Wellensang
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Die Fantasy haben wir in dieser von Alisha Bionda und Michael Borlik herausgegebenen Anthologie beim Wort genommen. Vor allem fantasievoll sind die Geschichten.
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September 2006
Nachtbus
von Eva Markert

Wie lang ist die Sache jetzt her? F├╝nfundzwanzig Jahre, sch├Ątze ich, wenn nicht l├Ąnger. Und noch immer muss ich ab und zu daran denken. Manchmal grundlos. Manchmal, weil mich etwas daran erinnert. So wie gestern, als ich allein in einer finsteren Stra├če auf den Nachtbus wartete. Genau wie damals.

Es war ein Freitag und noch fr├╝h ÔÇô erst kurz vor Mitternacht. Meine Freunde zogen weiter durch die Diskos, aber ich f├╝hlte mich hundem├╝de und wollte nach Hause.
W├Ąhrend ich auf den Nachtbus wartete, fiel es mir schwer, wach zu bleiben. Alles um mich herum kam mir so unwirklich vor, als ob ich tr├Ąumen w├╝rde. Die Luft schien zu flimmern. Ich rieb meine brennenden Augen und kniff die Lider ein paar Mal zusammen, um sch├Ąrfer zu sehen. Von weitem h├Ârte ich leise Ger├Ąusche, die st├Ąndig auf- und abschwollen.
Endlich sah ich wie durch blindes Glas zwei runde Lichter ÔÇô der Nachtbus kam.
Im ersten Moment glaubte ich, ich w├Ąre der einzige Fahrgast. Erst auf den zweiten Blick bemerkte ich im bleichen Neonlicht ein B├╝ndel Mensch auf der R├╝ckbank. Der kahlk├Âpfige Mann, der dort lag, trug einen schwarzen Anzug und ein wei├čes Hemd mit einer silbergrauen Krawatte. Die Kleidungsst├╝cke waren ihm viel zu gro├č.
Ich lie├č mich auf einen Sitz fallen und beobachtete ihn. ÔÇ×Wahrscheinlich ein BetrunkenerÔÇť, dachte ich.
Bis zur n├Ąchsten Haltestelle hatte er sich nicht ein einziges Mal ger├╝hrt. Ich wurde unruhig. Er war doch nicht etwa tot?
Ein paar Jugendliche stiegen mit lautem Hallo ein. Der d├╝rre Mann st├Âhnte leise. Aus dem ├ärmel seiner Jacketts schob sich eine knochige Hand, mit der er sich ├╝ber die Stirn fuhr.
Seine Augen blieben geschlossen. Ob er krank war? Vielleicht brauchte er Hilfe. Ich rang mit mir. Dann stand ich auf.
Der Bus fuhr ziemlich schnell. Ich versuchte das Gleichgewicht zu halten, w├Ąhrend ich nach hinten durchging. Pl├Âtzlich bremste der Fahrer und ich konnte mich gerade noch rechtzeitig abst├╝tzen, sonst w├Ąre ich auf den Mann g ...

Liebe Leserin, lieber Leser,

diese Geschichte geh÷rt zu den Siegergeschichten und erscheint in unserer Literaturzeitschrift Schreib-Lust Print. Wir bitten Sie um Verstńndnis, dass wir uns nicht selbst Konkurrenz machen m÷chten, indem wir die Geschichte ebenfalls hier komplett ver÷ffentlichen.

Vielen Dank!

Andreas Schr÷ter

Letzte Aktualisierung: 01.10.2006 - 09.38 Uhr
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