Das alte Buch Mamsell
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Peggy Wehmeier zeigt in diesem Buch, dass Märchen für kleine und große Leute interessant sein können - und dass sich auch schwere Inhalte wie der Tod für Kinder verstehbar machen lassen.
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Mai 2006
Ein weißes Einhorn
von Stephanie Braun

I



Barfuss wandere ich den einsamen Strand entlang. Während die Wellen sanft meine Knöchel umspielen, genieße ich die Ruhe dieses herrlichen Sommertages.

Wie aus dem Nichts erschienen steht sie vor mir – dieses wunderbare Wesen – streift ihr leichtes Sommerkleid ab und springt lautlos ins Meer.

Als sie davon gleitet, schimmert eine wunderschöne Tätowierung auf ihrer Schulter – ein Einhorn.



Meine Füße treiben mich ihr nach...





II



„Piep! – Piep! – Pieppieppiep!”

Ein Arm reckte sich. Die Hand tastete nach dem Wecker – Ruhe.

„Pieppieppiep! – Piieeeeeeep!“

Seufzend warf Marc die Decke beiseite und setzte sich auf.

Sein verschlafener Blick fiel auf das Strandposter an der Wand. Sonne, Palmen und das Meer, zu gerne wäre er jetzt dort.







III



Eine halbe Stunde später stand er in der überfüllten Straßenbahn und ging noch einmal die Notizen für die anstehende Klausur durch, als der Fahrer unerwartet bremste.

Marc prallte gegen die Tür und seine Unterlagen verteilten sich über den Boden. Während er alles einsammelte, öffnete sich der Ausstieg an der nächsten Haltestelle.

Ein bezauberndes Lächeln brachte ihn völlig durcheinander. Es war gleichzeitig fremd und doch so vertraut.
Die Bahn fuhr weiter und Marc verlor sie aus den Augen.





IV



Nach drei Stunden Klausur trat er erschöpft ins Freie.

„Hey Marc, wie ist es gelaufen?“

„Ach Kai, nicht so gut.“

Gegen die Sonne blinzelnd wandte er seinen Blick ab und sah die bezaubernde Frau gerade noch im Gebäude verschwinden.

„Mach dir keine Gedanken, wird schon. Sehen wir uns heute Abend auf der Beach Party?“

„Klar“, antwortete Marc geistesabwesend, während er weiterhin das Portal im Blick hielt. „Bis später Kai.“



V



Als er auf der Party ankam, war es schon recht voll. Laute Musik, super Stimmung und leicht bekleidete Mädchen.

Marc fand seinen Freund an der Bar und bestellte sich ein Bier. “Schau mal, dort drüben, die im weißen Bikini.“

Er drehte sich um. Da stand sie!

„Hey, starr sie nicht so an! Klasse Frau, was?“

Marc nahm ihn nicht mehr wahr, stand auf und ging wie in Trance in ihre Richtung.

Zu langsam – sie drehte sich um und verschwand in der Menge.

Aber er hatte es ganz kurz gesehen – das Einhorn auf ihrer rechten Schulter.

Kai zog ihn zurück an die Bar und reichte ihm einen Drink.

„Was ist bloß los mit dir?“ Marc wusste es selber nicht.



VI



Barfuss wandere ich den einsamen Strand entlang. Während die Wellen sanft meine Knöchel umspielen, genieße ich die Ruhe dieses herrlichen Sommertages.

Wie aus dem Nichts erschienen steht sie vor mir – dieses wunderbare Wesen – streift ihr leichtes Sommerkleid ab und springt lautlos ins Meer.



Ohne mich zu beachten, entfernt sie sich immer weiter.

Ich will ihr nach, doch meine Füße versinken im Sand.

Ein weißes Einhorn galoppiert über die Wellen und verschmilzt mit dem Horizont.





VII




Marc reckte sich schläfrig, schaute auf sein Lieblingsposter, und dachte, ein Einhorn würde auf der anderen Wand schön aussehen. Dann schlief er weiter, sich über seine eigene Idee wundernd.





VIII



Barfuss wandere ich den einsamen Strand entlang. Während die Wellen um meine Beine peitschen, kämpfe ich gegen den Sturm.

Verzweifelt beginne ich zu rennen. Ich weiß nicht warum oder wohin, aber ich suche, suche, suche...





IX



Schweißgebadet erwachte Marc. Er hatte etwas Merkwürdiges geträumt, konnte sich aber nicht erinnern, nur ein seltsames Gefühl blieb zurück.



Um richtig wach zu werden, verzog er sich mit einem Kaffe und der Abendzeitung auf den Balkon.



„ .... Die junge Frau verstarb am Morgen, nach einer Beach-Party an einer Überdosis ...“

Unter dem Artikel ein Bild: Der tätowierte Rücken einer jungen Frau, die gekrümmt am Boden liegt.



Wie gelähmt starrte Marc auf die Zeitung. Ein erstickendes Gefühl der Trauer erfüllte ihn.

Durch einen Tränenschleier sah er ein weißes Einhorn über die Wellen galoppieren und mit dem Horizont verschmelzen.

Ein Windhauch ergriff die Blätter der Zeitung, wehte sie vom Balkon in den Abendhimmel davon.

Letzte Aktualisierung: 00.00.0000 - 00.00 Uhr
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