Ganz schön bissig ...
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Dezember 2005
Supervision
von Anna Maria Sauseng

Neben dem Bett das Nachtkästchen. Kleine Kinderfinger
spielen mit der Verschlussfeder der Lade: peng, peng, peng.
Die Stille engt den Raum ein. Das Kind verträumt,
sehnt sich danach von IHM in die Arme genommen zu werden,
wie es der Vater von Elvira, einer Mitschülerin macht. Er
drückt seine Tochter zärtlich, Elvira jubelt dabei,
läuft freudig mit dem Papa nach Hause zu ihrer Mutter.
peng, peng, peng, spielt das Kind mit dem Finger, kuschelt
in die Bettdecke um die Hände zu erwärmen.
Wieder träumt es von einem Mädchen mit blonden Zöpfen,
roten Maschen daran, welches zwischen Papa und
Mama hopsend seinen Weg zurücklegt. Ein bißchen
glücklich sein, denkt es, schläft danach ein.
Draußen vor dem Haus bellt ein Hund, harte Schritte
nähern sich dem Schlafraum. Ein kalter Tag beginnt.

Nein, ich habe nie rote Maschen an den blonden Zöpfen
getragen. Ich bin nie von einem Vater, oder einer Mutter
liebkost worden. Ich träumte davon, das immer wieder.
Später, als ich erwachsen wurde, empfand ich dieses nicht
vorhanden sein, von Zärtlichkeiten als Einsamkeit. Abends
langte meine Hand zu den Schlüsseln an meinem Nachttisch,
spielten damit, ich spürte das kalte Metall in meinen
Fingerspitzen, die Kälte des Alleinseins in meiner Brust.
Die Schlüssel berührten das Holz, machten: peng, peng, peng.
Meine Sehnsucht nach Geborgenheit, verstanden werden und
frei leben zu können vertiefte sich.

Später bezeichnete ich mich selbst als heimwehkrank, lernte
damit umzugehen. Dieses Leid belastete mich und ich fühlte
mich immer wieder eingeengt, sei es in der Berufsausbildung, dann im Berufsleben, später im eigenen Familienleben.
Ich schließe die Augen. Ich sehe mich als Waisenkind abends
morgens mit der Feder der Nachttischlade zu spielen
höre das peng, peng, peng. Ich spüre den Heimwehschmerz
in der Brust.
Später erst konnte ich die Erkenntnis annehmen, dass letztlich
kein Mensch meine innere Sehnsucht stillen könne.
Inzwischen lernte ich mein Leben zu lieben, und mich zu nehmen,
so wie ich bin.
Wenn ich Menschen treffe mit denen ich im Gespräch eins
werden kann, oder wenn ich mich mit der großen Natur vermähle,
den farbigen Blumen, den blauenden Bergen, den fließenden Wasser,
den warm, liebkosenden Sonnenstrahlen, den streichelnden
Wind, fühle mich von einer seltsamen weichen Liebe umarmt,
davon kann mir niemand etwas wegnehmen, das gehört meiner Seele
mir ganz allein.

Ganz ruhig, entspannt sitze ich im weichen Sessel, in einem großen,
hellen Raum. Die Zeit gehört mir, seine Zeit gehört auch mir.
Ich habe sie mir gekauft, die Stunden beim Psychotherapeuten. Die Gespräche sind seelischen Umarmungen gleich, ohne körperliche Berührung. Ich wärme meine Seele auf für die weiteren Schritte in die Zukunft.
Worte weben das Netz, sie verflechten sich zum Einsein.
Ich spüre das Kind in mir, ich atme meine Lebenserfahrungen,
ich spüre wie sich das Einst und all die Jahre miteinander
vermischen in einem Jetzt, in einer Versöhnung mit dem Leid,
mit dem schmerzhaften, süssen Weh eines reifenden Herzens.
Im Rückblick erkenne ich neben allem Leid so viele, große, beglückende Erlebnisse als Geschenke des Lebens.
Wie klein, von kurzer Dauer, arbeitsreich war mein Lebensweg von sechzig Jahren und doch so reichhaltig, so viel Fülle zum
Verkosten war da.
Ich trinke die Träume von meiner Kindheit, ich trinke
die vielen Begegnungen mit Menschen, das Verbunden Sein
in der Natur. Ich trinke den Schmerz der Einsamkeit der zugleich
als Geschenk zur inneren Freiheit wurde. Ich trinke das Gestern,
ich trinke das heute und die Worte von jetzt, meinem Gegenüber
der als Begleiter die Fortsetzung von vielen früheren
Gesprächspartnern ist.
Stufenweise wurde ich aus der Enge des leidendvollen
Lebens in das große Reich des Seins geführt,
Seele an Seele, kein Traum mehr - das Leben als einzige
Gegenwart zu erleben.
Peng, peng, peng...
Was war es wohl gewesen, von gestern und heute?

Letzte Aktualisierung: 00.00.0000 - 00.00 Uhr
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