedacht, die Wäsche passte, sie passte so absolut, dass ihr der Gedanke kam, sich genau die gleiche zu kaufen. Aber nein, als sie auf dem Lieferschein sah, wie hoch der Preis wäre, verflog dieser Gedanke im Nu.

Was aber sollte sie tun? Das Paket zurückbringen? Nein das ging nicht. Sie hatte das Paket ja geöffnet. Und ausserdem der Schalterbeamte würde 100% pro wissen wollen, was da drin war, woher es käme, und warum sie das geöffnet habe, es stehe ja gar nicht ihre Adresse drauf. Vor allen Leuten, in aller Lautstärke würde er sie fragen und sie über seinen Brillenrand streng ansehen. Peinlich!! Sie kannte den Schalterbeamten in der Post genau. Er war kleinlich. Zu genau, klebte die Brief-Marke immer in die Ecke in die Marke gehörte. Stempelte jeden Brief so genau es ging, und dann erklärte er immer alle Neuerungen der Post stundenlang. Sie wollte eines Tage ein Telegramm nach Australien aufgeben. In der heutigen Zeit, kein Problem, dachte sie sich, aber nein da meinte der gute Mann:
„Also, Sie müssen die Tageszeit berechnen, Frau Wassmer. Je nach Tageszeit kommt man nach Australien besser durch oder eben nicht. Und dann weiss ich ja jetzt noch gar nicht, ob das Telegramm überhaupt gesendet werden kann.
Es war schrecklich. Am Schluss meinte Elfriede dann in barschem Ton:
„Was nun, kann ich ein Telgramm nach Australien aufgeben oder nicht?“ sie holte Atem und fügte hinzu:
„Muss ich zwei Stunden vor dem Schalter warten bis das durch ist oder nicht?“.
Dann endlich bewegte er sich zum Faxgerät und in 2 Minuten war das, was vorher eine Viertelstunde Belehrung gekostet hatte erledigt.

Nein, nie im Himmel, die konnte das Paket nicht zurückbringen. Vielleicht hatte ihr das Paket einfach eine höhere Macht geschickt, höhere Mächte dürfen immer alles und können alles, selbst Adressen auf Paketen vertauschen.
Nun wie dem auch sei, sagte sie sich, ich leg die Wäsche einfach mal in den Schrank, man wird sehen.
Natürlich konnte sie dann irgendwann nicht umhin diese auch anzuziehen. Sie schmunzelte bei dem Gedanken leise vor sich hin, es war ein voller Erfolg gewesen, Herbert, der so sparsam war hatte ihr noch voller Begeisterung 50 Euro gegeben.
„Die Wäsche hat sicher viel gekostet“ meinte er und fand das so total lieb, dass sie sich diese für ihn gekauft habe.
Elfriedes Schmunzeln ging in ein einfaches Grinsen über, wie einfach die Männer doch gestrickt waren.

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