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Mai 2006
Verkaufte Träume
von Anne Zeisig

Der Jüngling Samet lag, wie so oft in der letzten Zeit, in seiner kleinen Hütte auf dem Strohlager und gab sich Tagträumereien hin.

„Ein Nichtsnutz ist er.“

„Faul ist er und träge.“

„Wird betteln müssen, wenn er nicht endlich ein redliches Tagwerk beginnt“, schwätzten die Nachbarn.

Samet lächelte und begab sich in seine Traumwelt.



Er war umgeben von zarten Schönheiten, die ihm ihre Reize darboten.
„Edler Herr, ich reiche Euch süße Trauben und saftige Feigen.“

„Und ich bringe Granatäpfel, wie sie frischer nicht sein können.“

„Süßer Gerstensaft, oh, Edler, er schmeichelt Eurer Zunge und erfrischt fruchtig den Gaumen.“

„Ich kredenze Euch Datteln.“

Welch herrliches Leben!

Während er schmatzend die Köstlichkeiten verzehrte, sahen sich seine Augen satt an den porzellanfarbenen Busen der Weiber. Die Blicke der Schönen verschlangen ihn wollüstig. Sie übertrafen sich in ihrer Zuwendung, um seine Gunst zu erlangen. Jede war bedacht um sein Wohlergehen.

„Wenn der Mond hinter der Stadtmauer versinkt, darf er sein Lager mit mir teilen“, lockte eine seiner Verehrerinnen. Sie warf ihr schwarzes Haar in den Nacken, und schob ihm sanft eine mit Zimt gewürzte Nuss zwischen seine Lippen.

Der Jüngling spürte, wie seine Männlichkeit erwachte.

Aber die Schwarze wurde fortgestoßen.

„Er möge sich an mir ergötzen!“ Ein zierliches Weib setzte sich auf seinen Schoß. „Ich bin die Tochter des Kaufmannes. Wohlhabend und jung.“ Sie wand ihren Oberkörper wie eine Schlange. „Meine Knospen sind noch nicht zum Leben erweckt worden.“

„Und ich brachte ihm Trauben und Feigen dar! Ich war die Erste!“

Eh er sich versah, waren die Weiber im Zwiespalt und miteinander verfeindet.



Samet öffnete seine Augen. Dieses Ende war ungebührlich. Man würde es verschweigen müssen.

Er nahm Pergament zur Hand, hüllte den Traum darin ein und beschriftete die Rolle: „WOLLÜSTIGE WEIBER“

Genau so hatte der Jüngling es mit der Vielzahl seiner Träume getan. Nun schichtete er die Pergamentrollen in einen Korb und begab sich auf den Weg in die Stadt.. . .

Er erreichte den Marktplatz. Hier wimmelte es von Gauklern und Händlern. Aber einen Kaufmann, der Träume feilbot, den hatte es noch nie gegeben. Diese Neuigkeit verbreitete sich schnell und alsbald war der Jüngling Samet umringt von Kauflustigen und Neugierigen.

„Welche Träume hat er denn anzubieten?“

„Wollüstige Weiber! Edler Ritter! Oder der Traum vom zuvorkommenden Gatten! Die schönen Künste! Ferne Länder und ...“

„Wollüstige Weiber! Wollüstige Weiber!“, riefen die Männer unter der Menge und drängten sich um Samet und seinen Korb.

„Edler Ritter! Zuvorkommender Gatte!“, hörte man die Weiber rufen und fast hätten sie den Korb umgeworfen.

Damit hatte Samet nicht gerechnet. Was sollte er tun? Keiner interessierte sich für die anderen Träume.

Also bat er um Besonnenheit und fügte eine Entschuldigung an, er sei alsbald wieder hier an diesem Orte und würde die geforderten Träume in angemessener Anzahl im Gepäck haben.

Eilig verkroch er sich hinter der Stadtmauer und war frohen Herzens, weil er ausreichend Pergament im Rucksack hatte, da keine Zeit zum Träumen war. Er hüllte die vorhandenen Träume in das mitgebrachte Papier und beschriftete die Rollen entsprechend der Kaufwünsche. Er zuckte mit den Schultern. `Die Leute wollen es so, also sollen sie auch das Gewünschte erhalten.´ Außerdem knurrte sein Magen und das Geldsäckel war leer.



Noch ehe die Kirchturmuhr zur Mittagsstunde schlug, war der Korb leer und sein Leinenbeutel mit Goldtalern gefüllt. Er ließ sich im Gasthaus nieder. Der Wirt tischte auf, was seine Küche Gutes zu bieten hatte. Samet sah aus dem Fenster hinaus auf einen Hügel, wo ein Schloss stand, dessen Mauern von zarten Rosen üppig umrankt waren.

„Dort thront unser König, Majestät Adores“, erklärte der Wirt auf Samets Nachfrage.“

. . .



König Adores saß betrübt an der Mittagstafel und blickte zu den Wandbildern seiner fünf Töchter. Vier hatte er nach dem Tod seiner Gattin standesgemäß vermählen können. Aber die Älteste, nicht mit Liebreiz und Anmut gesegnet, war sein Sorgenkind. Bisher hatte sich kein Verehrer gefunden, der an Tuana hätte Gefallen finden können.

Was sollte er nur tun?

Und wie er da so gedankenversunken saß, stürmte seine Tochter in den Raum und berichtete aufgeregt, was sie von ihrer Zofe erfahren hatte. Ein Händler habe auf dem Markt seltene Ware angeboten. Zahlreiche, unterschiedliche Träume hätte er verkauft.“ Sie zählte auf, welche Träume angeboten worden waren.„Er war wohl eher ein Gaukler denn ein Händler!“ Dröhnend prallte die Stimme des Königs auf seine Tochter nieder.

Prinzessin Tuana bat ihren Vater um Nachsicht: „Einen Goldtaler für einen Traum, liebster Vater, das sollte es Euch wert sein. Und sei es nur um der Unterhaltung willen. Der Traum von den schönen Künsten täte mir gefallen. Die Zofe hat gesagt, der Händler habe im Wirtshaus Einkehr gehalten.“

Der König legte seine Stirn in Falten. „Schöne Künste?“, überlegte er murmelnd und trank einen Schluck vom Wein. „Wir werden für dich den Traum vom zuvorkommenden Gatten erwerben!“

„Aber Vater ...“

Der König duldete keine Widerrede und ließ nach dem Händler Samet schicken.



. . .



Es hatte nicht lange gedauert, da fand sich der Jüngling Samet im Schloss des Königs wieder.

„Aber warum benötigt Ihr diesen Traum für die Prinzessin?“, wollte Samet wissen, „Ihr seid hochgeboren und blauen Blutes. Ist ein solcher Traum nicht unter der Würde Eures Standes?“

König Adores lächelte: „Ich merke, er ist klug. Aber nicht so klug, dass er ein gutes Geschäft wittern würde. Stattdessen stellt er unziemliche Fragen.“

Samet zeigte seinen leeren Korb und zuckte mit den Schultern.

Der König hatte eine Idee: „Wenn ich Euch ein gediegenes Bett für Euer müdes Haupt zur Verfügung stelle. Ausgestattet mit Samt und Seide. Wird sich dann ein solcher Traum einstellen?“

„Hm.“ Der Jüngling überlegte kurz und nickte. „Majestät wird mir dafür drei Goldtaler zahlen müssen.“

„Ich merke, er hat hinzu gelernt. Aber dann müsst Ihr mir den Traum von den wollüstigen Weibern dazu geben“, bestimmte der König.

Samet lächelte zustimmend.



. . .



Der Jüngling Samet ließ sich rücklings auf das weiche Bett fallen. Die Zofe der Prinzessin entzündete die Kerzen und zog die Vorhänge zu. Ihr Hinterteil war wohlgerundet anzusehen unter den weiten Röcken, wie Samet bemerkte, und schmal wurde ihre Taille vom Mieder gehalten.

„Hat der Herr noch einen Wunsch?“ Es war ihm nicht entgangen, dass sie Gefallen an ihm gefunden hatte.

Später würde er sich ihr nähern. Jetzt war es an der Zeit, die Goldtaler zu verdienen.

Also bettete Samet seinen Kopf auf das Daunenkissen, schloss die Augen und begab sich in seine Traumwelt.



Doch es wollte nicht gelingen. Weder erschienen ihm im Traume wollüstige Schönheiten für den König oder ein ehrenwerter Gatte für die Prinzessin. Er wälzte sich in den Federn unruhig hin und her. Der Schweiß verklebte sein Nesselhemd, so dass es rau und hart im Rücken scheuerte.

Ein Windzug löschte die Kerzen. Die Dunkelheit umfing ihn wohlig. Er muss abermals eingeschlafen sein.

„Edler Herr, der Duft Eurer Haut betört meine Sinne.“ Leise wisperte eine Stimme reizvolle Worte in sein Ohr. Feucht glitten saugende Lippen an seinem Kehlkopf hinunter, über seine behaarte Brust bis zu den Lenden.

Was für ein Traum!

Jäh riss ihn ein Geräusch aus diesen Phantasien. Die Zofe hatte die Vorhänge beiseite geschoben und hielt den Blick gesenkt: „Prinzessin! Ihr Vater wünscht, dass Sie zum Abendmahl erscheinen.“ Flink verließ sie das Gemach.

Zwei Arme schlangen sich um Samets Hals. Er blickte neben sich.

Welch grauseliges Weib hatte sich zu ihm gesellt! Einen drallen Busen konnte sie nicht ihr Eigen nennen, aber zwei große Warzen auf der Wange und eine kleinere an der Oberlippe. Er sprang aus dem Bett und zog behände sein Beinkleid an. „Wer seid Ihr, Weib?“

Sie bedeckte ihre Blöße mit der Seidendecke: „Respekt erwarte ich, Herr, ich, Prinzessin Tuana, erste Tochter des Königs Adores.“



„Ein Betrüger!“, hörte man laut die Stimme des Königs rufen. Seine schweren Schritte kamen näher. Er stieß die Tür des Gemaches auf. „Das Volk bezichtigt Euch der Betrügerei. Eure Träume seien Unwirksam!“

„So, so , so schnell wirken Träume nicht, nicht, nicht“, stotterte Samet und griff nach seinem Rucksack.

„Aber Vater! Mein Traum ist in Erfüllung gegangen.“ Die Prinzessin fuhr durch ihr angegrautes Haar und zeigte auf das Bett. „Er hat mir beigewohnt. Also habe ich meine Wahl getroffen. Er wird mein Gatte sein.“

„Aber ich bin von einfachem Stande, Prinzessin. Nicht würdig.“

König Adores legte seine Stirn in Falten und rieb sich am Ohrläppchen. „Er zweifelt die Traumerfüllung meiner Tochter an? So ist er doch ein Betrüger und der Kerker die Strafe für ihn!“

Samet hatte keine Wahl. Der Jüngling beteuerte, dass er ein ehrenwerter Mann sei.

Der König klopfte ihm lachend auf die Schulter: „Seid mir willkommen, zukünft`ger Prinzengemahl!“

„Liebster, wir sehen uns beim Abendmahle!“ Tuana hatte sich die Seidendecke umgeschlungen und huschte in ihre Räume, um sich zurecht machen zu lassen. „Wie recht du hattest“, flüsterte sie ihrer Zofe zu und lachte schrill, “er ist wahrlich reizvoll anzusehen und ein Zuvorkommender.“

Alsbald wurde die Vermählung bekannt gegeben.



. . .



Adores hatte während der Hochzeitsfeierlichkeiten dem Wein bereits über Gebühr zugesagt, so glücklich war er. Also erzählte er mit gelockerter Zunge seinem Schwiegersohn, welch herrlichen Traum er gehabt hatte.

Zarte Schönheiten hätten vielerlei Köstlichkeiten und süffigen Wein kredenzt. Ja, die Weiber hätten sich gar reizvoll offenbart und um seine Gunst gezetert. Eine sei wollüstiger gewesen als die andere. Entzückend!

Samet wischte sich den Schweiß von der Stirn: „Aber dann bin ich ja gar kein Betrüger.“

Der König erhob sein Glas: „ Was für ein Thor ist er! Was hat er geglaubt! Dass ich die Prinzessin einem Betrüger anvertraue?“

Der Jüngling senkte den Kopf: „Nein, mein König, dass würdet Ihr niemals tun.“

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