Der Cousin im Souterrain
Der Cousin im Souterrain
Der nach "Dingerchen und andere bittere Köstlichkeiten" zweite Streich der Dortmunder Autorinnengruppe "Undpunkt".
mehr ... ] [ Verlagsprogramm ]
 SIE SIND HIER:   HOME » MITMACH-PROJEKT » SCHREIBAUFGABE » Anna Maria Sauseng IMPRESSUM
NEWSLETTER
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

Jetzt anmelden! ]

UNSERE TOP-SEITEN
1.) Literatur-News-Ticker
2.) Leselust
3.) Forum
4.) Mitmach-Projekt
5.) Schreib-Lust-News 6.) Ausschreibungen 7.) Wettbewerbs-Tipps
Januar 2006
Eine gefährliche Postsendung
von Anna Maria Sauseng

Auf dem Gendarmerie Posten hatten sich der Buslenker, Herr Dies und sein Fahrgast, Herr Braun zu verantworten. Sie waren mit dem Linienfahrzeug unterwegs unerlaubt stehen geblieben. Dies hatte die Ankunft der Kinder in der Schule verzögert.

„Seit der zweite braune Postsack im Autobus lag, zerrte ein gleichmäßiges Ticken an unseren Nerven. Zuerst versuchten wir es zu überhören, aber dann...“

„Aber was dann“, fragte der Gendarm.

„Dann schob ich den Sack weiter nach hinten“, antwortete der, zurzeit einzige Fahrgast vom Frühbus.

„Und was war weiter“, bohrte der Amtmann.

„Was weiter war? Ja, ich bin bei der nächsten Haltemöglichkeit stehen geblieben und habe den Sack ausgeleert, mitten im Bus. Wir kontrollierten die Post. Da konnten wir ein kleines viereckiges Paket ausfindig machen.“

„Und was war dann mit dem Paket? Reden Sie weiter!“

„Aber ja doch! In jener Schachtel tickte etwas, dieses Ticken hatte uns nervös gemacht.“

„So, nervös hat euch dieses Geräusch gemacht und deswegen seid ihr stehen geblieben?“

„Ja, so war es“, antwortete der Chauffeur.

„Wir haben an die Briefbombenserie gedacht, wodurch der Bürgermeister Zilk von Wien an seiner Hand schweren Schaden erlitt, gleich auch ein Pfarrer Janisch und eine Sekretärin eines Wiener Rechtsanwaltes verletzt wurden.“

„Ja, doch“, meldete sich der Fahrer, wieder zu Wort.

„Wir haben an eine Bombe gedacht, deswegen das Paket ins Freie getragen und unter einen Felsen gelegt, damit es zu keinen Schaden kommt, falls etwas explodiert. Bei der nächsten Haltestelle meldete ich den Fall dem Posten.“

„Na so etwas, Sie denken an ein Attentat und tragen das vermeintlich explosive Paket mit der bloßen Hand bis zum nahe gelegenen Felsvorsprung. Und dieser Gedanke ist Ihnen wohl nicht gekommen, dass auch Sie Schaden erleiden könnten“, fragte der Inspektor verwundert.

„Ja doch, ich dachte an die Gefahr, aber dass der Bus in die Luft gesprengt wird, das konnte ich nicht zulassen“, antwortete Herr Dies.

„Nun gut, gehen wir weiter. Bei den nächsten Haltestellen stiegen die ersten Schüler zu. Wann waren Sie mit den Kindern bei der Schule?“

„Mit nur zehn Minuten Verspätung “, rechtfertigte sich der Fahrer.

„Und woher wussten Sie, dass der Direktor in Gefahr war, wie Sie beim Amt angegeben haben?“

„Ja doch, am Paket war die Adresse zu lesen, ist wohl klar bei einer Postsendung. Ich kenne den Herrn Direktor sehr gut, und ich wollte ihm ersparen, dass er einer Explosion zum Opfer fällt.“ Herr Dies atmete nun tief durch.

Der Wachbeamte war besänftigt und lächelte dem pflichtbewussten Buslenker nun zu:

„Schon gut, schon gut, lassen wir es für heute sein.“

Eilig betrat ein junger Mann in Uniform die Kanzlei: „So, das wäre es jetzt!“ Er legte schwungvoll das tickende Etwas auf den Tisch und hielt seine Hand darüber. Herr Dies und Herr Braun wichen ängstlich zurück.

„Keine Angst meine Herren“, rief der Neuankömmling. Wir sind dem Absender nachgegangen, haben die Mutter des Herrn Direktors hierher gebeten, sie wird bald da sein.“

„Die Mutter vom Direktor?“ fragten gleichzeitig die drei Männer.

Schon trippelte eine rundlich, ältere Dame fröhlich in die Wachstube. Sie entschuldigte sich vielmals wegen der schrecklichen Umstände, die sie durch die Sendung an ihren Sohn hervorgerufen hat.

„Aber, sie müssen auch wissen, mein Sohn hat heute Geburtstag, seinem Wunsch bin ich nachgekommen und habe das Ding aufgezogen, bevor ich es abschickte, es sollte zur Stunde seiner Geburt klingeln.“ Weiter kam die Dame nicht mit ihrer Ausführung, denn schrill rasselte es aus dem Paket vor ihnen. Die Männer duckten sich unter den Tisch. Sie kamen erst hervor, als es still geworden und sie sich vergewissert hatten, dass die Umgebung noch intakt war.

„Ja doch“, murmelte der Chauffeur“, man kann nie vorsichtig genug sein.“

„Sie haben recht, Herr Dies!“ Meinte der Inspektor wohlwollend, “ in dieser Zeit weiß man wirklich nie was in einer Postsendung drinnen stecken kann, vor allem, wenn etwas tickt und tickt und tickt.“

Letzte Aktualisierung: 00.00.0000 - 00.00 Uhr
Dieser Text enthält 3965 Zeichen.

Druckversion

 LINKTIPPS: Naturwaren Diese Website wird unterstützt von:

www.mswaltrop.de
Copyright © 2006 - 2019 by Schreiblust-Verlag - Alle Rechte vorbehalten.