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April 2006
Damals
von Sebastian Döttelmayer

Damals, ja damals das war schon was gewesen. Da hatte ich noch nicht so viel geblutet wie heute.

Damals...tz...wenn ich daran denke wird mir ganz mulmig. Warum denke ich immer nur an die Vergangenheit?

Ein Lied surrte mir plötzlich durch den Kopf: All of my memories keep you near. In silent moments imagin you here…

Schnell verdrängte ich es wieder aus meinem Kopf. Nun war ich doch erwachsen geworden. Es gab keinen Grund mehr darüber nach zu denken was früher war.

Ich riss mich zusammen, immerhin saß ich hier mit einem attraktiven Mann bei einem Date.

„Weißt du, ich habe dann mit 12 beschlossen doch Pilot zu werden...“, sagte mir mein Gegenüber, doch ich hörte nur halbherzig zu. Als ich aus dem Fenster sah, erblickte ich einen Umriss eines Mannes der mir bekannt vorkam. Halt! Moment! Er sah aus wie...

Vom Sessel sprang ich auf, so stark das es ihn umwarf, nahm meine Handtasche vom Tisch und lief aus dem Cafè. Mein Date rief mir etwas hinterher, doch ich war mit den Gedanken schon ganz wo anders.

Auf der dunklen, und fast menschenleeren Straße sah ich ihn nicht, doch da, ganz plötzlich nahm mein Auge am Rand meines Gesichtsfeldes das Huschen eines Schattens in die Seitenstraße war. Obwohl ich sofort hinterher rannte, war der Schatten schon weg, ehe ich mich in der Seitenstraße orientieren konnte.

Jemand tippte mir auf die Schulter. Ich drehte mich um.

Ein alter Knacker stand vor mir.

„He! Für wie viel machst du es mir?“, fragte er mich.

Ich trat ihm zwischen seine Geschlechtsteile. Da hat man eines Abends einen Minirock und ein tief ausgeschnittenes Top an, in Samtschwarz gehalten, und schon wird man für eine Prostituierte gehalten.

Der Typ krümmte sich vor Schmerzen. Ich ließ ihn dort liegen.

Allein durch diesen Zwischenfall lies ich mich von meinem eigentlichen Ziel nicht ablenken, ihn zu finden...

„I hope there is a way to give me a sign that you’re ok...Reminds me again it’s worth it all so I can go in“

Da war es schon wieder, dieses Lied. Die Melodie, erfüllt von Traurigkeit...ich dachte an damals, während ich die lange Straße entlang ging, die den Pier hinunter führte. Ich dachte an ihn...



***



Er war damals mein aller erster Freund gewesen. Ich war 12 Jahre alt. War eben in die Hauptschule gekommen. Mein Vater hatte Krebs. Ich wusste nicht, dass er in ein paar Tagen sterben würde.

Er saß in der Klasse neben mir. Ich sah ihn immer verträumt an, doch meistens bemerkte er das nicht.

Vielleicht lag es daran das ich damals noch männlich war... . Aber ich bezweifle das er mich nach meiner Geschlechtsumwandlung mehr lieben würde, geschweige den lieben könnte.



In den Pausen wurde ich größten Teils von den Viertklässlern zusammen geschlagen, vielleicht nutzten sie es aus, dass [S1] ich so dünn und klein war. Das wusste ich nicht, aber ich lies es über mich ergehen.



Doch eines Tages gingen sie zu weit.



In der Zwischenzeit hatte ich mich mit Peter angefreundet. Er hatte schönes braunes Haar, so wie ich, nur seines war länger, er war auch schlank, sehr schlank sogar, nur noch größer.

Wir hatten denselben Heimweg. Wir redeten über vieles. Ich unterließ es ihn je anzumachen oder so. Ich wusste, er hatte eine Freundin und er erzählte mir täglich von ihr. Es hatte mich mit [S2] Freude erfüllt, wenn er mir von ihr erzählte. Dann stellte ich mir immer vor sie zu sein. Wie herrlich das gewesen wäre...



Es war ein Freitag. Die letzten zwei Stunden hatten wir Turnen, hatte diesen Unterrichtsgegenstand nie gemocht.

Gott sei Dank turnten nur wir Zweitklässler untereinander, denn die ließen mich in Ruhe. Ich stellte mich immer neben Peter. Er war auch gut mit den anderen Jungs aus unserer Klasse befreundet. Teilweise hörte ich ihm zu wenn er mit anderen sprach, aber sie redeten immer über Dinge die mich nicht interessierten, oder die für mich belanglos waren.

Der Lehrer schickte uns durch einen Parcour, den wir alle schon in- und auswendig kannten. Ich war sehr gelenkig, aber auch ungeschickt.

Der Parcour begann und ich tat mein Bestes.



Nach einer Stunde war die Hälfte schon geschafft. Ich bat den Lehrer auf die Toilette gehen zu dürfen. Er erlaubte mir es.

Man musste durch die Garderoben, raus in die Aula gehen um beim Eingang auf die Toilette gehen zu können, denn herinnen befanden sich keine. Inständig betete ich dass die Viertklässler mich nicht bemerken würden.

Verängstigt und geduckt ging ich schnellen Schrittes durch die Aula, niemand kümmerte sich um mich.

Doch die Viertklässler hatten mich schon im Auge...

Ich erreichte mein Ziel, ging in eine der Kabinen und lies es laufen ehe plötzlich die Türe aufgerissen wurde, sie standen zu Dritt vor mir.

„Was...?“, doch ehe ich aussprechen konnte, packten sie mich an den Armen...die Körperteile die noch unbedeckt [S3] waren, entkleideten sie ebenso[S4] .

Niemand schien meine Schreie zu hören...



Danach kam ich gar nicht mehr in den Turnsaal zurück.

Ich rannte raus aus der Schule. Überall hatte ich Blut, an meinen Armen, Beinen und Geschlechtsteilen, mein Körper schmerzte, jeder Knochen in meinem Körper schien gebrochen zu sein. Ich lief den Waldweg entlang, setzte mich dann zwischen die Laubbäume, mitten im Nirgendwo und heulte.

Es tat so weh, so unfassbar weh.



Irgendwann kam ich an dem Tag mitten in der Nacht nach Hause. Meine Mutter kam auf mich zugestürzt und weinte. Ich dachte wegen mir.

„Dein Vater ist gestorben! Weist du es schon?“, fragte meine Mutter mich.

Ich ging auf die Knie, sackte zusammen, blieb einfach so am Boden liegen.



Tage später, ich war ins Koma gefallen, kam Peter vorbei, wie mir meine Mutter später berichtete.

Er hatte sich verabschieden wollen, denn seine Familie plante wegzuziehen.



***



Auf dem Pier stand ich nun, sah auf das tobende, wilde Meer hinaus. Eine Träne bahnte sich ihren Weg hinunter auf den Boden.
„Darling, you know I will love you until the End of Time…”

Ich setzte meinen Fuß auf das Geländer, den anderen auch...

Ob Peter noch lebte wusste ich nicht, aber selbst wenn, ich glaube nicht das es ihn interessieren würde, dass sich noch lebe...lebte!

„All of my Memories will keep you near…My silent Wishpers, are your silent Tears”



Und ich sprang in das tiefe, kalte Meerwasser, welches mich hinwegriss...

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