Das alte Buch Mamsell
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Juli 2006
Das Internet und seine Möglichkeiten
von Manuela Gantzer

Vor einigen Monaten war ihre Welt noch in Ordnung, sie war glücklich.
Doch nun war ihr Leben ein Trümmerhaufen und nur ER war schuld daran.

Dabei hatte sie sich so gefreut, als sie ihren Internetanschluss bekam. Der Techniker kam und innerhalb kürzester Zeit war alles angeschlossen. Er half ihr sogar noch das dazugehörige Programm zu installieren und die E-Mail-Adresse einzurichten. Noch dazu war er sogar richtig attraktiv. Groß, schlank - aber doch kräftige Arme, ein muskulöser Oberkörper. Er trainierte sicher ein wenig.

Nun endlich konnte Martina ihre Neugier stillen und stundenlang im Internet surfen. Vorher hatte sie diese Möglichkeit nur ab und zu in der Arbeit oder bei Freunden. Jetzt brauchte sie keine Angst zu haben von jemandem ertappt zu werden.
Sie konnte stundenlang chatten, nach verschiedenen Themen im Internet suchen, Kinokarten online reservieren. Sie installierte sich Skype um kostenlos über das Internet mit anderen zu telefonieren.
Sie war so vom Internet und seinen Möglichkeiten fasziniert, dass sie in der ersten Zeit sogar ihre Freunde vernachlässigte. Doch das legte sich bald wieder und nahm ein normales Maß an.

Dann traf sie IHN in einem Chatroom. Sein Nickname "single-m" hatte ihr Interesse geweckt. Es begann ganz harmlos. Sie chatteten die halbe Nacht und trafen sich abends zu einer bestimmten Zeit im gleichen Chatroom wieder, bis sie die E-Mail-Adressen austauschten.
Sie fand ihn interessant und geheimnisvoll. Er hatte ihr noch nicht einmal seinen Vornamen verraten. Doch auch Martina verriet nur den Namen der Stadt in der sie wohnt und ihren Vornamen.

Kurze Zeit später entpuppte sich der scheinbar nette Typ zum totalen Freak. Er tauchte in jedem Chatroom auf, in dem sie war. Wollte sie mit ihrer Freundin Anna über Skype telefonieren, rief er sie garantiert 100 Mal an. Ihre Mailbox war täglich mit seinen Mails überfüllt.
Martina erzählte ihren Freundinnen davon. Sie rieten ihr einfach den Kontakt abzubrechen, nicht mehr zu antworten.
Doch es half alles nichts, es wurde sogar noch schlimmer. Er wurde bedrohlich. Er schickte Martina ihre eigene Adresse, ein Foto von ihrem Haus, ihrem Auto.
Da bekam sie zum ersten Mal richtig Angst. Sie konnte sich nicht erklären, woher er das alles wissen konnte.
Er verbreitete in allen Chatrooms, in denen sie sich aufhielt, die wildesten Geschichten über sie. Sobald sie den PC einschaltete, war er da. Egal was sie tat.

Nun kenne ich dich schon drei Monate Martina. Warum entfernst du dich plötzlich von mir. Bei unserer Begegnung warst du sehr interessiert an mir. Das habe ich gespürt. Deshalb trat ich übers Internet in Kontakt mit dir. Es war spannend zu erfahren, wofür du dich interessierst und wie du dich selbst beschreibst. Es machte Spaß.
Jetzt willst du nichts mehr von mir wissen. Ich sei zu aufdringlich hast du gesagt. Spiel mir nichts vor.
Dann hast du deine E-Mail-Adresse geändert. Ich musste über diesen erbärmlichen Versuch mich abzuschütteln wirklich lachen.
Du unterschätzt mich. Das Spiel geht doch erst so richtig los.

Martina hatte Angst, wenn sie das Haus verließ.
Was wenn er sie nicht nur im Internet verfolgte?
Es ging ihr von Tag zu Tag schlechter. Sie schlief schlecht, konnte sich in der Arbeit nicht mehr konzentrieren und vergaß wichtige Termine.
Ihr Chef fragte nach, ob sie krank wäre. Also riss sie sich wieder ein paar Tage zusammen.
Ihre Freunde machten sich Sorgen, versuchten sie zu beruhigen.
Sie schaltete ihren Computer zu Hause nicht mehr ein.
Doch er gab nicht auf. Sie fand täglich Zettel in ihrem Postkasten und vor ihrer Tür.

Es dauert nicht mehr lange, meine liebe Martina. Nicht mehr lange und ich habe dich da, wo ich dich haben will.
Dein Widerstand ist bald gebrochen. Dann gehörst du mir, mir ganz alleine. Du wirst schon sehen.

Martina war nicht mehr sie selbst. Niemand verstand sie, konnte nachvollziehen was sie durchmachte.
Ihr fehlte ihre beste Freundin. Anna verbrachte ein Semester in Florida. Sie gönnte ihr das und deshalb erwähnte sie in ihren Mails an Anna ihre Probleme nicht. Schließlich konnte ihr Anna auch nicht helfen, nicht von Florida aus.

Als Martina jedoch eines Abends sogar eine SMS von ihm bekam, hielt sie es nicht mehr aus. Sie rief schluchzend Lisa an.
Lisa verstand zwar nur die Hälfte von dem was Martina ins Telefon heulte, machte sich aber sofort auf den Weg zu ihr. Gerade als Lisa Martina beruhigt hatte, klingelte das Telefon. Martina zuckte zusammen.
Lisa nahm das Telefon und stellte erleichtert fest, dass es Anna war.
„Es ist Anna! Sie wird wohl gerade zu Hause angekommen sein. Willst du nicht abheben?“
Martina schüttelte nur den Kopf.
Also nahm Lisa Gespräch an und bat Anna so schnell wie möglich zu kommen.
Wenige Minuten später stand Anna vor der Tür. Martina fiel ihr weinend in die Arme, nachdem sie sich beruhigt hatte, erzählte sie Anna die ganze Geschichte. Von Anfang an.

"Warum hast du nie etwas gesagt, geschrieben? Wie konntest du das nur so lange aushalten?"
"Du warst so glücklich, hast immer tolle Geschichten von Florida erzählt. Das hat mich zumindest kurzzeitig aufgemuntert. Außerdem was hättest du getan, wenn du es gewusst hättest? Dein tolles Auslandssemester sausen lassen? Es reicht doch, wenn er mein Leben zerstört."

Die drei unterhielten sich die halbe Nacht, aber irgendwie kamen keine Ergebnisse, keine Lösungen zustande.
Plötzlich sprang Anna auf, schlug sich mit der flachen Hand auf die Stirn und rief: "Bin ich blöd! Warum habe ich denn nicht gleich daran gedacht?!"
Martina und Lisa schreckten hoch und blickten Anna verwirrt an, die hektisch in ihrer Tasche kramte und dann in Martinas Arbeitszimmer verschwand. Da der Computer sich dort befand, mied Martina dieses Zimmer und wollte auch jetzt nicht hineingehen.

Nach einer Stunde kam Anna mit einem siegessicheren Lächeln aus dem Arbeitszimmer.
"Sagt dir der Name Bernhard Winter irgendetwas?"
Martina überlegte, schüttelte langsam den Kopf. Doch dann fiel ihr etwas ein. Sie lief zu einer Schublade im Wohnzimmer, in der sie alle Rechnungen aufbewahrte und suchte. Nach kurzer Zeit hatte sie die Rechnung für den Internetanschluss mit den Arbeitsstunden zur Installation gefunden. Dabei lag eine Visitenkarte des Technikers: Bernhard Winter. Ungläubig hielt sie Anna die Visitenkarte entgegen.

"Das ist er? Bist du sicher? Woher weißt du das? Was hast du gemacht?"
"Das ist das Schwein, das dir das angetan hat. Das ist sicher. Ich hab am Anfang meines Studiums einen PC-Kurs gemacht und Alex kennen gelernt. Der ist ein totaler Computerfreak. Alex ist schon eher so auf der Ebene Hacker und hat ihn ausfindig gemacht. Dafür muss ich aber mit ihm Essen gehen, also schuldest du mir was." Anna grinste.
"Außerdem hab ich noch was für dich."
"Was denn noch?" Martina war noch immer total geschockt von der Offenbarung, dass dieser scheinbar nette Typ der Psychopath sein soll.
"Hier lies das." Anna hielt Martina ein Blatt Papier hin. Der Ausdruck eines Artikels.

Martina las, schüttelte den Kopf und las noch einmal:
„Anti-Stalking Gesetz tritt am 1. Juli in Kraft“
Martina fiel Anna weinend um den Hals. Dieses Mal waren es allerdings Tränen der Erleichterung. Nur noch eine Woche dann konnte sie ihn anzeigen, dann würde er seine gerechte Strafe erhalten.
Ob er dann auch Angst bekommt?


© Manuela Gantzer Juli 2006

Letzte Aktualisierung: 26.07.2006 - 06.16 Uhr
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