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September 2005
Unscheinbar
von Christian Kafkas

Manchmal, wenn im Sommer die Sonnenstrahlen endlos sind und dir die brennende Glut die Haut verbrennt, dann ist hier alles grau. Risse siehst du. Sie ziehen sich entlang und hören scheinbar niemals auf und du wünschst dir nur eines, dass Gott Erbarmen mit dir hat und dir den Regen schickt. Wenn er dann endlich kommt, nicht langsam, nein in Strömen, dann lachst du, freust dich. Das matte Grau wird freundlich schwarz und jeder Tropfen Nässe schließt dir deine Wunden. Wenn sie dann gut verheilt sind und du dich eigentlich doch wieder auf die Wärme freust, dann drückt es dich zu Boden, dein Blick verweilt auf einem schwarzen Bild und dunkler wird es mit der Zeit, das Spiegelbild der Herzen. Schaust du in die menschlichen Gesichter, dann wirst du trauriger, denn nichts kann dich darin erfreuen. Die Schritte werden lauter zwar und schneller, doch nur damit ein jeder bald im Trockenen und Warmen sitzt, wo man sich dann erfreuen kann des Lebens. Dein Leben lässt dich leiden und niemand will es mit dir teilen, weil vielen doch die Zeit dazu nicht reichen kann, um neben den Geschäften auch dich zu sehen. Du sitzt und schläfst und bist nur dankbar dafür, dass dich der Schlaf ersucht, denn kann er dich befrein von einer großen Qual. Die Kälte rückt dir näher und deutlich spürst du, dass du dich sputen musst zum überleben. Du eilst zu einem Hause hin, wo tausende schon auf dich warten, nur um sich in die Reihe vor dich einzuordnen, die dich dann Stunden warten lässt. Und hast du nun die letzte Suppe in der Hand, schon kalt zwar, doch immerhin ein wenig mehr an Nahrung, so schließt dir das Lokal vor deiner Nase und mit dem Becher in der Hand gehst du des Weges. Dem treuen Hund an deiner Seite, ihm gibst du noch ein wenig deiner Nahrung ab und er begleitet dich auch bis nach Hause. Wenn du am Ende wieder auf dem Stuhl aus Steinen sitzt, dann malst du dir ein Bild, die Pappe in der Hand malst du darauf, was andre sehen sollen. Du kannst nicht schreiben und darum kann dich sonst kein Mensch verstehen, du kannst nicht sprechen und niemand sieht dir in die Augen, um darin zu erkennen, was du ihm sagen willst. Bist ruhig, stumm, so unscheinbar und wehrst dich nicht und würde man dich jetzt erwürgen, es könnte keiner hören, keiner sehn, denn nichts bist du für diese reiche Welt. Den Becher, den du wohlplatziert an deines Herzens Seite stelltest, er bleibt nicht lange leer, denn mit der Zeit, da sammelt sich darin der Regen. Ein wenig Wärme schenkt dir jener Hund, der immer noch an deiner Seite weilt, den du auch einst an diesem Ort gefunden und mit der Zeit, da wird das schwarze Bild, auf das du blicktest, von weißen Punkten dir erfüllt, die klein und unscheinbar dir etwas Freude bringen. Die Schritte werden leiser, das Bild wird weiß und du erbaust dir kleine Freunde zum Zeitvertreib. Sie bleiben treu bei dir und du verbringst mit ihnen jene Tage, wo alle sich so sehr vereinen. Aus Kirchen hörst du Lieder klingen vom Miteinander, Menschlichkeit, doch gehst du dann im Stillen, leise zur Kirchentür, so bleibt sie dir verschlossen, weil Menschlichkeit auch mit den Menschen hier nach Hause geht. Du siehst an vielen Plätzen den Baum so hell erstrahlt und fragst dich, warum so viele hell erstrahlte Lichter dir keine Wärme schenken können. Auch riechst du Düfte mit der Nase, die du noch nicht gekannt, doch alle Fenster sind verschlossen an den Häusern, weil Kälte draußen bleiben soll und man sich drinnen vorm Kamin so selig über die Geschenke freut. Mit deinem Hund gehst du zu jenem Platze, wo du die Bilder maltest, die lange schon vom Wind verweht und schaust zum Mond empor, der dir in dieser Nacht zur Seite steht. Und legt er sich in später Nacht zur Ruh, dann siehst du tausende von Sternen und wünschtest dir, nur einer dort am Horizont zu sein. Am Morgen dann, wenn du durch Glockenschlag erwachst, dann siehst du wie der Menschenstrom an dir vorüberzieht und nichts von dir bemerkt. Und spürst du, wie die Kälte dir die Augen immer kleiner werden lässt, wie du dich fast schon nicht mehr rühren kannst.

Da plötzlich, klein und unscheinbar steht dieses Mädchen hier vor deiner Tür und lächelt dich so freundlich an, dass dir die Wärme dabei hilft dich aufzurichten. Es sagt kein einzig Wort und doch spricht dir sein Lächeln so vieles was du dir erträumt. Wie lange mag es sein, dass es hier steht, die Eltern drängen schon zu gehen, doch es bleibt hier bei dir und strahlt dich an, es ist für dich die Ewigkeit. Und schließlich, als die Mutter näher kommt, da holt es schnell aus seinem Mantel etwas und reicht es dir. Es fällt in deinen Schoß, doch du schaust nur in seine Augen, die dir so vieles sagen, das sonst kein Mensch versteht und dir zum Abschied eine Träne schenken. Wenn aller Glanz dann irgendwann verflogen ist, so schaust du auf die Puppe, die es dir geschenkt, so warm wie sie und nur durch ihre Wärme kannst du sie dir in Händen halten. Sie trägt wie Engel Flügel und wirkt dir als von Gott gesandt und selig und zufrieden legst du dich hin und hältst sie fest an deines Herzens Brust, wirst eins mit deinem schwarzen Bilde. Und kurz bevor sich deine Augen dann für immer schließen, da spürst du tief im Herzen, dass jenes kleine Mädchen dir soviel schenkte und du bist dankbar, dass du hier an diesem Orte so viele Jahre leben konntest, nur um für diesen Augenblick das zu erleben, was dir von Gott gesandt und was du dir durch Geld nicht hättest kaufen wollen, das Lächeln dieses Kindes.

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