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Juni 2005
Hausaufgaben
von Eva Markert

„Was ist los?“, fragte Jens. „Warum guckt ihr so komisch?“
„Papa wird arbeitslos“, antwortete Mama. Dabei machte sie ein Gesicht, als wäre etwas ganz Furchtbares passiert.
„Na, das ist doch toll“, rief Jens, „wenn er nicht mehr arbeiten muss!“
„Ich finde das gar nicht so toll“, meinte Papa. „Außerdem haben wir dadurch weniger Geld.“
„Sind wir jetzt arm?“
„Nein, so schlimm ist es nun auch wieder nicht. Mama kann vorübergehend ganze Tage arbeiten und ich mache den Haushalt.“
Das würde spannend werden! Mit Papa hatte man immer so viel Spaß! Jens freute sich unheimlich und konnte es kaum erwarten, dass Papa arbeitslos wurde.
Gleich am ersten Morgen merkte man, dass nun vieles anders war. Mama fuhr eher los zur Arbeit. Früher hatte sie Jens auf dem Weg zum Geschäft an der Schule abgesetzt, jeden Tag, obwohl er schon seit drei Monaten hinging. Sie hatte halt immer ein bisschen Angst. Papa nicht. Er erlaubte ihm, allein zu gehen.
„Nach der Schule hole ich dich ab“, sagte er. „Dann fahren wir einkaufen.“
„Au ja, super!“ Papa hatte nämlich inzwischen sein Auto verkauft und sie würden den Bus nehmen. Jens fuhr sowieso viel lieber mit dem Bus, weil man darin so schön hoch saß.
Das Einkaufen im Supermarkt machte auch mehr Spaß als früher. Papa warf nämlich nicht nur hastig in den Wagen, was auf dem Zettel stand, sondern guckte sich alles genau an, was Jens ihm zeigte. Und man konnte mit ihm verhandeln.
Zum Beispiel nahm Jens eine Tüte Gummibärchen aus dem Regal. „Die sind gesund.“
Papa besah sich die Tüte und las, was draufstand. „Das stimmt nicht ganz“, sagte er. „Die sind nicht gesund, sondern nur nicht ungesund. Hier steht: ‚ohne Zucker’“.
„Sag ich doch. Die sind gesund. Guck mal, da vorn gibt es ganz viele Tafeln Schokolade!“
Papa betrachtete das Schild. „Wenn man zehn Tafeln kauft, kriegt man eine umsonst.“
„Dann nehmen wir doch einfach die Tafel, die umsonst ist.“
Papa lachte. „Das geht leider nicht. Aber zehn Tafeln? Die sollten wir uns wohl besser verkneifen.“
„Aber ...“
„Du weißt doch“, unterbrach ihn Papa, „wir müssen jetzt sparsam sein.“
„Aber ...“
„Ich will nichts mehr davon hören!“
Wenn Papa so sprach, war es am besten, wenn man den Mund hielt. Schweigend gingen sie weiter.
Sie kamen an den Tiefkühltruhen vorbei. „Ich hab eine Idee!“, rief Jens.
„Ich glaube, jetzt muss ich aufpassen“, sagte Papa. „Wenn du eine Idee hast, kann das teuer werden.“ Seine Stimme klang zum Glück wieder so wie vorher.
„Sollen wir zu Mittag Pizza essen?“
„Ich weiß nicht ... Eigentlich wollte ich was Richtiges kochen.“ Papa sah auf die Uhr. „Andererseits, Lust auf Pizza hätte ich auch. Und außerdem ist es schon ziemlich spät.“
Schnell fischte Jens eine Familienpizza aus der Truhe.
„Unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht!“, meinte Papa, als sie zu Hause ankamen. „Eigentlich wollte ich heute Morgen viel mehr schaffen: waschen, Staub wischen und die Küche putzen.“
„Sei froh, dass du bloß eine Pizza in den Ofen schieben musst“, sagte Jens. „Das verdankst du mir.“
„Vielen, vielen Dank, mein Sohn“, sagte Papa und grinste. „Wenn ich dich nicht hätte!“
Nach dem Essen half Jens. Während Papa im Keller Wäsche in die Maschine stopfte, räumte er vorsichtig Teller und Besteck in die Spülmaschine und stellte die Stühle ordentlich an den Tisch.
Danach wischten sie zusammen Staub. Jens Aufgabe war es, ganz oben auf den Schränken sauberzumachen. Damit er drankam, ritt er auf Papas Schultern.
Als Nächstes fing Papa an die Küche zu putzen. Jens beobachtete ihn eine Weile. „Was du da machst, ist viel zu umständlich“, sagte er schließlich. „Warum schüttest du nicht einfach Wasser auf den Boden? Dann müsstest du dich nicht dauernd bücken und den Lappen auswringen und wieder nass machen.“
Papa lachte. „Du hast verrückte Ideen!“, sagte er, goss aber trotzdem ein bisschen Wasser aus dem Eimer auf die Fliesen.
„Und jetzt leg den Lappen hin, stell dich drauf und rutsch über den Boden.“
Papa lachte noch mehr, doch er tat, was Jens gesagt hatte. „Das könntest du glatt als Patent anmelden!“, rief er. „Hol dir auch einen Aufnehmer! Das macht echt Laune!“
Sie gossen noch mehr Wasser auf den Boden und rutschten kreuz und quer durch die Küche. Vielleicht übertrieben sie es ein bisschen. Jedenfalls hatten sie hinterher ziemliche Mühe, das ganze Wasser aufzuwischen. Der Teppichboden im Flur vor der Küche hatte auch was abbekommen.
Besorgt betrachtete Papa den großen Fleck.
„Kein Problem!“, beruhigte ihn Jens. „Ich föhne das gleich trocken.“
„Ich weiß nicht.“ Papa schien nicht ganz von diesem Vorschlag überzeugt, sagte aber nichts, als Jens den Föhn holte.
Während er den Teppichboden föhnte, hörte er Papa plötzlich im Keller fluchen. Kurz darauf kam er die Treppe heraufgelaufen und trug mit ausgestreckten Armen ein windschiefes weißes Etwas vor sich her.
Jens stellte den Föhn ab. „Was ist mit meinem T-Shirt passiert?“
„Zu heiß gewaschen“, stöhnte Papa.
Jens fing an zu kichern.
„Das können wir wegschmeißen“, brummte Papa.
„Nicht wegschmeißen!“, protestierte Jens. „Ich nehme es für Zottelbär.“
Tatsächlich passte das T-Shirt dem Teddy einigermaßen und verdeckte außerdem die kahle Stelle, wo Jens früher mal Fell ausgezupft hatte.
Ausgerechnet in diesem Augenblick kam Mama nach Hause. „Du lieber Himmel, was ist denn hier los?“
Papa erklärte ihr erst mal, wieso der Föhn im Flur auf dem Boden lag. Sie seufzte leise, als sie sah, wie groß der nasse Fleck war, sagte aber nichts.
Jens hielt ihr Zottelbär entgegen. „Er hat ein neues T-Shirt.“
„Ihr habt doch wohl hoffentlich nicht noch mehr Kleidungsstücke zu heiß gewaschen?“
„Irgendjemand muss das T-Shirt zur Unterwäsche gesteckt haben“, verteidigte sich Papa.
Mama überlegte kurz. „Ich glaube fast, das war ich selbst. Na ja, Schwamm drüber. Was gibt’s zu essen?“
„Wir haben Pizza gemacht“, berichtete Jens.
Papa stellte ihren Anteil in die Mikrowelle.
Mama runzelte die Stirn. „Ich dachte, du wolltest richtig kochen.“
„Ab morgen. Heute habe ich es nicht mehr geschafft.“
„Kein Wunder“, sagte Mama kopfschüttelnd, „wenn ihr auf Scheuerlappen in der Küche Schlittschuh lauft!“
„Hast du schon deine Hausaufgaben gemacht?“, wollte sie dann von Jens wissen.
Erschrocken sah er zu Papa hin. Daran hatten sie beide überhaupt nicht gedacht.
„Ich fang gleich damit an.“ Im Hinausgehen hörte er Mamas vorwurfsvolle Stimme: „Du musst aber wirklich darauf achten, dass der Junge ...“ Schnell warf er die Tür hinter sich zu.
In Jens Zimmer lag wer weiß was auf dem Fußboden. Papa kam kurze Zeit später rein und stieg über die Spielzeugautos und Kleidungsstücke hinweg. Er strich Jens über den Kopf. „Ich wollte mich noch bei dir bedanken für deine Hilfe.“
„Hat Spaß gemacht.“ Jens grinste.
„Du, Papa“, fragte er dann, „findest du wohl bald eine neue Arbeit?“
„Ich hoffe es.“
„Ich aber nicht“, sagte Jens.

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