Mainhattan Moments
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Februar 2007
Schattentrauma
von Anna Maria Sauseng


Das Licht machte sie funkelnd. Und sie funkelte für mich bis in die Nachtträume.
Muss ich sie vergessen? Nein, sie wird mich nie mehr loslassen.
Morgen, wenn das Sonnenlicht ihr Sein zu neuem Glitzern erweckt, werde ich sie mir holen.
Die Nacht war lang. Ich lief in das Badezimmer, schleuderte die schweißnasse Schlafwäsche vom Leib und stellte mich unter die Dusche.
Heute noch wird sie mein sein.
Ich zähle das Geld in der Haushaltsschatulle.
Und es regnete diesen Tag. Mit einem Leichentuch bedeckt war der frühe Morgen Sie zog mich an, ich konnte ihr nicht widerstehen. Wie sie glitzerte heute im künstlichen Licht des Ladens. Meine Hände zitterten, der Preis war hoch. Ich bezahlte, umklammerte zärtlich dieses nun mein Eigentum.
Er war schon zu Hause: „Wo warst du?" Wo ist unser Geld?“
Wie er mich anstarrte, so hart seine Gesichtszüge. Er zog meine Blicke in seine Augen, die noch immer unbeweglich blieben. Am Rücken rieselte es mir kalt nach unten. Mit meinem rechten Fuß versuchte ich ein Zeichen von Leben zu geben, doch er blieb am Boden haften. Nein, es war aussichtslos, diesem Geschehen auszuweichen.
Nie waren mir die Sekunden oder Minuten so lange vorgekommen.
Meine Knie wurden weich, es dunkelte, ich taumelte.
Am Boden kauernd sah ich ihn immer noch, seine großen Füße, die schwarzen Strümpfe, die weiten Hosenrohre, mehr sah ich nicht.
Alles Weitere dunkel, undurchsichtig, nur unser Atem war zu hören, dieser viel zu laut, er zerschnitt die Stille, machte sie laut und doch nicht laut genug, um gehört zu werden. Ob er meinen Herzschlag hörte, dieses Tosen in der Brust, das bis in den Kopf hinauf rauschte.
Und er? Sein Fuß bewegte sich, ganz langsam kam er auf mich zu. Er berührte meinen Fuß, ich spürte seine Härte an meiner Ferse. Was wollte er da? Warum diese endlose Nacht in mir?. Irgendwo hörte ich das Scharren wie von einem Tier. Da erst löste sich meine Zunge und ich schrie: nein, nein, nein!
Voll Angst in dieser ausweglosen Lage schloss ich die Augen. Wie sie glänzte im Licht der Sonnenstrahlen. So viele verschiedene Farben sprenkelten aus ihrem Körper hervor und lockten meine Hände, sich nach ihr auszustrecken, sie zu wärmen und sie zu liebkosen, hätte ich sie nicht holen sollen?
Sein zweiter Fuß trat plötzlich hart auf meine Hand, in der festgehalten ich mein soeben erworbenes Eigen hielt. Es krachte, es splitterte, ein Schmerz zuckte von meineR zum Unter- und Oberarm, Feuchtigkeit sickerte zwischen den Fingern auf den Boden, es roch süßlich.
Sein Schuh rieb die Trümmer meiner Hand: „Nein, nein!“ Schrie ich.
Nie mehr wird sie funkeln, nie mehr die Lichter spiegeln, nie mehr: „Nein, nein!“ Schrie ich noch einmal.
Ein fürchterlicher dunkler Fluch: „Du, ich ...“, erfüllte als Antwort den Raum, gleichzeitig traf mich ein Schlag am Kopf.
Als ich erwachte, lag ich in einem weißen Bett. Rundum alles weiß, steril, still und einsam. Es tickten Apparate, am Monitor zuckten rote Kurven. Meine Hand lag auf einer Schiene festgebunden neben mir. Schmerzen pulsierten durch meinen Körper. Vergessen die Tage, vergessen die Angst, vergessen – was war eigentlich los?
Ich schloss die müden Augen. Da sah ich sie wieder, doch nur mehr als liebe Erinnerung: Rund, klein, farbensprenkelnd und so vollkommen in ihrem Sein.

Letzte Aktualisierung: 20.02.2007 - 21.01 Uhr
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