Das alte Buch Mamsell
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Peggy Wehmeier zeigt in diesem Buch, dass Märchen für kleine und große Leute interessant sein können - und dass sich auch schwere Inhalte wie der Tod für Kinder verstehbar machen lassen.
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Oktober 2006
noitulovE
von Julia Breitenöder

Die viele freie Zeit bekam Manfred nicht gut. Ich hatte es ihm gleich gesagt. „Manfred, kümmere dich um einen neuen Job. Es gibt genug Unternehmen, die dich bei deiner Erfahrung mit Kusshand nehmen. Was willst du denn die ganze Zeit zu Hause tun?“
Er lächelte nur. „Liebelein, mach dir keine Sorgen. Wir sind schuldenfrei im eigenen Haus, finanziell abgesichert, es kann nichts passieren. Und wenn alle Stricke reißen“, an der Stelle tätschelte er meine Hand, „haben wir immer noch dein Gehalt.“
Nach einundzwanzig Jahren als Leiter der Forschungsabteilung eines großen Pharmakonzerns war ihm gekündigt worden. Manfred wollte sich nun eine Auszeit gönnen.
Ich ging weiterhin jeden Morgen aus dem Haus und saß meine Stunden an der Supermarktkasse ab. Was er derweil trieb? Ich wusste es nicht genau. Der Frühstückstisch war abgeräumt und die Betten gemacht, wenn ich heimkam. Manfred fand ich meistens draußen im Garten. Am Anfang mähte er noch den Rasen oder zupfte Unkraut. Mit der Zeit wurde er nachlässiger. Die Pflanzen wuchsen, wie es ihnen gefiel, und Manfred kletterte in den Bäumen herum. Mal saß er in der alten Buche hinterm Haus, am nächsten Tag sah ich ihn in den Ästen unserer Birke wippen. Zuerst ignorierte ich sein neues Hobby und hoffte, er würde bald wieder seinen Fernsehsessel der Astgabel vorziehen.
Dann wollte er kein Fleisch mehr essen. Manfred, der bekennende Steak-Liebhaber, wurde zum Vegetarier. Unsere Kinder, die mit ihren Familien am Sonntag zum Essen kamen, verstanden die Welt nicht mehr.
„Ist Papa auf dem Wellness-Trip?“ Unsere Tochter Sabine beobachtete mit großen Augen, wie ihr Vater sich Berge von Salat und Rohkost auf den Teller häufte.
„Vielleicht hat er in der Firma zum Abschied irgendein neues Medikament im Selbstversuch getestet, das Änderungen der Persönlichkeit hervorruft“, mutmaßte ihr Bruder Jan.
Ich beruhigte die beiden. „Macht euch nicht so viele Gedanken. Euer Vater ist glücklich, er genießt das Leben. Viel Bewegung an der frischen Luf ...

Liebe Leserin, lieber Leser,

diese Geschichte gehört zu den Siegergeschichten und erscheint in unserer Literaturzeitschrift Schreib-Lust Print. Wir bitten Sie um Verständnis, dass wir uns nicht selbst Konkurrenz machen möchten, indem wir die Geschichte ebenfalls hier komplett veröffentlichen.

Vielen Dank!

Andreas Schröter

Letzte Aktualisierung: 31.10.2006 - 21.51 Uhr
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