Ganz schön bissig ...
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August 2006
Mann im Mond
von Claudia Göpel


„La, Le, Lu, nur der Mann im Mond schaut zu…“

Leise summe ich das Lied, welches du als kleiner Junge so sehr gemocht hast. Deine Augenlider flattern und ich glaube zu wissen, dass du mich hörst. Sanft streiche ich über deinen Arm, der weiß und still auf dem Laken liegt, berühre deine kühlen Lippen, deine Wange und knete dabei das plüschige Mitbringsel, das schon ganz schrumpelig und formlos meine andere Hand ausfüllt. Ich sitze neben dem Klinikbett, in dem du verloren wirkst. Die Besuchszeit ist längst vorüber, doch der Stuhl will meinen Körper nicht freigeben.
„Sie müssen jetzt gehen“, sagt die Schwester, löscht das Licht und wartet an der Tür. „Sie können morgen wieder kommen.“
Ich weiß, dass betteln nicht hilft, lege den Teddy auf das Kissen, so dass du ihn sehen kannst, wenn du aufwachst. Der Mond scheint silbern durchs Fenster und wirft fahle Schatten an die Wand, die über dein Bett tanzen, als ich mich noch einmal umdrehe.
La, Le, Lu…

1. Juni, Kindertag. Ich stehe am Herd und bereite das Mittagessen. Ein Kuchen duftet aus dem Innern. Gleich wirst du von der Schule nach Hause kommen, ich lächle bei dem Gedanken an dein fröhliches Pfeifen. Nur noch einen Monat, dann gibt es Zeugnisse, das erste Mal mit richtigen Noten. Du weißt schon jetzt, dass fast nur Einser darauf stehen werden. Das hast du mir gestern stolz erklärt.
Es klingelt an der Tür. Ein fremder Mann steht davor und fragt, ob ich ein Kind namens Jakob habe. Ich nicke und spüre, wie eine unsichtbare Klaue meinen Brustkorb zusammenpresst.
„Kommen Sie bitte mit, es gab einen Unfall.“
Mit fliegenden Fingern schalte ich den Herd aus, nehme mir nicht die Zeit, die Schuhe zu wechseln und folge dem Mann in schlappenden Latschen. Oben an der Straße sehe ich schon das Blaulicht. Krankenwagen, daneben Polizei und ein Audi mit abgebrochenem Seitenspiegel. Ein älterer Mann gestikuliert mit beiden Armen, ein Polizist macht Notizen, ein anderer Fotos. Mitten auf der Straße liegt ein bunter Turnschuh. ...

Liebe Leserin, lieber Leser,

diese Geschichte gehört zu den Siegergeschichten und erscheint in unserer Literaturzeitschrift Schreib-Lust Print. Wir bitten Sie um Verständnis, dass wir uns nicht selbst Konkurrenz machen möchten, indem wir die Geschichte ebenfalls hier komplett veröffentlichen.

Vielen Dank!

Andreas Schröter

Letzte Aktualisierung: 31.08.2006 - 22.59 Uhr
Dieser Text enthält 6249 Zeichen.

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