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Februar 2006
Das Erbe meines Sohnes
von Oliver Schnöder

Außenstehenden mag an der Familie Fohner nichts besonderes auffallen, auch die Nachbarn hielten sie für eine “anständige Truppe”, wie sie der Rentner von Gegenüber gerne nannte.

In der Familie währen zum einen Herr und Frau Fohner und der 17 jährige Linus. Die Familie, zumindest die Eltern, redeten nicht gerne über sich und gaben sich als eine glückliche Familie aus, wovon sie allerdings weit entfernt waren, denn im Gegensatz zu normalen Familien hielt nicht etwa der Vater oder die Mutter das Zepter in der Hand, sondern der Sohn, Linus. Da der alte Opa Fohner seinen Sohn übergangen hatte und seinen ganzen Besitzt an seinen Lieblingsenkel Linus vererbt hatte, sind seine arbeitslosen Eltern auf ihn angewiesen und mussten ihn den ganzen Tag umsorgen, denn die Schulausbildung hatte er mit erreichen der mittleren Reife abgebrochen.

“Heute Abend machst du uns ein Steak, aber ein argentinisches”, sagte er zu seiner Mutter.

“Und du kannst dich im garten nützlich machen”, fuhr Linus mit eingebildetem Ton an seinen Vater gerichtet fort.

So lief es jetzt schon seid einem Jahr und seine Eltern wurden von Tag zu Tag wütender auf Linus, aber sie unterdrückten diese Wut, zumindest noch. Da früher beide gearbeitet haben um die Familie ernähren zu können, hat weder die Mutter noch der Vater ein sehr inniges Verhältnis zu ihren Sohn aufbauen können, was wohl maßgeblich zum Eskalieren der Situation beigetragen hatte.

“Es kann so nicht weitergehen”, das waren meistens die ersten Worte, die Frau Fohner zu ihrem Mann sagte, wenn sie mal alleine waren, aber ihr Mann konnte nie mehr als “aber wir können ja nichts machen”.

Eines Tages war Herr Fohner besonders übel gelaunt und wütend auf seinen Sohn, nachdem dieser ihn im Vorgarten vor allen Nachbarn angeschrieen hatte: “Wie oft habe ich dir schon gesagt, dass du das Klo von deiner Scheisse befreien sollst wenn du mal wieder Dünnschiss hattest?”.

Linus Mutter war auch nicht besser drauf, nachdem Linus ihr seinen frischen Orangensaft aufs Kleid gekippt hatte und meinte: “Das nennst du frisch? Nach 4 Wochen ohne Duschen bin ich frischer als diese Gülle die du mir als Saft andrehen willst.”.

“Ich bring ihn um”, sagte das entmachtete Familienoberhaupt und hielt dabei seine vor Wut zitternde Faust hoch.

“Aber das dürfen wir nicht machen, er ist doch unserer Sohn”, brachte die Mutter mit tränenüberströmtem Gesicht heraus.

“Er behandelt uns nicht wie Eltern, warum sollten wir ihn als Sohn behandeln?”

“Wir werden ins Gefängnis kommen”

Mit einem diabolischem Grinsen im Gesicht sprach Herr Fohner leise: “Nicht wenn wir es geschickt machen”

Die Diskussion zog sich noch weit in die Nacht hinein fort und es flossen viele Tränen, aber auch Flüche und Verwünschungen.

Am nächstem Morgen stand der Plan und die Ausführung sollte nicht lange auf sich warten.

Linus trank ein Bier und sah dabei Fernsehen, er bemerkte nicht, wie seine Eltern gespannt vorm Fenster saßen und warteten. Nach kurzer Zeit begann Linus zu röcheln, dann kippte er vom Sessel und blieb regungslos auf dem Boden liegen, woraufhin seine Eltern sofort zu ihm rannten und seinen Puls fühlten: Er war Tod.

Da Frau Fohner mal kurzzeitig in einer Apotheke gearbeitet hatte, wusste sie über die verheerende Wirkung, die Desoxylbokulein gemischt mit ein wenig Alkohol anrichten konnte Bescheid. Und das gute Daran: Es sah für einen Mediziner so aus, als ob Linus Mithilfe von Schlaftabletten Selbstmord begonnen hatte. Das rumgeheule und die Erklärung “Linus wirkte schon immer etwas depressiv” erzielten vor der Polizei die erwünschte Wirkung.

“Das Erbe meines Sohnes hat seinen Vater gefunden, aber im Gegensatz zu einem Sohn tut es, was ich will”, murmelte Herr Fohner, als er bei einem Wein neben seiner Frau auf dem Sofa lag und dem Dienstmädchen bei der Arbeit zusah.

Und die Moral von der Geschicht: Gibt es nicht.

Letzte Aktualisierung: 28.06.2006 - 10.20 Uhr
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