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Oktober 2005
Schmuckdiebe?
von André Franke

Irgendwas war nicht in Ordnung. Ein Blick auf die kleine Frisierkommode in ihrem Schlafzimmer zeigte Marianne, dass das Kettchen, das sie gestern vor dem Einschlafen hier hingelegt hatte, nicht mehr an seinem Platz lag. Sie suchte das ganze Zimmer ab. Nichts, aber auch wirklich gar nichts war von ihm zu sehen. Marianne war ratlos. Sie war sich sicher, dass sie das Schmuckstück gestern Nacht vor dem Schlafengehen hier abgelegt hatte. Dazu die Ohrringe und die Halskette, die perfekt zu ihrem Armbändchen passten. Diese waren ja noch da! Seltsam. Zunächst musste sie die Suche abbrechen. Es war schon fast acht Uhr. In einer Stunde sollte sie in der kleinen Boutique sein, in der sie zusammen mit einer Kollegin die neueste Mode verkaufte.

Nach der Arbeit ging Marianne sofort nach Hause. Es wurmte sie, dass sie das Kettchen nicht hatte finden können. Sie wollte sich gerade auf die Suche machen, als ihr Blick erneut auf ihren Schmuck fiel. „Eigenartig, nun fehlt auch noch ein Ohrring“, dachte sie. „Dabei war die Tür verschlossen.“ Die Wohnung lag im dritten Stock. „Durch das offene Fenster kann niemand eingedrungen sein“, überlegte sie verzweifelt. „Und was will er mit nur einem Ohrring?“ Es musste aber einen Grund geben, warum ihr Schmuck sich langsam in Luft auflöste. Sie schaute in jede Ecke des Schlafzimmers, konnte nichts finden. Wie war das möglich? Nach längerer intensiver Suche hatte Marianne ‚die Schnauze voll’ und beschloss, ihr Mittagessen, eine Pizza, auf dem Balkon zu verspeisen.

Dort stand ein großer Tisch mit vier Stühlen. Mit dem beladenen Teller und Besteck ging Marianne raus, bemerkte, dass sie ihren Eistee vergessen hatte. Nach einer knappen Minute war sie zurück. Die Pizza war noch da. „Na wenigstens die verschwindet nicht“, sagte sie laut zu sich und biss herzhaft in das erste saftige Stück der Speziale, die sie so gerne aß. Ihre Gedanken kreisten erneut um den Schmuck. Konnte er unsichtbar geworden sein? Es musste eine andere Lösung geben, nur welche? Inzwischen hatte sie das dritte Stück ihrer Mafiatorte in Angriff genommen. Ihre Zähne stießen auf etwas hartes, sehr festes. „Autsch“, entfuhr es ihr. Sie fuhr spontan mit der Hand zum Mund und griff verwirrt nach dem harten Etwas. „Wo kommt der denn her?“, verwundert hielt Marianne ihren Ohrring. Irgendwas ging hier nicht mit rechten Dingen zu. Wie kam ihr Schmuck auf die Pizza? War sie jetzt völlig übergeschnappt?

Ein beklemmendes Gefühl kam in ihr hoch, leichter Schwindel überkam sie, ihr Herz raste, sie zitterte. Gründlich überprüfte sie ihr Schlafzimmer. Nein, es war definitiv niemand da. Sorgfältig schloss sie die Tür hinter sich, nachdem sie ihren zwischenzeitlich vom Käse befreiten Ohrring wieder in das blaue Schälchen gelegt hatte. Die Schwindelgefühle wurden stärker. Ihr Kreislauf sackte langsam zusammen. Sie beschloss deshalb, sich erstmal ein Weilchen hinzulegen. Hatte sie Geister in der Wohnung? Nein, sie war sicher, dass es eine simple Erklärung für die eigenartigen Diebstähle geben musste. Sie fuhr auf. Moment, fehlte in der Schale nicht schon wieder ein Schmuckstück? Stimmt, jetzt war der andere Ohrring weg. Nichts Ungewöhnliches fiel ihr auf. Lediglich ein Blatt lag auf dem blitzsauberen Fensterbrett. Das musste der Wind reingeweht haben, das war nichts Besonderes. Immerhin war das Fenster den ganzen Tag offen und von der großen Kastanie vor dem Haus wehte häufig mal Laub herein.

Sie wälzte sich im Halbschlaf hin und her, fast zwei Stunden lang. Ein Schatten huschte über sie hinweg, ließ sie blitzartig hochfahren. Furchtsam schaute sie umher. Der Wind wehte in den Raum. Ihr erster Blick fiel auf die Frisierkommode. Was würde diesmal weg sein? Sie war auf das Schlimmste gefasst. Ein goldener Ring hatte sich zu ihrem Schmuck hinzugesellt. Sie hatte das Schmuckstück noch nie gesehen. Das war ihr dann zu paradox. Welcher Dieb würde etwas hinlegen? Und wie kam er herein? Sie Närrin, warum hatte sie nur das Geschehene verschlafen. Marianne trat ans Fenster, wollte es schließen. Von draußen hörte sie plötzlich ein leises, aber rhythmische Geplauder vermischt mit weichen Trillerlauten. Es waren die Rufe einer Elster. Ihr Blick fiel auf den Baum. Sie erblickte einen der großen schwarz-weißen Vögel in ihrem Nest, der etwas Glitzerndes im Schnabel hielt. Der klingelnde Wecker ließ Marianne zusammenzucken. Ein krächzendes Keckern ließ sie herumfahren. Eine zweite Elster startete vom großen Schlafzimmerschrank, schnappte sich den Ring, streifte mit einem Flügel den Kopf der jungen Frau und entkam durch das Fenster. Marianne blickte empört dem frechen Dieb hinterher. Nun war ihr alles klar.

Letzte Aktualisierung: 00.00.0000 - 00.00 Uhr
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