Der himmelblaue Schmengeling
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Juni 2006
Vokuhila
von Marlene Geselle

Am frühen Nachmittag ist es gewesen, da hat sich die dicke Hausfrau mal ne ruhige Stunde gegönnt, Kaffee gekocht, die Mohrenköpfe aus dem Kühlschrank gekramt und sich die Modezeitschrift geschnappt. Waren nur noch zwei Stück in der Packung. Müßig zu fragen, wer mal wieder schneller gewesen ist.
Der Kaffee hat geduftet, die Mohrenköpfe herrlich geschmeckt ...
"Papa!", drang da ein Entsetzensschrei aus dem Mund der kleinen, frechen Tochter. "Die Mama hat beim Zeitunglesen nen Tilt gekriegt. Nen Riesentilt, und dabei guckt sie sich bloß die neuen Haarschnitte an."
Da hat es den pflichtbewussten, treu sorgenden Ehemann nicht mehr in der sehr unaufgeräumten Werkstatt gehalten. Zwei Stufen auf einmal die Treppe hinauf, durch den Flur ins Wohnzimmer.
Tatsächlich.
Da saß seine vielgeliebte Ehefrau, noch die Kaffeetasse in der Hand, die Modezeitschrift auf dem Schoß - und einen wirklich schlimmen Tilt in den Augen. Die kleine, freche Tochter stand daneben und verstand die Welt nicht mehr.
Ein kurzer Blick über die Schulter der Ärmsten und dem Papa war alles klar. "Keine Panik, Schätzchen. Deiner Mutter geht es schon in ein paar Minuten wieder besser. Das war nur der Schock."
"Was für ein Schock denn?"
Der herzallerliebste Ehemann musste sich erst einmal räuspern. "Weißt du Schätzchen", begann er seine Erklärung, "die Mama hat nen Schock gekriegt, weil in der Zeitung steht, dass Vokuhilas wieder modern werden."
Die kleine, freche Tochter hat nur Bahnhof verstanden. Darum hat der Papa seiner immer noch seelischgeistig weggetretenen Frau die Zeitschrift vorsichtig aus der Hand genommen und auf ein Model mit strohblonden Haaren, einem offensichtlich mit der Küchenschere selbst geschnittenen Pony nebst einer rückenlangen, nach Plastik aussehenden Mähne gewiesen.
"Das da ist ein Vokuhila! Vorne kurz, hinten lang. So hieß das damals."
Da hat die kleine, freche Tochter einen kurzen, spitzen Schrei ausgestoßen, sich neben die Mama aufs Sofa plumpsen lassen und auch nen Tilt gekriegt.
Und der Papa? Ja, der hat die Zeitschrift auf den Couchtisch gelegt, den Damen zwecks Nervenberuhigung eine neue Packung Mohrenköpfe aus der Speisekammer geholt und auf den Tisch gestellt. Ist in seine Kellerwerkstatt gegangen und hat für den Rest des Nachmittags die unerwartete Ruhe genossen.

Letzte Aktualisierung: 27.06.2006 - 23.25 Uhr
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