Sexlibris
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Januar 2006
Die Nacht des Weckers
von Marcus Watolla

Ich erwachte durch ein sonderbares Geräusch. Schrak im Bett hoch.
Was weckte mich? Ich hörte ein Geräusch, das aus der Ecke der Uhr kam, aber das Geräusch erinnerte mich eher an ein Quietschen.
Ein Quietschen?
Als ich hinsah, blickten mich zwei übergroße Augen an. Tatsächlich, der Wecker besaß zwei riesige Glubscher.
„Na?“ höhnte er, „Schon wach? Habe dich doch noch gar nicht geweckt!“
„Das kann nicht wahr sein“, keuchte ich, „ich träume ...“
Um mir Gewissheit zu verschaffen, kniff ich mir in die Wange und stellte fest, dass ich wach war.
„Du hast zwei Stunden Zeit zum schlafen“, kicherte der Wecker, „also lasse dich von mir nicht stören.“
„Aber du quietschst“, entgegnete ich verwirrt.
„Oh. Habe nur ein wenig Schnupfen. Außerdem bin ich nicht so laut wie das Telefon.“
„Moment mal“, tönte es aus der anderen Ecke des Raumes. Das Licht einschaltet, erkannte ich, wie mich mein Telefon aus wütenden Augen anstarrte. „Ich klingele seit langem nicht mehr. Du hingegen quietscht schon die ganze Nacht derart laut, dass selbst mir das Schlafen schwer fällt.“
„Du stellst dich an!“, polterte der Wecker.
„Gar nicht wahr! Du quietscht wie ein ... wie ein alter Bürostuhl!“
„Zieht mich nicht in eure Streitigkeiten“, brummte eine Stimme vom Schreibtisch.
„Na toll“, sagte der Wecker vorwurfsvoll, „du weckst ja die ganze Wohnung mit deinem Gemecker!“
„Ich meckere gar nicht! Du hast angefangen!“
„Habe ich gar nicht!“
„Wohl!“
„Ruhe!“, rief ich und sprang aus dem Bett.
„Jetzt habt ihr sogar den Chef geweckt“, warf der Drehstuhl den beiden anderen vor. „Ihr und euer ständiges Gezeter!“
„Gezeter?“ kreischte das Telefon und klingelte vor Zorn. „Ich muss mir nicht gefallen lassen, dass mich dieser Weckapparat blöd von der Seite anmacht.!“
„Ruhe!“ schrie ich. „Verdammt noch mal! Ruhe!“
Sie schwiegen.
„Ich will jetzt nichts mehr von euch hören! Ihr dürft gar nicht sprechen!“
Zornig tappte ich zurück zum Bett, löschte das Licht und warf mir die Decke über. Redende Geräte. Drehte ich jetzt endgültig durch oder war ich einfach nur überarbeitet?
„Gezeter“, klang es beleidigt aus der Ecke des Telefons.
„Jawohl!“, rief der Wecker. „Gezeter!“
„Du bist einfach streitsüchtig!“
„Was?! Ich?! Pack dir an die eigene Nase, du quietschende Nervensäge!“
Wieder entbrannte eine aufgebrachte Diskussion zwischen den beiden Rivalen. Keiner stand dem anderen sein Recht zu.
Verzweifelt zog ich mir das Kissen über die Ohren. Ich wollte doch nur schlafen! War ich im Irrenhaus gelandet?
Mittlerweile gelangten die beiden Streithähne beim Sinn und Zweck ihres Daseins an.
„Ich wecke den Boss jeden Morgen!“, jammerte der Wecker. „Du bist total überflüssig hier!“
„Hah!“ entgegnete das Telefon. „Wecken, das kann ich auch! Das ist keine große Kunst!“, und klingelte lautstark.
„Jedoch grundsätzlich tust du das zur Unzeit! Du hast halt kein Benehmen!“
„Ruhe“, schrie der Bürostuhl, „Der Chef will schlafen!“
So ging das die ganze Zeit. Die Streithähne wollten einfach kein Ende finden.
Es ging hin und her. Keiner wollte klein beigeben. Plötzlich mischte sich die Stereoanlage ein und übertönte alles mit lauter Musik, denn sie war beleidigt. Kam nicht gegen die Beiden an. Fand keine Argumente mehr. Sie dudelte lauthals Bob Marley und im Anschluss Beethoven. Die Wände bebten.
Das ging so lange, bis die Polizei erschien.
„Wir haben Beschwerde erhalten, dass es bei Ihnen zu laut ist!“
„Das war ich nicht. Das waren meine ...“
Ich hielt inne.
„...meine Haushaltsgeräte...“
Die Polizisten sahen sich mit undefinierbarem Blick an, tippten sich an die Stirn und verwarnten mich. Sie drohten mir an, dass, wenn sie noch einmal ausrücken müssten, mir eine Anzeige blühen würde.
So entgegnete ich resigniert: „Ich werde für Ruhe sorgen.“
Entnervt ging ich zurück in die Wohnung. Ich schaute auf den überquellenden Aschenbecher und schor mir: Nie wieder einen Joint anzufassen!

Letzte Aktualisierung: 28.06.2006 - 09.44 Uhr
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