Wellensang
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Die Fantasy haben wir in dieser von Alisha Bionda und Michael Borlik herausgegebenen Anthologie beim Wort genommen. Vor allem fantasievoll sind die Geschichten.
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Juni 2005
TV 2040
von Josef Th. Thanner

Willkommen, meine Damen und Herren, zu Ihrem Programm “Der Tag” bei Kanal24 am heutigen 14. Mai 2040. Ich bin Jonas Keller. Der 14. Mai stand ganz im Zeichen von Grün-Weiß-Schwarz, den Farben unserer Polizei. Worauf redliche Bürger schon seit Wochen gewartet haben, haben die Polizeistreitkräfte heute endlich in die Tat umgesetzt. Die Innenstadt unserer Metropole München wurde in einer Räumaktion innerhalb von vier Stunden gesäubert. Wie der Polizeipräsident verkündete, sind im Laufe der kommenden Wochen die umliegenden kleineren Städte an der Reihe. Endlich können redliche Bürger wieder unbelästigt zum Einkaufen in die Innenstadt kommen. Hier sehen Sie Bilder aus der Moldenhauer Einkaufspassage. Armani und Theodore Kling erhielten bereits Minuten nach der Räumung der Innenstadt regen Zulauf. Die Einzelhändler reagierten auf die Befreiung mit einem 20-prozentigen Tagesrabatt für alle redlichen Bürger.
Wie Polizeisprecher Hartmut Axt sagte, wurden etwa 190.000 Arbeitslose in Lager vor die Stadt gebracht. Insgesamt sind bislang sechs Lager eingerichtet, in denen die Arbeitslosen mit allem Nötigen versorgt werden.

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Wollen auch Sie einen Beitrag zur Versorgung von Arbeitslosen leisten? Ihre Spende ist willkommen auf die Kontonummer 86686686686 der Münchener Stadtbank, Stichwort “Arbeitslosenhilfe”. Selbst kleinste Beträge können helfen!


Hier ist wieder Jonas Keller. Die Bilder zeigen die freigeräumte Münchener Innenstadt, wo redliche Bürger blau-weiße Fahnen gehisst haben und auf den Straßen tanzen. Ein Gastwirt brachte heute Mittag Weißwürste mit süßem Senf sowie Bockbier heraus. Er bediente zur Feier des Tages alle redlichen Bürger kostenfrei. Ja, Bilder wie diese haben wir schon lange nicht mehr gesehen!
Vor mehreren Wochen war das Leben in der Innenstadt völlig zum Erliegen gekommen, als Arbeitslose die Zugänge zu den Einkaufszentren gesperrt hatten und damit lautstark gegen ihre Arbeitslosigkeit protestieren wollten. Benno Ohnesorg von der Vereinigung für Arbeit versuchte zu vermitteln, doch die Arbeitslosen lehnten alle Vermittlungsversuche ab. Die Bundesregierung hat wieder einmal bewiesen, dass sie sich nicht erpressen lässt.
Bei der Polizei gingen bereits am Nachmittag Dankesbriefe redlicher Bürger ein, die die Räumung der Protestposten freudig zur Kenntnis genommen haben. Inzwischen befinden nur noch arbeitende Bürger in der Innenstadt. Die Ausweiskontrollen haben sich verstärkt, hier sehen sie den Kontrollposten Caesar 14, wo schwerbewaffnete Polizisten den Kontrolldienst versehen.
Ohne Arbeitsausweis ist der Zutritt in die Innenstädte bis auf Weiteres verboten. Der neue Arbeitsausweis ist fälschungssicher und kann anhand der DNA-spezifischen Bestandteile den Träger zweifelsfrei identifizieren.

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Hier spricht Jonas Keller. Die Gesamtlage in der Bundesrepublik hingegen lässt kaum Besserung erwarten. Die inzwischen 14,5 Millionen Arbeitslosen verlangen immer lautstärker nach ihrem Recht auf Arbeit und darauf, sich ihren Lebensunterhalt selbst verdienen zu dürfen. Die Bilder zeigen eine Demonstration in Potsdam, wo heute Vormittag etwa fünfhundert Arbeitslose Ladengeschäfte gestürmt und geplündert haben. Redliche Bürger, die vom Pöbel überrascht wurden, konnten von den Polizeikräften in Sicherheit gebracht werden.
Hören Sie ein Interview vor Ort mit unserem Korrespondenten Damian Krebe.

»Ein ganz herzliches Hallo nach München! Hier spricht Damian Krebe. Neben mir steht Peter Osswald, ein redlicher Bürger aus Potsdam, der heute Nachmittag einem Anschlag auf sein Geschäft entkommen ist. Herr Osswald, wie haben Sie die Ausschreitungen erlebt?«
»Nun, ich räumte gerade neue Lebensmittel in die Regale, als plötzlich ein Pflasterstein durch die Scheibe flog. Gleich darauf stürmten dreißig, vierzig Leute laut schreiend in meinen Laden. Ihre Gesichter waren wutverzerrt. Man hat ja Todesangst in solchen Situationen, wissen Sie.«
»Wie ist es Ihnen gelungen, dem Pöbel zu entkommen, Herr Osswald?«
»Ich habe mich hinter einer Regalwand von Keksen verstecken können.«

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»Hier ist Damian Krebe, immer noch bei Herrn Osswald, der in letzter Minute dem wütenden Mob entkommen ist. Herr Osswald, Sie hatten sich hinter einer Regalwand verstecken können.«
»Ganz richtig. Ich stand regungslos da, während die Arbeitslosen meinen Laden stürmten. Zum Glück haben mich die Wahnsinnigen nicht gesehen. Man ist in solchen Sekunden ja wie gelähmt. Die Polizei hat mich dann gerettet. Die haben den Laden leergeräumt, mit Lachgas und Wasserwerfern, so schnell kann man gar nicht schauen.«
»Sie glauben also, dass unsere Steuergelder gut angelegt sind?«
»Das kann man wohl sagen!«
»Danke, Herr Osswald aus Potsdam, ich gebe zurück nach München. Jonas Keller?«

JK: Danke nach Potsdam für diesen Beitrag. Hier spricht Jonas Keller. Wir haben auf einer Standleitung den Bundesminister für Arbeit. Herr Bundesminister, was sagen Sie zu diesen aktuellen Vorfällen? Sehen Sie das Lebensniveau aller redlichen Bürger der Bundesrepublik in Gefahr? Wenn man diese Berichte hört, könnte man denken, dass ...
BfA: Wir werden weiterhin daran arbei... Wie? Habe ich Sie unterbrochen? Entschuldigen Sie, Herr Keller. Also, ich sagte, wir werden weiterhin mit aller Kraft daran arbeiten, die Lage unter Kontrolle zu bringen. Unsere Leute sind gut ausgerüstet und wir verfügen über die modernsten Waffen. Wir werden weiterhin alles daran setzen, dass diese anarchistischen Umtriebe ein Ende finden. Bis Ende der Woche werden wir Deutschland befriedet haben. Bis dahin muss ich alle redlichen Bürger bitten, die Unannehmlichkeiten in Kauf zu nehmen. Aber ich kann Sie beruhigen. Wir haben in allen größeren Städten Lager eingerichtet, in die wir die Arbeitslosen bringen werden. Der Frieden wird nicht mehr gefährdet sein, sobald alle Arbeitslosen erst einmal aus den Städten weggeschafft worden sind.
JK: Danke, Herr Bundesminister. Wollen Sie noch ein Wort zur Kaufkraft der Deutschen Mark sagen?
BfA: Nun, an dieser Stelle kann ich den Einzelhandel nur dazu aufrufen ? und, wohlgemerkt!, ich tue das mit Billigung der Bundesregierung ?, für das Wachstum der Wirtschaft einen Preisnachlass von fünfzehn Prozent zu gewähren. Seit unserer Rückkehr zur Deutschen Mark sind unsere Probleme zwar etwas geringer geworden, aber wir sind noch weit von einer vollständigen Lösung entfernt. Ich rufe hiermit den Einzelhandel auf, ja ich beschwöre die Damen und Herren in den verantwortlichen Positionen, den Wünschen der Verbraucher Rechnung zu tragen. Machen Sie das Angebot wieder erschwinglich!

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JK: Willkommen zurück bei “Der Tag” auf Kanal24. Hier ist Jonas Keller, im Gespräch mit dem Bundesminister für Arbeit. Herr Bundesminister, kann Deutschland in absehbarer Zukunft mit mehr Arbeitsplätzen rechnen?
BfA: Nun, Herr Keller, wissen Sie, die Bereitschaft dazu liegt ganz allein bei den Unternehmen. Aber Sie wissen ja, wie der Mittelstand unter Druck geraten ist und mit einer starken Konkurrenz aus Nigeria und dem Ostkontinent zu kämpfen hat.
JK: Herr Bundesminister, welchen Tipp haben Sie für die Arbeitslosen, die heute aus den Innenstädten verwiesen und in Lager gebracht wurden?
BfA: Zunächst einmal möchte ich diesem Teil der Bevölkerung den Rat geben, die Ruhe zu bewahren. Nichts, aber gar nichts wird besser, wenn Menschen zu lautstarken Protestaktionen Zuflucht sucht. Verhalten Sie sich ruhig und bleiben Sie in den Ihnen zur Verfügung gestellten Lagern.
JK: Herr Bundesminister, wie sehen sie die Zukunft für die redlichen Bürger? Werden sie sich an die Lager vor ihren Städten gewöhnen müssen?
BfA: Nun, ich versichere Ihnen, dass die Bundesregierung intensiv an diesem Problem arbeitet. Wir werden alles Erdenkliche tun, um für die Arbeitslosen eine Unterbringung zu finden, die redliche Bürger nicht in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt.
JK: Nun, ich vermag daraus tatsächlich zu hören, dass Deutschland sich auf so etwas wie Lager für Arbeitslose einrichten muss. Vielen Dank für das Gespräch. ? Verehrte Zuschauer, wir kommen nach einer kurzen Werbeeinblendung zum Wetter.

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