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Juli 2006
Auge
von Martina Bartels

Ich stehe am Fenster und beobachte die Möbelpacker beim Entladen des Wagens. Bis gestern wurde im Haus gegenüber gebohrt und gehämmert, nun scheint alles bereit für den neuen Mieter.
Ein netter Herr, um die vierzig, selbstständig, erzählte meine Nachbarin.
„Der wäre was für Sie, Frau Staupe!“ Danke nein.
Die Frau konnte nicht ahnen, warum ich vor drei Wochen von Bielefeld nach Dortmund umsiedelte. Der Auslöser war ein Mann. Zum Glück ist dieses Kapitel abgeschlossen.
Mein Blick wandert zum Fenster gegenüber, an dem gerade die weißen Vorhänge aufgezogen werden. Ich erstarre. Blinzelte mehrmals – das Bild bleibt gleich. In der gegenüberliegenden Wohnung steht er und lächelt zu mir herüber.
Das Auge!

Unscheinbares Äußeres, bis auf seine Augen. Schwarz wie Kohle, ein Blick, der mit jeder Rasierklinge konkurrieren kann. Ich taufte ihn Auge. Er wohnte in der gleichen Straße. Anfangs redeten wir ein paar Worte miteinander, unter Nachbarn. Dann sah ich ihn häufiger. Wo ich war, war er! Ich traf ihn beim Einkaufen, was durchaus Zufall sein konnte, aber ich traf ihn ebenfalls in meinem Freundeskreis, im Fitnessstudio, auf Feiern. Wo ich war, war er!
Auge kam mir nicht zu nah, er sah mich einfach an. Wie er mich ansah! Sein Blick zog mich nicht nur aus, er fraß mir das Fleisch von den Knochen.
Ich versuchte, ihm aus dem Weg zu gehen, es gelang nicht. Schließlich stellte ich ihn zur Rede. Er lächelte.
„Du gefällst mir. Ich werde dich bekommen.“
„Du bist verrückt!“, erwiderte ich und ließ ihn stehen.
Auge legte mir Blumen vor die Tür. Dunkelrote Rosen.
Gedankenfetzen zogen an mir vorbei: Ich lag gefesselt auf einem Bett. Auge saß neben mir und streichelte mit den Blüten über meinen nackten Körper. Schweigend lächelte er mich an.
Ich würgte und warf die Blumen in die Tonne. Er stand auf der anderen Straßenseite und beobachtete mich dabei.
Auge schrieb mir keine Briefe, ich erhielt keine Anrufe, er war einfach nur da. Ich wurde aggressiv und schrie ihn an. Er  ...

Liebe Leserin, lieber Leser,

diese Geschichte gehört zu den Siegergeschichten und erscheint in unserer Literaturzeitschrift Schreib-Lust Print. Wir bitten Sie um Verständnis, dass wir uns nicht selbst Konkurrenz machen möchten, indem wir die Geschichte ebenfalls hier komplett veröffentlichen.

Vielen Dank!

Andreas Schröter

Letzte Aktualisierung: 31.07.2006 - 21.53 Uhr
Dieser Text enthält 6197 Zeichen.

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