Futter für die Bestie
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Gruselig geht's in unserer Horror-Geschichten-
Anthologie zu. Auf Gewalt- und Blutorgien haben wir allerdings verzichtet. Manche Geschichten sind sogar witzig.
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August 2006
Chopins Spuren
von Martina Bartels


Erikas Augen strahlten, als Karl das Zimmer betrat. „Heute Morgen haben sie eine ganze Stunde Chopin im Radio gespielt“, rief sie statt einer Begrüßung.
Karl hauchte ihr einen Kuss auf den Mund und strich vorsichtig über ihre Wange. Er hatte immer Angst, sie zu verletzen. Eine Haut wie Pergament, sagte man oft bei alten Leuten. Ihre war noch dünner, wie verbranntes Papier, ehe es auseinander fällt.
„Was hältst du davon, wenn ich dir einen CD-Player mitbringe?“
„Bleib mir weg mit diesem neumodischen Kram!“ Erika wedelte abwehrend mit der Hand.
„Ich bin froh, dass ich das Telefon bedienen und meine Bettlehne per Knopfdruck auf und ab bewegen kann.“
„Du könntest deine Lieblingsstücke von Chopin hören, wann du willst, sogar mit Kopfhörer“, versuchte Karl sie zu überzeugen.
„Schluss mit diesem Unsinn! Erzähl mir von Mallorca, von Chopins Aufenthalt in Valldemossa.

Karl lächelte. Seit seine Enkelin ihm vor zwei Jahren die bettlägerige Erika Sander vorgestellt hatte, besuchte er die alte Dame regelmäßig im Pflegeheim. Aus sofortiger Sympathie wurde eine stille Liebe, die er nur mit Chopin teilen musste. An das Bett gefesselt, entdeckte sie ihre Leidenschaft aus Kindertagen für den Komponisten und seine Melodien neu. Immer wieder wollte Erika alle Einzelheiten über die Klosterkartause in Valldemossa hören, in der Chopin 98 Tage gelebt hatte. Der Raum dient heute als Museum.
Karl war auf seinen Reisen mehrmals dort gewesen und wurde nicht müde, ihr noch so kleine Details zu beschreiben.

Anfangs hatte Karl ihr von Chopins Heimatland Polen berichtet. Doch Erika sagte, ihre Mutter sei im Krieg aus Polen geflohen, von diesem Land wolle sie nichts hören.
Auch für Wien und Paris zeigte sie kein Interesse. Immer wieder bat sie: „Erzähl mir von Mallorca und Chopin.“

Begierig lauschte sie seinen Worten. Er beschrieb die kalte Klosterkammer, in der sich der Komponist eine Lungenentzündung zuzogen hatte. Karl erklärte, dass Chopin sich gerade wegen des milden Klima ...

Liebe Leserin, lieber Leser,

diese Geschichte gehört zu den Siegergeschichten und erscheint in unserer Literaturzeitschrift Schreib-Lust Print. Wir bitten Sie um Verständnis, dass wir uns nicht selbst Konkurrenz machen möchten, indem wir die Geschichte ebenfalls hier komplett veröffentlichen.

Vielen Dank!

Andreas Schröter

Letzte Aktualisierung: 31.08.2006 - 22.58 Uhr
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