Sexlibris
Sexlibris
Wo ist die Grenze zwischen Pornografie und Erotik? Die 30 scharfen Geschichten in diesem Buch wandeln auf dem schmalen Grat.
mehr ... ] [ Verlagsprogramm ]
 SIE SIND HIER:   HOME » MITMACH-PROJEKT » SCHREIBAUFGABE » Chris Bendig IMPRESSUM
NEWSLETTER
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

Jetzt anmelden! ]

UNSERE TOP-SEITEN
1.) Literatur-News-Ticker
2.) Leselust
3.) Forum
4.) Mitmach-Projekt
5.) Schreib-Lust-News 6.) Ausschreibungen 7.) Wettbewerbs-Tipps
Februar 2007
Leben in der Kugel
von Chris Bendig


Wie eine große, gläserne Kugel liegt das Gebäude vor uns. Dr. Herbst erwartet uns vor dem Eingang und begrüßt uns mit einem Lächeln. Ich bin gelernte Krankenschwester und werde heute meine neue Stelle antreten. Gudrun begleitet mich, um sicher zu stellen, dass ich in guten Händen bin. Aber ich glaube, hier braucht sie sich keine Sorgen zu machen.

Trotzdem, mich beruhigt es, sie dabei zu haben. Als wir auf der Fahrt hierher nach dem Weg gefragt haben, meinte der junge Mann:
„Ach, zum Dorf der Irren wollen Sie!“ Noch bevor ich etwas sagen konnte, hat sie ihm entgegnet:
„Auch Demente haben einen Anspruch auf ein Leben in Würde.“ Sie ist großartig, und ich bin froh, nicht allein zu sein.

Gemeinsam mit Dr. Herbst gehen wir durch die große, gläserne Tür und betreten eine andere Welt. Vor uns stehen Häuschen und Bäumchen, es gibt einen Spazierweg, und all das wirkt wie die Landschaft in der Schneekugel, die ich mitgebracht habe. Ich kann kaum glauben, dass wir uns im Inneren befinden und sehe zur Kuppel hinauf.
„Schneit es hier auch?“
„Nein, das Gebäude kann man ja nicht schütteln.“ Dr. Herbst scheint meine Gedanken zu erraten, und wir lachen beide.

Dies ist so ganz anders, als ich es sonst erlebt habe. Die Menschen gehen auf dem breiten Weg spazieren, der sich wie eine Acht über den Boden schlängelt. Sie rasten auf den zahlreichen Bänken, besuchen das Eiscafé, den Friseur oder den Laden, und ich sehe gar keine weißen Kittel.
„Wo sind denn die Schwestern?“
„Mitten unter uns.“ Dr. Herbst lacht. „Wir haben einen guten Personalschlüssel“, erklärt er Gudrun, „auf 190 Patienten kommen 140 Pfleger und Ärzte, davon träumen andere Stationen nur.“
„Das liegt an dem Modellcharakter hier, nicht wahr?“, entgegnet sie.
„Ja, und wir bangen nach jedem Wahlkampf darum, dass uns die Mittel bleiben.“ Zu mir gewandt sagt er: „Aber keine Sorge, Schwester Greta, Ihr Platz ist Ihnen sicher.“ Wieder lächelt er, ein angenehmes Lachen, mit blitzenden Zähnen und ein wenig wie  ...

Liebe Leserin, lieber Leser,

diese Geschichte gehört zu den Siegergeschichten und erscheint in unserer Literaturzeitschrift Schreib-Lust Print. Wir bitten Sie um Verständnis, dass wir uns nicht selbst Konkurrenz machen möchten, indem wir die Geschichte ebenfalls hier komplett veröffentlichen.

Vielen Dank!

Andreas Schröter

Letzte Aktualisierung: 28.02.2007 - 22.03 Uhr
Dieser Text enthält 8810 Zeichen.

Druckversion

 LINKTIPPS: Naturwaren Diese Website wird unterstützt von:

www.mswaltrop.de
Copyright © 2006 - 2017 by Schreiblust-Verlag - Alle Rechte vorbehalten.