Der Cousin im Souterrain
Der Cousin im Souterrain
Der nach "Dingerchen und andere bittere K├Âstlichkeiten" zweite Streich der Dortmunder Autorinnengruppe "Undpunkt".
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Mńrz 2005
Die Zustellung
von Michael Preissl

Ich arbeitete ├╝ber 3 Jahre bei einem Paketdienst als Zusteller. Es war teilweise ein sehr harter Job, da die Kunden nicht immer die freundlichsten waren, wenn ihr Paket einmal nicht in der gew├╝nschten Lieferzeit ankam, oft waren auch die Zustellungsadressen mit l├Ąngeren Fahrtzeiten verbunden, was zur Folge hatte, dass man mehr Wochenstunden zusammenbrachte als einen Lieb war. ├ťberstunden wurden nicht ausbezahlt, denn es hie├č immer man k├Ânnte daf├╝r in Zeitausgleich gehen. Zeitausgleich war ein Ding der Unm├Âglichkeit, denn man wurde nach Menge und Schnelligkeit der gelieferten Pakete bezahlt, und wenn man nun ein oder gar zwei Tage im Monat nicht unterwegs war, hatte dies zur Folge das man f├╝r diese ein bis zwei Tage kein Geld bekam, da man ja keine Pakete in diesen Fehltagen liefern konnte.

An diesen Morgen erhielt ich den Auftrag ein Priority Paket, ohne Absenderadresse, sofort an den angegeben Lieferort zu bringen. Priority Pakete mussten sofort geliefert werden, denn der Kunde zahlte einen Aufpreis, daf├╝r wurde es aber noch am selben Tag geliefert. Sehr untypisch f├╝r ein Paket war es schon einmal, dass es keine Absenderadresse besa├č. Normalerweise mussten wir die Pakete von einen Warenhaus, oder einen Gesch├Ąft holen und zu einem Kunden bringen, was uns dann schon mal die Absenderadresse verriet. Diesmal war es jedoch anders. Eine etwas ├Ąltere attraktive Dame brachte das Paket pers├Ânlich bei uns vorbei. Das Paket war nicht au├čerordentlich gro├č, es war sehr handlich und es wog auch nicht sehr viel. Als ich das Paket im Lieferwagen verstaut hatte machte ich mich sofort auf den Weg. Nach etwa einem halben Kilometer fiel mir auf, dass mir ein schwarzer Mercedes ├Ąlteren Baujahrs folgte. Ich versuchte das Tempo meines Fahrzeuges leicht zu erh├Âhen, um sicher zu gehen dass sie mir auch wirklich folgten. Bei der n├Ąchsten Kreuzung bog ich rechts ab und blieb an der roten Ampel stehen. Kaum zeigte die Ampel gr├╝nes Licht, bog auch schon der schwarze Mercedes ums Eck. Im R├╝ckspiegel erkannte ich, dass der Beifahrer dieses Wagens gerade telefonierte. Es grenzte an ein Wunder, dass ich meinen alten rostigen Lieferwagen einen Zentimeter vor zwei mitten auf der Kreuzung stehenden Fahrzeugen zum stillstand brachte. Pl├Âtzlich liefen vier in schwarzen Anz├╝gen gekleidete Typen auf mich zu. Einer von Ihnen klopfte an die Fahrert├╝rfensterscheibe, und deutete mir, dass ich aus dem Fahrzeug aussteigen solle. Mit der rechten Hand zog er sein schwarzes Sakko ein wenig zur Seite, um mir seine Polizeidienstmarke zu zeigen, welche er auf seinen G├╝rtel gefestigt hatte. Die anderen drei M├Ąnner standen dicht hinter ihm. Um Probleme zu vermeiden, tat ich dass was mir der Polizist anordnete. Langsam beugte er sich zu mir. ÔÇ×H├Âren Sie gut zu, Sie transportieren gerade ein Paket, welches an den gr├Â├čten verdammten Bastard dieser Stadt geliefert werden soll. Aus geheimen Quellen haben wir erfahren dass es sich hier um eine Drogenlieferung handelt. Wir wollen nun dass sie wie sie es immer tun, dieses Paket ganz normal zustellen, und diesen italienischen Drecksack unterschreiben lassen. Wir werden Sie aus der Ferne im Auge behalten, sobald dieser miese Bastard unterschrieben hat, werden wir ihn festnehmen. Ich hoffe Sie kooperieren mit uns, es wird ihnen nichts passieren, vergessen Sie nicht wir behalten Sie st├Ąndig im AugeÔÇť. Kaum hatte der Polizist diesen Satz fertig ausgesprochen musste ich mich fast ├╝bergeben, denn er hatte ├╝blen Mundgeruch. Es war eine Mischung aus Zigaretten und abgestandenen Kaffee. Ich bewegte meinen Kopf auf und ab, um ihm zu signalisieren, dass ich alles verstanden habe. ÔÇ×Machen Sie keine Bl├Âdheiten und halten Sie sich daran, lassen Sie ihn nur unterschreiben, lassen Sie sich ja nichts anmerken, den Rest erledigen wir.ÔÇť f├╝gte der Polizist noch hinzu. Anschlie├čend schob er seine dicke goldumrandete Brille mit dem linken Zeigefinger hoch, da sie ihm ein St├╝ck nach unten gerutscht war. Danach genehmigte er sich eine Fingerspitze Kautabak Er sah mich an, spuckte eine braune z├Ąhfl├╝ssige Fl├╝ssigkeit aus und setzte sich in einen der beiden Wagen. Die anderen drei folgten ihm wortlos. Ich bestieg den Lieferwagen, meine beiden H├Ąnde welche vor lauter Aufregung schwei├čnass waren, st├╝tzte ich auf das Lenkrad. Ich griff nach der Wasserflasche welche vor dem Beifahrersitz am Boden lag. Meine Kehle war v├Âllig ausgetrocknet, ich sp├╝rte richtig wie das Wasser darin herab floss. Langsam fuhr ich mit meinen Lieferwagen zu der Lieferadresse. Die Landschaft wurde immer gr├╝ner und die H├Ąuser wurden immer ├Ąlter und villenartiger. Hier lebten nur Leute mit wirklich viel Geld. Geld war f├╝r mich immer etwas was ich einfach nie hatte. Ich verdiente gerade mal soviel, dass es f├╝r meine Familie und mich reichte. Sparen konnte ich jedoch keinen einzigen Cent.
Ich sah nochmals auf den Lieferschein um die genaue Adresse abzulesen. Rosenweg 8 stand darauf, derzeit befand ich mich auf dem Tulpenweg 3. Es musste also laut Plan welchen ich noch im Kopf hatte, da ich mir in der Fr├╝h noch vor der Abfahrt die genaue Route angesehen hatte, die n├Ąchste Stra├če links sein. Kaum erreichte ich die Stra├čenkreuzung h├Ârte ich ein lautes quietschen, welches durch das rasche Abbremsen eines Fahrzeuges entstanden sein durfte. Pl├Âtzlich wurde die Fahrert├╝r aufgerissen, und zwei M├Ąnner standen neben dem Lieferwagen. Beide hatten schwarze Nylonstr├╝mpfe ├╝ber ihren Kopf gezogen und beide hielten einen Trommelrevolver in der Hand. ÔÇ×Mach sofort die verdammte Ladet├╝r auf und gib uns das verdammte PaketÔÇť Ohne ein Wort darauf zu sagen folgte ich den Anweisungen. Laute Sirenenger├Ąusche schallten direkt danach ├╝ber die Kreuzung. Die drei schwarzen Mercedes, welche mir heute schon einmal begegnet waren standen quer ├╝ber die Kreuzung. Die Polizisten verschanzten sich umgehenst hinter ihren Fahrzeugen. Die zwei M├Ąnner die nun im Besitz des Paketes waren, ignorierten v├Âllig die Anweisungen der Polizisten, was zu Folge hatte, dass es zu einer Schiesserei kam. Einer der beiden maskierten M├Ąnner wurde am linken Bein erwischt. Er kroch auf allen Vieren ├╝ber die Stra├če, dabei zog er hinter sich eine dunkelrote Blutspur her. Der andere blieb sofort stehen und versuchte seinen Verletzten Kumpanen zu st├╝tzen. Als ich sah, das einer der beiden verletzt war, rannte ich auf den anderen zu. Aus einen mir v├Âllig unerkl├Ąrlichen Grund schlug ich ihm mit meiner Faust in den Bauch und kurz darauf stie├č ich ihn mein Knie mitten ins Gesicht. Als ich wieder im Besitz des Paketes war, lief an den kreuz und quer parkenden Fahrzeugen vorbei, den Rosenweg entlang bis zur Nummer 8, der Zieladresse des Paketes. Vor dem Haus holte ich tief Luft und ging langsam auf die T├╝rglocke zu. Laute Schreie und Sch├╝sse hinter mir lie├čen mein Herz immer schneller schlagen, ich hatte echte Schwierigkeiten mit meiner zittrigen Hand die T├╝rglocke zu t├Ątigen. Pl├Âtzlich sp├╝rte ich eine Hand auf meiner rechten Schulter. Wie ich mir die Hand genauer ansah, sah ich dass sie blut├╝berstr├Âmt war. Langsam drehte ich mich um. Ein lauter Schuss hallte durch die Stra├če. Vor mir sackte der nun leblose K├Ârper des Paketr├Ąubers zusammen. Seine Hand welche an mir entlang bis auf den Boden glitt, hinterlie├č eine rote Spur auf meiner Kleidung. Wenn man diese Spur genauer betrachtete konnte man jeden einzelnen Finger des Toten erkennen. Die Polizisten humpelten langsam und benommen auf das Haus zu. Sie waren alle schwer verletzt und ebenfalls blut├╝berstr├Âmt. ÔÇ×Sterben sollt ihr, ihr Scheiss BullenÔÇť hallte es entlang der Stra├če, kurz darauf folgten einige Sch├╝sse und drei der vier Polizisten flogen auf der Stelle tot um. Der vierte sackte angeschossen zusammen. Mit letzter Kraft richtete er sich wieder auf. Rasch t├Ątigte ich die T├╝rglocke. Die T├╝r ├Âffnete sich sofort, und direkt vor mir stand nun der Mann, der all dies hier zu verantworten hatte, und der mein Leben innerhalb weniger Stunden einen H├Âllentrip gleichmachte. ÔÇ×Ah, der BoteÔÇť sagte er mit einer tiefen Stimme, welcher man seine italienische Abstammung entnehmen konnte. Ich ├╝berreichte ihm das Paket, und er unterschrieb den Lieferschein. ÔÇ×Danke f├╝r die rasche Lieferung, hier ein ein Euro, g├Ânnen Sie sich was nettes darumÔÇť sagte der Italiener ironisch. Mit einen Kopfnicken deutete ich ihn meinen Dank. ÔÇ×Wissen sie, meine Kleine feiert heute ihren vierundzwanzigsten Geburtstag, und ich wollte ihr diese netten Dessous schenken, ich liebe es wenn sie diese Dinger tr├Ągt.ÔÇť erkl├Ąrte mir der Italiener mit einen Grinser. Als der letzte ├╝berlebende Polizist sich bis zu mir vorgeschliffen hatte, und diese Worte zu h├Âren bekam, brach er weinend zusammen. Lachend knallte der Italiener die T├╝r zu. Ich war heilfroh das ich dieses verdammte Paket geliefert hatte und ich dankte Gott lebend ├╝berstanden habe.

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