Dingerchen und andere bittere Köstlichkeiten
Dingerchen und andere bittere Köstlichkeiten
In diesem Buch präsentiert sich die erfahrene Dortmunder Autorinnengruppe Undpunkt mit kleinen gemeinen und bitterbösen Geschichten.
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April 2006
Das Ferienhaus
von Esther Schmidt

„Meine Kindheit war wunderschön!“, sagte Frau K.. Sie hatte die Couch abgelehnt und sich für den gemütlichen Lehnsessel entschieden. Dort saß sie, kerzengerade, die schlanken Beine übereinandergeschlagen und fest zusammengepresst.

„Besaßen Ihre Eltern das Haus damals schon?“, fragte die Psychiaterin. Sie saß entspannt zurückgelehnt und hielt den kleinen Notizblock locker zwischen den Fingern.

„Ja“, bestätigte Frau K. „Aber damals war es nur ein Ferienhaus. Meine Eltern sind erst nach Vaters Pensionierung dauerhaft an den See gezogen."

"Ich verstehe. Sind Sie früher gerne dort gewesen?" Die Therapeutin sah das zögerliche Nicken ihrer Patientin und fragte gleich weiter: „Was hat Ihnen dort am besten gefallen? Als Kind, meine ich.“

Die Gefragte überlegte einen Moment.

„Die Freiheit, würde ich sagen. Ich fühlte mich irgendwie ... unbehelligt.“

‚Kein Lächeln’, notierte die Psychiaterin und sah hoch, als Frau K. rasch anfügte:

„Nicht, dass ich mich sonst als eingesperrt empfunden hätte.“ Sie wollte offenbar keinen falschen Eindruck erwecken. Die Therapeutin lächelte verstehend.

„Ich nehme an, Sie konnten dort herumstreifen. Man lässt ja ein Kind in der Großstadt nicht so gerne alleine. Auf dem Land geht das schon.“

„Ja, richtig, das hab ich gemeint.“ Frau K. wirkte erleichtert.

„Trotzdem sind Sie in den letzten Jahren nicht oft dort gewesen, nicht wahr?“

Die Patientin bewegte die Beine, schlug jetzt das rechte über das linke, hielt sie aber nach wie vor fest zusammengepresst.

„Das war nicht so einfach. Zuerst das Studium, dann die Heirat. Wir hatten alle Hände voll zu tun, unser eigenes Leben aufzubauen, und Kiel ist halt ziemlich weit weg. Als dann Lilly kam, war es einfacher, dass meine Eltern uns besuchen, als mit der ganzen Babyausrüstung durch die Republik zu reisen. Wie geht es Lilly? Kann ich sie sehen?“

„Sie ist in guten Händen“, beruhigte die Therapeutin, „Es geht ihr besser und inzwischen spricht sie auch wieder. Aber wir s ...

Liebe Leserin, lieber Leser,

diese Geschichte gehört zu den Siegergeschichten und erscheint in unserer Literaturzeitschrift Schreib-Lust Print. Wir bitten Sie um Verständnis, dass wir uns nicht selbst Konkurrenz machen möchten, indem wir die Geschichte ebenfalls hier komplett veröffentlichen.

Vielen Dank!

Andreas Schröter

Letzte Aktualisierung: 29.06.2006 - 21.14 Uhr
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