Der himmelblaue Schmengeling
Der himmelblaue Schmengeling
Glück ist für jeden etwas anderes. Unter der Herausgeberschaft von Katharina Joanowitsch versuchen unsere Autoren 33 Annäherungen an diesen schwierigen Begriff.
mehr ... ] [ Verlagsprogramm ]
 SIE SIND HIER:   HOME » MITMACH-PROJEKT » SCHREIBAUFGABE » Marcus Watolla IMPRESSUM
NEWSLETTER
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

Jetzt anmelden! ]

UNSERE TOP-SEITEN
1.) Literatur-News-Ticker
2.) Leselust
3.) Forum
4.) Mitmach-Projekt
5.) Schreib-Lust-News 6.) Ausschreibungen 7.) Wettbewerbs-Tipps
November 2005
Selbstreflexion ist Fehlanzeige
von Marcus Watolla

Ein Mann beim Psychologen.
“Ich weiß einfach nicht, was los ist? Alle Frauen, mit denen ich zusammen war, betrogen mich und schlussendlich haben sie mich auch verlassen. Bei jeder Frau war es dasselbe.
Immer wieder.
Ich verstehe das einfach nicht.
Dabei hatten sie alle doch bei mir den Himmel auf Erden.
Wenn sie für mich gekocht haben, überhäufte ich sie manchmal mit Lob und Anerkennung. Wissen Sie, Frauen stehen auf so etwas. Nur selten beschwerte ich mich über das Essen. Einige Male äußerte ich etwas Kritisches, aber dann hat es wirklich nach nichts geschmeckt. Meine letzte Freundin konnte überhaupt nicht kochen. So oft versuchte ich ihr klar zu machen, dass sie sich ein bisschen mehr anstrengen müsste.
Kaufte ihr sogar ein Kochbuch zum Geburtstag.
Ist ja auch nicht so toll, Abends von der Arbeit zu kommen und nichts auf dem Tisch zu haben.
Hin und wieder half ich sogar beim Abwasch.
Ich verstehe das einfach nicht.
Wenn sauber gemacht wurde, bin ich solange aus dem Haus gegangen. Damit sie sich besser austoben konnte. Wollte halt nicht stören. Würde mich ja auch stören, wenn mir jemand im Weg herum stehen würde, während ich mich amüsiere. Bin dann in meine Stammkneipe gegangen und erst später nach Hause gekommen, damit sie genug Zeit hatte, sich ihrem Hobby zu widmen.
Ich verstehe das einfach nicht.
Damit sie nicht soviel Wäsche waschen musste, habe ich sogar meine Klamotten längere Zeit getragen. Manchmal eine Woche lang. Kann gut verstehen, dass es stressig ist, sich um viel Wäsche zu kümmern. Ist ja auch nicht leicht, so einen Haushalt zu schmeißen. Ich half ihr, wo ich nur konnte. Machte sie sogar immer darauf aufmerksam, wenn sie etwas in der Wohnung liegen gelassen hatte. Der Teufel steckt schließlich im Detail.
Bin auch immer mit gutem Beispiel vorangegangen. Habe meine abendlichen Flaschen Bier auch immer ordentlich wieder zurück in den Kasten gebracht.
Ich verstehe das nicht.
Sie konnte sich auch nie beschweren, dass ich nie mit ihr ausgehe. Wir waren oft unterwegs. In meiner Stammkneipe. Da ist es lustig. Meine Freunde mochten meine Freundinnen im allgemeinen, sie hatten nie Schwierigkeiten, Kontakt zu knüpfen. Sie konnten tun und lassen, was sie wollten. Ich trank mir einen und ließ sie gewähren.
Manchmal nahm ich sie auch mit zum Fußball. Ist schließlich Kultur. Da kommt man unter Leute. Und außerdem ist es spannend. Aber sie haben es mir nie gedankt.
Ich verstehe das absolut nicht.
Ob ich treu war? Auf jeden Fall! Na gut, flirten war immer erlaubt. Zum Beispiel Heidi, die nette Bedienung aus meiner Stammkneipe. Mit der macht flirten immer Spaß. Habe auch keine Gelegenheit ausgelassen. Stärkt ja auch das Selbstwertbewusstsein. Sagte auch immer zu meinen Frauen: `Wenn Du nicht wärest, die Heidi, die könnte Dir glatt gefährlich werden´ oder `Weiß gar nicht, warum Du Dich so anstellst. Ich flirte doch nur...´.
Bin halt ein ehrlicher Typ.
Anderen Frauen habe ich nie hinterher geguckt. Na ja... zumindest eher selten... manchmal... dann und wann... schon mal öfter... Aber außer Gucken war da niemals mehr!
Ich verstehe das alles nicht.
Was mache ich nur falsch?
Für Geschenke war ich mir nie zu schade. Und wie ich sie beschenkt habe. Zum Beispiel der Mona, der schenkte ich kurz vor unserer Trennung Karten. Für Schalke. Tribüne. Glauben Sie etwa, sie hätte auch nur ein Wort des Dankes verloren? Dabei waren die Tickets doch so teuer. Sagte ich ihr auch, damit sie versteht, wie viel sie für mich wert war. Und sie? Verlässt mich wegen so einem Haijohpai und zieht sogar sofort zu ihm, ohne ihn richtig zu kennen.
Ich kapiere das nicht.
Ich bin wahrscheinlich zu nett.
Ob ich eifersüchtig war? Nein! Vertrauen ist alles für mich. Na ja, manchmal muss man ein bisschen auf der Hut sein. Die Konkurrenz schläft ja auch nicht. Habe von Zeit zu Zeit das Handy kontrolliert, wenn sie nicht dabei war. Einmal habe ich sogar das Tagebuch gefunden. Stand aber nichts von Belang drin.
Aber eifersüchtig bin ich absolut nicht.
Bin sogar relativ freizügig. Habe Nacktfotos von Michaela gemacht. Mann, war ich stolz auf diese Frau. Diese Figur. Und dieses Aussehen. Meine Arbeitskollegen und die Kumpels aus der Kneipe haben vielleicht geguckt. Die fanden sie auch prima. Na ja, viel hatte sie nicht im Kopf. Kochen konnte sie auch nicht. Aber das ist bei einer Frau ja auch nicht so wichtig.
Hauptsache... Sie verstehen?
Außerdem gab ich ihnen immer eine Schulter zum Ausheulen. Bin halt ein ganzer Kerl. Darauf stehen Frauen... Ein bisschen Macho...
Ob wir uns oft gestritten haben?
Nein.
Bin den meisten Streitigkeiten aus dem Weg gegangen. Wenn es mal wieder so weit war, zog ich die diplomatische Lösung vor. Verzog mich in meine Stammkneipe, damit sie sich erst abregen konnten. Nach vier/fünf Schnäpsen bin ich dann erst nach Hause. Frauen können manchmal ganz schön streitsüchtig sein.
Ich war oft in meiner Stammkneipe...
Wenn es mir zu bunt wurde, haute ich auch schon mal auf den Tisch. Frauen brauchen manchmal eine harte Hand, damit sie wissen, dass sie kein Weichei zum Mann haben. Darauf stehen die. Ab und zu mal `nen Klaps, wenn sie zu weit gehen. Nicht feste. Oder mit der Faust... Bin ja kein Unmensch...
Und trotzdem haben sie mich verlassen.
Ich verstehe das alles einfach nicht.
Warum sind Frauen nur so egoistisch?”

Letzte Aktualisierung: 00.00.0000 - 00.00 Uhr
Dieser Text enthlt 5326 Zeichen.

Druckversion

 LINKTIPPS: Naturwaren Diese Website wird unterstützt von:

www.mswaltrop.de
Copyright © 2006 - 2024 by Schreiblust-Verlag - Alle Rechte vorbehalten.