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Oktober 2006
Wenn die Wirklichkeit zum Traum wird
von Melanie Müller

Nach außen hin wirkte er ganz normal. Er war wie jeden Freitag unterwegs. Er saß da, schaute sich um, trank einen Schluck Martini, blickte auf seine Uhr, und tippte ungeduldig mit dem kleinen Finger auf den Tresen...
Er tat dies ganz unbewusst, er konnte nichts dagegen tun. Er musste einfach diesem inneren Drang folgen, nur so konnte er die Spannung, die sich langsam in ihm aufbaute unterdrücken.

Er suchte sich immer einen Platz aus, von dem er den ganzen Raum überblicken konnte. Für ihn waren sie alle gleich. Große, gut gebaute, blonde Mädchen, Minirock, weit ausgeschnittenes Top, billige Plastikohrringe, zu viel Make-up im Gesicht und Karrieregeil. Er fing diese Mädchen immer auf dieselbe Tour. Er gab Ihnen seine Visitenkarte, auf der stand, dass er ein Modelagent sei. Er sprach von seiner großen Entdeckung und um diese zu feiern, spendierte er einige Drinks, umgarnte sie gekonnt und sobald die Stimmung feuchtfröhlich war, fragte er, ob er sie nach Hause fahren sollte. Es hatte bisher jedes Mal geklappt.

So sollte es auch heute Abend sein. Das junge Mädchen war schon nach wenigen Drinks nicht mehr sicher auf den Beinen und als er ihr anbot, sie nach Hause zu bringen, nahm sie dankend an. Wie ein liebevoller Vater legte er seinen Arm schützend um sie und schleppte sie mehr, als dass sie ging, zu seinem Wagen. Er legte sie vorsichtig auf seine Rückbank und schloss leise die Tür. Langsam fuhr er los. Sie schlief in dem Glauben ein endlich entdeckt worden zu sein. Wie in Trance fuhr auf eine Lichtung im Wald. Seine Lichtung. Er schaltete den Motor aus und stieg aus dem Wagen. Er spürte ein Kribbeln am ganzen Körper. Es fing bei den Fingerspitzen an, wanderte über seine Arme zu seiner Brust. Das Blut strömte immer schneller durch seinen Körper und nahm ihm den Atem. Er kämpfte mit sich selbst. Etwas in ihm wollte ausbrechen, aber er musste noch warten. Er ging in Lauerstellung, wie ein Raubtier. Seine Knie wurden weich, als er im Auto eine Bewegung wahrnahm...

Wieder suchte ihn dieser verworrene Traum heim. Er war ein Tier, die Bestie... Er rannte und spürte den Schweiß an seinem Rücken herunter laufen. Speichel rann ihm aus den Mundwinkeln. Er verfolgte seine Beute durch den Wald. Als er es eingeholt hatte, stürzte er sich darauf und trieb seine Zähne tief ins warme, blutige Fleisch seines sich wehrendes Opfers. Es gab gellende Geräusche von sich, die in seinen empfindlichen Ohren schmerzten. Er schlug mit seinen Pranken. Der noch warme Körper bäumte sich ihm entgegen und versuchte mit letzter Kraft seinen tödlichen Schlägen zu entkommen. Langsam zog sich ein dunkler Schleier vor seine Augen. Sein Herz schlug schnell und hart gegen seinen Brustkorb. Er musste innehalten, um wieder zu Atem zu kommen. So verharrte er einige Minuten. Seine Augen wurden immer trüber. Mit letzter Kraft schleppte er sich von dem langsam abkühlenden, feuchten Etwas auf dem er gelegen hatte. Er schaffte es noch einige Meter davon weg zu krabbeln, dann zog konnte er sich nicht länger gegen das schwarze Loch, in das es ihn zog, wehren – Ohnmacht überkam ihn.

Er erwachte mit dem ihm bekannten dumpfen Summen im Kopf. Seine Zunge fühlte sich pelzig an und er schmeckte wieder diesen schalen Geschmack. „Was habe ich gestern bloß getrunken?“, schoss es ihm in den Kopf.

Im Radio ertönten die Nachrichten:
"Es ist genau 8 Uhr 30. Berlin - Der Jungfrauen-Kanibale hat erneut zugeschlagen. Seit gestern Abend wird eine weitere junge Frau vermisst. Sie wurde zuletzt von ihren Eltern gesehen, als sie am Vorabend deren Wohnung verließ, um sich mit Freunden zu treffen..."

Letzte Aktualisierung: 27.10.2006 - 10.18 Uhr
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