Das alte Buch Mamsell
Das alte Buch Mamsell
Peggy Wehmeier zeigt in diesem Buch, dass Märchen für kleine und große Leute interessant sein können - und dass sich auch schwere Inhalte wie der Tod für Kinder verstehbar machen lassen.
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Januar 2006
Die Wolken
von Oliver Schnöder

Wolken drängen sich am Himmel, teilen Schläge aus und weinen bitterlich. Die Sonne scheint es nicht zu interessieren, sie ist längst weg um andere Teile der Erde zu bescheinen, die Teile in denen die Bonsem und ihre Freunde wohnen, die sich am Leid der anderen begnügen und die den Mann, der in seiner Hundehütte sitzt, in der vor langem mal ein Hund gewohnt hat, absichtlich übersehen.

Dem Mann ist es egal, denn so schmutzig er von außen wirkt, im Inneren ist er rein.

Vor ihm drängen sich Tiere aller Arten, sie alle haben Leid erlitten und der Mann redet mit ihnen, denn er hält es für richtig.

Ein Hund erzählt zuerst seine Geschichte. Kein Lebewesen in der kleinen Hütte trägt einen Namen. Manche von ihnen hatten mal einen Namen, haben ihn aber vergessen, oder verdrängt. Die Stimme des Hundes dringt schwach durch dessen von Schlamm verdreckten Mauls, aber der Mann versteht ihn gut.

“Seit meiner Geburt bin ich Streuner. Hab im Leben nicht viel zu Stande gebracht. Seit ich mich erinnern kann lebe

ich mit einem anderen Namenslosen zusammen. Gestern wurde er gefangen. >Echte Mäntel< stand auf dem Wagen. Ich bin entkommen. Hatte keine Kraft, ihm zu helfen. Aber woher kam diese, als ich weglief?”

Der Mann sagt nichts. Der Hund fühlt sich verstanden und legt sich hin. Jetzt darf er den Geschichten der anderen Tiere zuhören. Als nächstes kommt eine Katze an die Reihe, sie wirkt müde und schlaff, sie kann sich kaum auf den Beinen halten und zitterte.

“Seitdem ich Vorgestern aus einem Beutel gegessen hab, auf dem >Rattengift< stand, fühl ich mich schlecht. Ich werde von Stunde zu Stunde schwächer, es geht zuende mit mir. Spätestens Morgen verlasse ich eine Welt, die ich sowieso nicht verstanden habe. Was ist Gift?”

Nach dem letzten Wort beginnt die Katze zu zucken und verkrümmt sich. Sie hat den Kampf mit dem Gift in ihrem Körper aufgegeben, denn sie hält ihn für zwecklos.

In ihrer letzten Sekunde hat sie ihren Frieden gefunden. Der Mann sagt kein Wort, aber er versteht. Doch wer ist jetzt mit dem Erzählen dran? Das drahtige Tier, die Spinne. Sie hat sechs Beine und sieht stark verletzt aus, ihr Hinterteil ist angequetscht und sie ist mit einer dünnen, durchsichtigen Schicht überzogen.

“Ich war in einem Haus und hab niemandem was getan ... Da kam dieses große, zweibeinige Ding an und schlug grundlos nach mir. Als ich nach der Flucht ein Bein verloren hatte, dachte ich es währe überstanden aber dann sprühte der Zweibeiner etwas auf mich, auf der Packung stand >Deo<. Das Wesen lachte, als ich mich unfreiwillig krümmte. Ich hab mich tot gestellt, aber es war ein unvorstellbarer Schmerz. Ich wurde aus dem Fenster geschmissen und ich schaffte es bis hierhin.”

Der Mann sagt wieder nichts, was soll er auch sagen? Seine Geschichte ist ähnlich, er wird oft als Tier bezeichnet, das macht ihm schon lange nichts mehr aus, als Tier fühlt er sich frei und rein.

Letzte Aktualisierung: 00.00.0000 - 00.00 Uhr
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