Der himmelblaue Schmengeling
Der himmelblaue Schmengeling
Glück ist für jeden etwas anderes. Unter der Herausgeberschaft von Katharina Joanowitsch versuchen unsere Autoren 33 Annäherungen an diesen schwierigen Begriff.
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Januar 2007
Bloßes Wort
von Katharina Joanowitsch

Dieses Wort!
Es beherrscht meinen Kopf. Kreist jagend. Ruht plötzlich und starrt mich an. Seit Tagen schon. Geht nicht weg. Einfach nicht raus aus dem Kopf. Trotz meiner Methode. Oder wegen.

Meine Methode, ein störendes Wort zu beherrschen, ist folgende: ich schreibe es auf. Auf einen schlichten, weißen Zettel. Den hefte ich an die Wand, mit einer Stecknadel oder einem Klebestreifen. Da hängt es dann, das Wort, schwach bewegt vom Luftzug meiner undichten Fenster. Nun ist das Wort festgesetzt, umrahmt, umzäunt, gebändigt. Ich schaue es an. Ich ‚entkleide’ es, versuche alle Bedeutung fort zudenken, bis er nur noch aus einer Ansammlung von Buchstaben besteht. Und seine Macht verliert sich immer mehr, bis es – nach ein paar Stunden, höchstens nach ein oder zwei Tagen – gebannt ist. Ich kann den Zettel wieder abnehmen, zerknüllen und ohne Erregung fortwerfen. Leichter atmen. Doch bald taucht ein neues Wort auf und alles beginnt von vorn.

Mit diesem Wort will es mir nicht so leicht gelingen.
O b s e s s i o n –
Wie es schon klingt! Beginnend mit einem warmen Laut, abfedernd auf einem weichen Konsonanten. Dann so ein Zischeln, fast im Kreischen gipfelnd. Als Endung ein dunkel ausklingender Ton. Sage ich es mehrmals laut hintereinander, scheint es in zwei extrem unterschiedliche Worte zu zerfallen.
Und wie es aussieht! Es war langwierig für meine ungeschickten Finger, diese vielen Bögen und Kreise und geschlängelten Linien zu schreiben. Zuerst verschrieb ich mich, weil ich Durst hatte und ‚Obst’ dachte. Dann gelang mir das O nie rund genug. Die zwei ‚S’ boten meinem Stift hartnäckig Widerstand. Entweder gerieten sie zu dicht und verhakten sich. Oder krümmten sich wie beleidigte Regenwürmer.
Wie immer weiß ich nicht, wie und wieso das Wort in meinen Kopf gekommen ist. Ich lese nur wenig, aus Furcht vor den hereinstürzenden Worten. Schon ein Gang zum Laden an der Ecke ist für mich eine Strapaze. Dieser Spießrutenlauf entlang au ...

Liebe Leserin, lieber Leser,

diese Geschichte gehrt zu den Siegergeschichten und erscheint in unserer Literaturzeitschrift Schreib-Lust Print. Wir bitten Sie um Verstndnis, dass wir uns nicht selbst Konkurrenz machen mchten, indem wir die Geschichte ebenfalls hier komplett verffentlichen.

Vielen Dank!

Andreas Schrter

Letzte Aktualisierung: 31.01.2007 - 22.08 Uhr
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