Der Tod aus der Teekiste
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Oktober 2005
Unsichtbar
von Anita Handlbaur

Barbara stapfte durch die herbstliche Landschaft. Laub bedeckte den Gehweg, die Bäume rund um sie schillerten in allen Farben. Barbara nahm es nur schemenhaft wahr.
Völlig aufgewühlt mit verweinten Augen schimpfte sie vor sich hin. „Wieso nimmt er mich nicht wahr? Warum bekomme ich auf meine Fragen keine Antworten? Bin ich denn niemand?“ Die Leute gingen kopfschüttelnd an ihr vorbei. Manch einer tippte sich sogar an die Stirn. In ihrem Ärger hatte die Verzweifelte nicht bemerkt, dass sie ihre Gedanken laut heraus schrie. Peinlich berührt senkte sie den Kopf und ärgerte sich weiter:
„Ja wenn man etwas Unmögliches macht, mit sich selber spricht oder vom Dach springen will, dann wird man plötzlich bemerkt.“

Barbara, überlegte fieberhaft, wie sie dem ein Ende bereiten könnte. So wollte sie nicht weitermachen, darüber war sie sich klar. Aber wie in alles in der Welt sollte sie ihrem Ehemann klar machen, dass sie auch noch da wäre, dass sie auch Probleme hätte, wenn er doch nie zuhörte. Oftmals scheiterte der Versuch, sie erntete lediglich fragende Blicke und Antworten, die mit diesem Thema nichts zu tun hatten. Geradeso als wenn nur Jens wichtig wäre, denn er arbeitete schließlich auch hart und es gab immer Probleme, die ihn belasteten. Früher hatte Barbara immer aufmerksam zugehört, nun ist sie zu frustriert dazu.
Wenn sie mit ihrem Sohn sprach oder ihm etwas erklärte mischte sich Jens sofort ein. Was Barbara sagte, wog nichts gegen sein Wort. „Hallo ich bin auch noch da.“ Warf sie oft ein. Nichts. –Einfach übergangen- Oft stellte sie sich die Frage – Lebe ich noch? Bin ich ein Geist? Hallo kann mich jemand sehen? – Sie war zwar selten alleine, doch immer öfter fühlte sie sich einsam und verlassen.

Als Barbara nach Hause kam, hatten sich Vater und Sohn schon wieder in den Haaren. Ihr Mann begriff einfach nicht dass David noch kein Erwachsener war, sondern ein Kind. Sie versuchte immer sich raus zuhalten und später fragte sie Jens, ob es denn nun wirklich sein musste. Von beiden Seiten bekommt sie den Streit zu hören. Der Sohn kommt und beklagt sich über den Vater und der Vater beklagt sich über den Sohn. Ja dafür war sie gut genug. Anhören durfte sie sich alles, doch wehe sie sagte was dazu oder kam mit einem Ratschlag. David hörte sowieso nur, was er hören wollte. Wie Kinder eben so sind. Jens hörte sich lieber selber reden.

An diesem Abend hatte sie einen Entschluss gefasst, sie wollte einfach einmal raus aus den vier Wänden. Sich mit ihrer Freundin treffen und einen drauf machen, wie Jens sagen würde. Ihr Mann machte es sich gerade auf der Couch gemütlich. „Ich gehe heute mit Silvia aus.“ Berichtete sie ihm. Jens sah kurz hoch, richtete den Blick zur Uhr, um ihn dann schließlich auf dem Fernseher ruhen zu lassen. Nichts weiter. Ein Schluck Bier um die Kehle zu benetzen, aber ohne die Augen vom Fußballspiel abzuwenden. Klar die 20 Männer, die wie verrückt hinter einem Ball herliefen, waren auch wichtiger als eine Ehefrau. Barbara hatte nichts gegen diesen Sport, sah ihn sich selber gerne mit an, doch in diesem Moment hätte sie glatt an die Decke gehen können.
Sie legte David ins Bett, las ihm noch eine Geschichte vor. Gab ihm einen „Gute Nachtkuss“ und streichelte ihm zärtlich über den Kopf. „So nun schlaf brav. Bis morgen.“

„Warte nicht auf mich es könnte später werden.“ Sie sagte die Worte, (natürlich,) ohne gehört zu werden. Achselzuckend drehte sie sich um und verließ die Wohnung.

Sie traf sich mit ihrer Freundin in einem Pup, leider konnte sie nicht abschalten, immer wieder ertappte sie sich wie sie überlegte und mit den Gedanken abschweifte. Silvia merkte sofort, dass ihre Freundin nicht bei der Sache war und fragte nach. Endlich konnte sich Barbara alles von der Seele reden. Es war sehr befreiend und eine Lösung wurde ihr auch geliefert.
„Stell dich doch einfach vor ihn hin und sage was Sache ist und wenn du ihn vor die Wahl stellen musst.“ Dieser Gedanke gefiel ihr so ganz und gar nicht, sie liebte Jens doch, aber was war das für eine Liebe, wenn er sie nicht für voll nahm? Silvia hatte Recht, sie sollte Jens direkt ansprechen oder die Konsequenzen ziehen. Dennoch hatte sie gar kein gutes Gefühl im Magen.
Schwer lastete dieses Problem auf ihren Schultern, sie wollte Jens sofort damit konfrontieren, wenn sie nach Hause kam. Fest entschlossen legte sie sich stumm die Worte zurecht, sie wollte überzeugend auftreten. Plötzlich durchfuhr sie ein heftiger Schmerz und wurde durch die Luft gewirbelt, um unsanft auf der Straße zu landen. Blindlings war sie über die Fahrbahn gelaufen und wurde von einem Auto erfasst. Das Leben zog in Bildern an ihr vorbei. Nun war es aus, die Probleme sind gelöst. Abgeschlossen mit ihrem Dasein, doch plötzlich tauchte David vor ihrem inneren Auge auf. Sie kämpfte ihren bisher härtesten Kampf. David war wichtiger als alles andere und sie gewann.
Im Krankenhaus versicherte man ihr, dass sie unwahrscheinliches Glück hatte, einen starken Schutzengel. Barbara lächelte. Ja den hatte sie.

Jens stand mit feuchten Augen an ihrem Bett, drückte ihre Hand und vergrub sein Gesicht in ihrem Haar.
„Schatz wie ist das passiert?“ Weinte er an ihrem Ohr. Ihre Chance war gekommen und sie nahm sie wahr.
Weinend lagen sie sich in den Armen. Der Gedanke, dass er Barbara hätte verlieren können, seine Maus, hatte ihn wach gerüttelt. Er versicherte ihr, dass er sie immer noch liebte und versprach sie mehr zu respektieren, aber sie müsse ihm dabei helfen.
Ein Lächeln umspielte Barbaras Lippen, sie nickte und gab ihrem Jens einen Kuss der den Neuanfang besiegelte.

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