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April 2005
"Sag mal, mein Tiger, hast du heute schon gefressen?"
von Hans Maria Doé

"Guten Morgen, mein Schatz! Hast du gut geschlafen? Ich stehe jetzt auf, mache uns Frühstück und hole danach die Morgenzeitung."
Sonja war soeben erwacht, als sie von Martin so nett geweckt wurde. Es war Sonntag. Einer der wenigen Tage im Jahr den sie gemeinsam verbringen konnten. Sie räkelte sich, während Martin ins Bad verschwand.
Sonja war noch nie so glücklich gewesen.
Seit einem Jahr war sie nun schon mit diesem gefühlvollen, rücksichtsvollen Mann zusammen. Sie liebte ihn. Mit einem verträumten Lächeln schlummerte sie wieder ein...
Sein Kuss und ein köstlicher Duft weckte sie, denn Martin stellte ihr ein Tablett ans Bett, auf dem sich außer Kaffee,
Orangensaft, Spiegelei sowie zwei Toastscheiben befanden.
Er küsste sie nochmals auf die Stirn. Sonja lächelte. Martin war bereits geduscht und rasiert.
"Guten Morgen, Martin!" nuschelte sie.
"Lass es dir gut schmecken!"
"Du verwöhnst mich. Das hab’ ich doch gar nicht verdient."
"So, hast du nicht? Na, dann gib her", scherzte er.
"Hast du mich lieb, Martin?"
"Auf keinen Fall, mein Engel." Martin grinste neckisch.
"Ich liebe dich, Martin."
"Ich mich auch."
"Kannst du eigentlich auch mal ernst sein?"
"Wozu? Das ganze Leben ist sowieso ein Spiel."
"Sag es, Martin."
"Was denn?"
"Na, dann vergiss es." Sonja winkte ab.
"Hey, Liebes. Du weißt, dass ich dich liebe. Soll ich dir mal was flüstern? Ich meine, so etwas gar nichts braves..."
"Martin..." kicherte sie verlegen.
"Denk darüber nach, während ich die Zeitung hole. Du kannst ja beim Frühstück Kräfte sammeln..."

***

Nachdem sie zum Abschluss den Kaffee geleert hatte, sah sie auf die Uhr. Eigenartig. Martin war nun schon eine viertel Stunde weg, wo doch die Zeitungsständer ganz in der Nähe waren.
›Wahrscheinlich ist er noch eine Runde durch den Park gegangen, wie er das manchmal tut‹, dachte sie und ging duschen.
Das dampfende Wasser tat ihr gut, es weckte ihre Lebensgeister. Jetzt würde sie gerne Martin verführen. Ja, ihr war danach...
Als sie vom Bad ins Wohnzimmer kam, war Martin noch immer nicht zurück.
›Na, der braucht heute aber lange. Wahrscheinlich machte er eine ausgiebige Runde‹, dachte sie. ›Aber beeile dich, sonst ist meine Stimmung wieder beim Teufel, mein Liebster.‹
Sie machte den Fernseher an. Nervendes Gequatsche, Talkshow-Wiederholungen, Comic- TV für Kinder, Werbesendungen, und weiteres Uninteressantes war zu sehen.
Martin war nun schon eine dreiviertel Stunde weg. Langsam wurde sie unruhig. Wo war er bloß? Möglicherweise hat er den Spaziergang mit einem Zigarettenkauf verbunden. Dazu musste er weit gehen. Automaten gab es keine in der Nähe, und das nächste Wirtshaus an einer Tankstelle war gut einen Kilometer entfernt.
"Tja, mein Lieber, aber meine Stimmung ist jetzt flöten", sagte sie laut und ging ins Schlafzimmer um sich umzuziehen.
Danach setzte sie sich wieder vor den Bildschirm und verfolgte eine Dokumentation über Amerika. Die Sendung war derart interessant, das sie alles um sich vergaß und erst nach deren Ende, registrierte, dass Martin noch immer nicht zurück war.
Jetzt wurde sie richtig nervös. Sie beschloss sein Handy anzurufen. Das war nun wirklich nicht ihre Art. Aber langsam machte sie sich Sorgen. Zu hören war jedoch nur die Sprachbox.
›Ich werde noch eine halbe Stunde warten und ihn dann suchen gehen‹, dachte sie und schaltete auf einen lokalen News- Sender um. Da liefen soeben die zehn Uhr Nachrichten. Sonja konnte sich ohnehin nicht mehr konzentrieren. Wo war Martin? Wieder versuchte sie es am Handy. Wieder ohne Erfolg.
"Wer kennt diesen Mann?" tönte es aus dem Fernseher. Sonja nahm nur Gesprächsfetzen war, so nervös war sie.
"...Frauenmord in einer Tankstelle... Polizei... Bilder von Überwachungskamera... eindeutig zu erkennen..."
Sie drehte sich zum Fernseher um. In dem Moment glaubte sie, ein Messer würde ihr Herz durchbohren. Auf dem Bild war eindeutig Martin zu erkennen. Kein Zweifel. Er war es.
"...nach ersten polizeilichen Ermittlungen handelt es sich bei der Getöteten um die Ehefrau des Gesuchten..."
Sie stellte den Ton lauter.
"...Sollten sie den Mann gesehen haben, ersucht die lokale Polizei um Hinweise unter..."
Hypnotisiert starrte Sonja auf das TV- Gerät. Wie war das möglich? Unmöglich! Brutaler Frauenmord? Das konnte nicht ihr Martin gewesen sein. Er hatte doch längst alles mit seiner Frau besprochen und die beiden hatten sich geeinigt. Nächste Woche wäre der Scheidungstermin gewesen. Doch das gezeigte Bild war eindeutig. Vielleicht hatte er einen Doppelgänger? Wäre möglich. Doch Sonja hatte ein kleines Detail bemerkt: Die Krawatte die sie ihm vor zwei Monaten geschenkt hatte. Ein Zweifel war ausgeschlossen. Der erste Schrecken wandelte sich in Angst um. Sie kannte ihn. Sie könnte ihn bei der Polizei melden. War also eine Gefahr für ihn. Doch was sollte sie denen erzählen. Das sie die Geliebte des Gesuchten ist. Vielleicht würde man sie der Mittäterschaft verdächtigen. Wie sollte sie sich verhalten? Und was, wenn er zurückkam? Was würde er tun?
Da klingelte es an der Wohnungstür. Erneut fuhr ihr ein Schauer über den Rücken. Jetzt war er zurück. Er würde sie ›beseitigen‹ müssen. O Gott, was sollte sie tun?
Es klingelte erneut. Kurz darauf erklang heftiges Geklopfe. Martin war wohl schon sehr ungeduldig. Wollte die Sache hinter sich bringen. Sollte sie aufmachen und so tun, als wüsste sie von nichts?
›Schnell den Fernseher abdrehen‹, schoss es ihr durch den Kopf. Immer noch hämmerte und läutete es an der Tür.
"Frau Gerstner, wir wissen dass Sie zu Hause sind. Öffnen Sie die Tür!"
Wer war das? Durch den Spion konnte sie zwei uniformierte Polizisten sehen. Sie öffnete die Tür und einer der beiden sagte: "Wir müssen uns mit ihnen über Martin Hofbauer unterhalten. Wir wissen, dass er so manche Zeit bei ihnen verbringt."
Sonja hatte immer noch Angst. Wenn Martin davon erfuhr? Doch hatte sie eine Wahl? Sie musste ja mit der Polizei kooperieren. Sie würden sie sonst noch der Mittäterschaft bezichtigen. Sie ließ die Beamten also eintreten.
Der eine verzog plötzlich das Gesicht zu einer affenähnlichen Grimasse. Dabei entblößte er ein Raubtiergebiss. Der andere griente sie mit gierigen, eigenartig toten Augen an.
"Jetzt haben wir dich!", zischten alle beide und kamen auf sie zu...

"Wach auf, mein Schatz. Wach auf, was ist den los?"
Jemand rüttelte Sonja aus dem Schlaf. Es war Martin.
Sie hatte ... all das... Gott sei Dank, war es nur ein Traum..!
"Du hast ja gestöhnt und geseufzt, als würde man dich kreuzigen!" sagte Martin mit einem besorgt sanften Gesichtsausdruck. "Und dein Frühstück hast du auch nicht angerührt. Jetzt ist es leider kalt."
"O Martin. Du weißt ja gar nicht, wie froh ich bin, dass du wieder da bist", sagte Sonja noch ganz verstört und schlang ihre Arme um seinen Hals.
"Jetzt beruhige dich, Sonja. Ich war doch bloß die Zeitung holen und danach ging ich durch den Park. Auf dem Rückweg ging ich noch an der Tankstelle vorbei um mir Zigaretten zu besorgen."
"Wie lange warst du denn weg?"
"Nicht länger als eine halbe Stunde. Du musst, nachdem ich gegangen war, sofort wieder eingeschlafen sein, mein süßer Schlaftiger! Jetzt ist es aber Zeit aufzustehen. Ich werde uns einen sagenhaften Brunch zubereiten. Los, aufstehen, sonst verschläfst du noch den ganzen Sonntag."
Sonja kam sich schäbig vor, dass sie Martin, wenn auch nur geträumt, so gehörig misstraut hatte. Der Traum war so realistisch gewesen.
"Sag mal, mein Tiger, hast du heute schon gefressen?", flüsterte Sonja verführerisch und zog ihren Martin zu sich ins Bett...

Letzte Aktualisierung: 00.00.0000 - 00.00 Uhr
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