Das alte Buch Mamsell
Das alte Buch Mamsell
Peggy Wehmeier zeigt in diesem Buch, dass Märchen für kleine und große Leute interessant sein können - und dass sich auch schwere Inhalte wie der Tod für Kinder verstehbar machen lassen.
mehr ... ] [ Verlagsprogramm ]
 SIE SIND HIER:   HOME » MITMACH-PROJEKT » SCHREIBAUFGABE » Marcus Watolla IMPRESSUM
NEWSLETTER
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

Jetzt anmelden! ]

UNSERE TOP-SEITEN
1.) Literatur-News-Ticker
2.) Leselust
3.) Forum
4.) Mitmach-Projekt
5.) Schreib-Lust-News 6.) Ausschreibungen 7.) Wettbewerbs-Tipps
Juli 2006
Ich kann nicht mehr ohne dich
von Marcus Watolla

Ich kann nicht ohne dich sein. Du, meine große Liebe.
Du kennst mich nicht, aber ich dich umso besser. Ich liebe dich, hasse dich, begehre deine Nähe, verabscheue manchmal deine Art und Weise, wenn du mich abweist und mich fürchtest.
Ich halte Kontakt zu dir, rufe dich an, wenn ich dich sprechen muss. Es ist wie ein Drang, deine Nähe zu suchen und sei es nur für einen kurzen Augenblick. Deine Stimme ist wie Honig auf meiner bedeutungslose Seele. Fast jede Nacht rufe ich dich an.
Du meldest dich nicht mehr mit Namen, deine Stimme zittert.
Fürchtest du mich?
Ich erzähle dir, dass du die begehrenswerteste Frau bist, sage dir, dass ich dich genau kenne. Doch wie reagierst du? Du fürchtest mich. Deine Stimme bebt. Bei unserem letzten Gespräch fragtest du mich, wer zum Teufel ich sei und warum ich dich nicht endlich in Frieden ließe.
Ich sagte dir, dass ich das nicht könnte und dass du meinen Namen nicht zu erfahren brauchst. Sagte dir, mein Name ist unwichtig, Namen sind doch Schall und Rauch.
Ich kann nicht ohne dich sein.
Ich liebe dich.
Verehre dich.
Vor kurzem fingst du an, meinen Anrufen mit gespielter Selbstsicherheit zu entgegnen. Du versuchtest mich mit ruhiger Stimme zu verschrecken.
„Warum wollen Sie mich ängstigen?“ fragtest du mit gefasster Stimme, doch ich hörte deine Unsicherheit, wenn du leicht zu stottern begannst.
„Ich ängstige dich nicht“, antwortete ich. „Wenn du Angst hast, so ist das töricht. Ich will dich nur hören.“
„Was wollen Sie damit erreichen?“
Ich wurde wütend.
Deine psychologischen Tricks konntest du dir sparen. Sie nutzten dir nichts, mich wirst du nicht mehr los. Dazu ist unsere Beziehung schon zu weit gediehen.
„Wollen Sie mich bis zum Ende meines Lebens anrufen?“ fragtest du mich, „da wird mein Mann auch ein Wort mitzureden haben ...“
„Deinem Mann wird eines Tages ein schreckliches Schicksal widerfahren“, knurrte ich, „er jagt mir keine Furcht ein.“
Ihn schicktest du auch ein paar Mal vor, ich legte dann auf, er ist ein Konkurrent. Ich fürchte ihn nicht, er kennt mich schließlich nicht.
So wartete ich die Zeit ab, wenn er aus dem Haus ging, um dir nahe zu sein. Ich sehe ihn jeden Morgen zur Arbeit fahren. Bin dir näher, als du ahnst. Stand im Supermarkt direkt hinter dir. Du hast mich nicht bemerkt. Sog den Geruch deines Parfüms ein. Es passt zu Dir.
Das sagte ich dir schon.
Hat dich verunsichert. Ich habe es genau gespürt. Ich liebe es, wenn du beunruhigt bist. Macht ist etwas Feines.
Seit ich durch einen Zufall deine Handynummer erfuhr, kann ich dich unterwegs erreichen. Als Ihr im Urlaub wart, habe ich, natürlich mit unterdrückter Nummer, deine Nähe gesucht. Doch du ließest von da an nur deinen kleinen Versager ans Telefon. Er versuchte mich zu verschrecken. Drohte mir. Er klingt sehr selbstsicher, doch ich fürchte ihn nicht. Ich bin verborgen in der Anonymität, dort kann er mich nicht finden.
„Was willst du krankes Schwein von meiner Frau?“ fragte mich dieser Versager.
„Ich werde dich töten“, entfuhr es mir.
„Dann komm und versuche es.“
„Glaubst du, ich habe Angst vor dir, Daniel?“
Dass ich seinen Namen wusste, verwirrte ihn.
„Ich fürchte dich nicht, du Irrer.“
„Ich kenne dich“, antwortete ich. „Sei stets achtsam. Kontrolliere deine Bremsschläuche, bevor du in deinen Volvo steigst, Daniel.“
„Lass meine Familie in Frieden! Wir werden eine Fangschaltung beantragen. Dann werden wir dich bald haben ...“
„Wenn es Euch Spaß macht.“
Dann legte ich auf.
Das Gespräch lief in eine Richtung, die ich nicht mochte.
Von nun an musste ich vorsichtig sein. Wenn ihr eure Drohung realisiert, könnte das gefährlich werden. Also nur noch auf Handy anrufen.
Du gingst nicht mehr dran.
Du gemeine Schlampe.
Ich war außer mir vor Zorn. Wie konnte sie so etwas wagen? Ich spürte das Verlangen, sie zu töten, so zornig war ich.
Versandte SMS, rief immer wieder an. Du gingst nicht dran. Es war wie ein Entzug. Schließlich ändertest du deine Nummer und ich erreichte dich gar nicht mehr.
Von der Telfonzelle rief ich dich wieder zuhause an. Auch diese Nummer war nicht mehr vergeben. Die Auskunft kannte deinen Anschluss nicht.
Was soll ich jetzt tun?
Ich lief die ganze Nacht wie ein aufgestachelter Hund durch meine Wohnung. Hin und her. Immer wieder. Beruhigte mich kaum. So ging das eine lange Zeit.
Dann sah ich sie.
Meine neue Nachbarin.
Sie klang auch ganz nett, als sie „Guten Tag“ zu mir sagte.
Vielleicht sollte ich sie einmal anrufen ...

Letzte Aktualisierung: 16.07.2006 - 09.19 Uhr
Dieser Text enthält 4377 Zeichen.

Druckversion

 LINKTIPPS: Naturwaren Diese Website wird unterstützt von:

www.mswaltrop.de
Copyright © 2006 - 2022 by Schreiblust-Verlag - Alle Rechte vorbehalten.