Burgturm im Nebel
Burgturm im Nebel
"Was mögen sich im Laufe der Jahrhunderte hier schon für Geschichten abgespielt haben?" Nun, wir beantworten Ihnen diese Frage. In diesem Buch.
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Februar 2006
Familienbande
von Ulrike Lauterberg

Drei Generationen hatten sich zu Saschas Geburtstag an der festlich gedeckten Kaffeetafel versammelt. Achtundzwanzig wurde er heute. Neben ihm saß seine Frau Jasmin, gegenüber die Großeltern. Seine Mutter Claudia hatte an der Schmalseite Platz genommen und warf Sascha gerührte Blicke zu.

”Wie schnell die Zeit vergeht. Mir kommt es vor, als war es gestern, als du um sechs Uhr morgens vor meinem Bett gestanden hast. Mutti, komm schnell!” Kichernd verspeiste Claudia den letzten Bissen ihres Tortenstücks, Sascha zog die Augenbrauen hoch.

”Du fängst aber jetzt nicht an, Peinlichkeiten auszuplaudern, Mutti?” Er tat Opa Ehrhard ein weiteres Stück auf den Teller.

”Ne, nur die Geschichte, versprochen.” Claudia wandte sich an ihre Schwiegertochter: ”Das musst du hören! Er war damals vier, ein süßer Hosenmatz.”

"Ach, süß war er mal?”, fragte Jasmin amüsiert.
"Mutti nicht schon wieder. Verschone uns heute mit der alten Kamelle.” Sascha kräuselte die Nase. Großmutter Margret lachte und stupste ihren Mann an: ”Schau Ehrhard, hast du es gesehen? Der Junge zieht die gleiche Schnute wie unsere Tochter, wenn ihr was nicht passt!” Ehrhard, sah von seinem Kuchenteller hoch und starrte seinen Enkel an.

”Ja”, antwortete er schmatzend, ”hast recht und die gleiche zerknitterte Nase. Ich sag’s ja immer, die Birne plumpst nicht weit vom Ast.”
Jasmin prustete los, verschluckte sich an ihrem Kaffee und hustete.

”Vom Stamm, Opa, der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.”, verbesserte Sascha, während er seiner Frau auf den Rücken klopfte.

”Ob Stamm, Ast oder Blatt, ist es nicht wurscht, wo das Fallobst herkommt?”, grummelte Ehrhard.
Ungeduldig klapperte Claudia mit den Fingernägeln an ihrer Tasse.

"Nein, Vater, es heißt nun mal Stamm und Apfel. Nun lasst mich doch erzählen!”, bremste sie die sich anbahnende Diskussion aus und fuhr fort: ”Also, der Hosenmatz stand in der Tür und rief mich. Mutti, du musst kommen. Bei mir sind Ameinsen.” Claudia kicherte. "Süß nicht wahr, er sagte damals Ameinsen und ich ...”

”Ameisen?”, unterbrach Opa. ”Die hatten wir immer wieder im Haus. Jedes Jahr das gleiche Theater. Tausende davon gingen bei uns ein und aus.”
”Jaaa Vater, das wissen wir. Aber du übertreibst.”

Claudia fuhr fort.

“Im Halbschlaf antworte ich: Die tun nichts, verscheuch sie einfach. Komme gleich.

Ich döste wieder ein. Kaum träumte ich von den Malediven, weckte er mich erneut.”

”Seht ihr, wie unsere Claudia damals”, rief Großvater Erhard. ”Was war sie hartnäckig und anstrengend und das den ganzen Tag über. Ich sag’s euch, das hat er von seiner Mutter geerbt.” Er schaute nickend in die Runde, forderte Bestätigung ein.
”Den Bauchansatz hat er aber offensichtlich von dir Erhard”, konterte Saschas Großmutter. Opa zog das Hemd ein bisschen zurecht.

”Wir können nur hoffen, dass er nicht das gleich Ausmaß annimmt wie deiner”, sagte sie schmunzelnd. Sascha blickte verdutzt an sich herunter, liftete sein Sweatshirt und betrachtete dann verstohlen die wuchtige Kugel seines Opas. Claudia räusperte sich und warf ihren Eltern einen strengen Blick zu. Nach einem Seufzer erzählte sie weiter.

"Also, mein kleiner Sascha rüttelte mich wach und flüsterte feucht in mein Ohr: Schläfst du? Ich kann sie nicht verjagen, die hören nicht auf mich. Mama, da sind Tausendhundertmillionen, ganz viele und es kommen immer neue auf mein Bett. Was kommt neu? , fragte ich verwirrt. Na die Ameinsen., piepste er verzweifelt. Stöhnend warf ich die Bettdecke zurück, stand auf und brummte: Ach so, na gut, ich komm ja. Mensch Sascha, übertreib doch nicht immer so. Millionen ... also weißt du! Und überhaupt, diese Tierchen sind ganz harmlos.” Claudia sah Jasmin an: "Weißt du, ich war damals sehr jung und Sascha brachte mich so manches Mal zur Verzweiflung. Wenn ich daran denke, wie er mit achtzehn Monaten morgens aus seinem Gitterbett gekrabbelt war.” Sie verdrehte die Augen.
”Zuerst hatte er die Wattetüte vollständig auseinander gepflückt, um anschließend mit Begeisterung die Puderdose darüber auszuleeren. Als ich das Kinderzimmer betrat, verschlug es mir die Sprache. Der Raum ähnelte einer verschneiten Winterlandschaft und mein kleiner Prinz saß glücklich mitten drin und schmierte gerade mit der zähen Penatencreme seine wunderschönen Locken ein.”

Alle lachten, was Claudia anspornte.
”Oder als er meine Zigaretten in eine halbleere Limonadenflasche gesteckt hat oder die Klopapierrolle abwickelnd durch die ganze Wohnung hinter sich her zog. Sascha war ein Kind, das in seine Spielzeugkiste pinkelte, als er den bedeutsamen Teil seiner Männlichkeit entdeckt hatte und herausfand, welch hohen Bo..."

”Na, der wusste eben früh, worauf es ankommt.”, unterbrach Opa und übertönte alle mit seinem Lachen.
"Mutti! Du kommst vom Thema ab.” Sascha rutschte peinlich berührt auf dem Sofa hin und her.
"Nun gut! Also, ich lief an dem Morgen in sein Kinderzimmer, um mir die Tierchen anzusehen, die meinen Sonntagmorgenschlaf ruiniert hatten. Als ich das Zimmer betrat, schrie ich auf. Ihr werdet es kaum glauben. Es waren Hunderte, ach was sag ich, sie zu zählen wäre nicht möglich gewesen. Sie hatten quer über seinem Bett eine Straße errichtet. Es war ein ganzer Staat, der wie eine Karawane durch sein Zimmer zog. Sie kamen unter der Tür durch, krochen hoch über sein Kopfkissen, diagonal übers Bettlaken, bis hinter die Wand am Fußende. Ich habe mich so geekelt. Was ist denn das? Warum sagst du mir nicht, dass es sooo viele sind, Sascha? Schimpfend rannte ich aus dem Kinderzimmer, um den Staubsauger zu holen. Weg mit euch, ihr Mistviecher, brüllte ich. Rücksichtslos sog ich die gesamte Horde in das Rohr. Als keiner der ungebetenen Gäste mehr zu sehen war, schob ich das Bett von der Wand und suchte nach weiteren Eindringlingen. Mit Erfolg. Doch ich fand auch etwas ganz anderes." Schmunzelnd sah Claudia in die Kaffeerunde, um die Spannung zu erhöhen.

”Na, was denn? Ein Mäusenest vielleicht?”, fragte Opa Erhard und glaubte einen Witz gemacht zu haben. Jasmins Blick hing erwartungsvoll an Claudias Lippen und Sascha nippte an seinem Kaffee, während er ungeduldig mit dem Fuß auf den Boden klopfte.

"An der Tapete hing eine angelutschte Lakritzschnecke und an der Fußleiste klebten zwei angebissene, grünlich schimmernde Kindergartenbrote. Daneben lagen halbausgewickelte Lutscher, die von den Krabbelviechern umzingelt waren. Kein Wunder also, dass sie den Weg bis dorthin wählten. Und ich hatte mich schon Tage vorher über einen unangenehmen Geruch gewundert."
Sascha verzog missbilligend seinen Mund, doch für einen Augenblick huschte ein schelmisches Grinsen über sein Gesicht. Klirrend stellte er die Tasse auf den Tisch.
"So, genug vom Hosenmatz. Schluss für heute!", befahl er und schlug sich einmal geräuschvoll auf die Oberschenkel.
”Ne ne”, lachte Claudia, ”das ist noch nicht alles. Weißt du Jasmin, Sascha war ein Kind, dass mich so oft aus der Fassung brachte."
"Muuuutti, es reicht!"
"Aber die Geschichte mit den verschiedenen Schuhen ..."
"Die will ich auch noch hören, unterbrach Jasmin kichernd.

"Sascha", fragte Großvater Erhard, während er sich vorbeugte, "habe ich dir schon einmal erzählt, dass deine Mutter eines Tages mit zwei verschiedenen Schuhen an den Füßen nach Hause kam?”
"Ach ne. Echt? Ich dachte so etwas passierte nur mir? Erzähl mal Opa." Sascha grinste Claudia an.

”Sie hatte sich morgens in der Eile irgendein Paar geschnappt, ohne genau hinzusehen. Somit trug sie in der Schule einen roten und einen braunen Schuh."

"Papa, das muss ja jetzt nicht sein." Claudia warf ihm einen strengen Blick zu und kräuselte die Nase.

"Wieso denn nicht?" Er knuffte Großmutter Margret in die Seite und diese zwinkerte ihm verschwörerisch zu, als sie sprach:

"Sascha vielleicht möchtest du die Geschichte hören, wie wir beim Renovieren einen ganzen Lebensmittelvorrat hinter dem Bett deiner Mutter fanden. Alles versteckte sie unter dem Bett, statt uns zu sagen, was sie nicht mochte. "Mutter, das ist doch gar nicht wahr", rief Claudia empört.

"Aber ja mein Kind, und du warst es auch, die die guten Luxzigaretten von Papa in die Toilettenschüssel geworfen hat, weil es dir zu sehr stank, wenn er rauchte."

”Ach diese alte Geschichte. Werdet ihr das denn nie vergessen?”

”Dabei qualmt Mutti heute selber wie ein Schlot”, prustete Sascha los.

”Claudia, Eltern geben nun mal weiter. Ob es immer nur das Gute ist, mag ich bezweifeln, aber ich bin immer glücklich darüber gewesen, dass du so liebevoll wie dein Vater bist und seinen Humor geerbt hast.” Erhard streichelte über Margrets Wange und sprach:

”Und wie gut, dass Claudia deine Schönheit geerbt hat und nicht meine.”

Jasmin tippte Sascha auf die Schulter und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Dann sahen sie sich kurz in die Augen. Sascha nickte und sprach seine Großeltern an:

"Also kann ich davon ausgehen, dass ich so einige Macken von meiner Mutter geerbt habe." Er stand vom Sofa auf, ergriff die Flasche Sekt und öffnete sie mit einem Plopp.

"Das würde ich so sehen", lachte Großvater Erhard und füllte sich ein weiteres Tortenstück auf.

"Opa und Oma, dann muss ich demnächst mehr erfahren."

"Sascha! Willst du in deinem Alter noch frech werden?" Lachend, mit erhobenem Zeigefinger, drohte Claudia ihrem Sohn, der jetzt das prickelnde Schaumgetränk in Gläser füllte. Nachdem jeder ein Glas in den Händen hielt, sah er in die Runde.

"Oma, Opa, liebe Mutti ... ” Seine Stimme wurde tief vor Feierlichkeit. ”Jasmin und ich haben letzte Woche erfahren, dass Nachwuchs unterwegs ist! Zum Wohl, auf euch, die zukünftigen Ur-Großeltern und der baldigen Großmutter.

Tja Mutti”, fügte er grinsend hinzu, ”du kannst den Mund wieder schließen, freut es dich doch sicher am meisten, dass du bald ein weiteres Opfer hast, dem du all meine Kindergeschichten erzählen kannst.”

Letzte Aktualisierung: 28.06.2006 - 10.31 Uhr
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