Ganz schön bissig ...
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April 2007
Lady
von Renate Hupfeld

Die gleißende Helligkeit tat ihren Augen weh. Sie blinzelte. Hügelige Felder und Wiesen, so weit sie sehen konnte. Baumgruppen hier und da. Penetranter Blütenduft wehte ihr in die Nase. Von der Terrasse führte eine steile Treppe hinunter in den Garten. Sicherlich kein Ausweg, aber immer noch besser als das Spiegelkabinett, in dem sie vor einigen Minuten aufgewacht war. Wie in einem Labyrinth irrte sie zwischen Bäumen, Rosenbüschen und dunklen Nischen umher, bis sie vor einer geöffneten Tür stand. Sie betrat einen hellen Raum mit einem riesigen Pool. Zuckende Lichtflecken machten ihr Angst. Überall waren sie, auf dem Wasser, an den Wänden, an der Decke. Dieser Raum hatte tausend Augen. Von einem Korbsofa her wurde sie beobachtet. Eine Katze war das nur. Daneben lag ihre Jacke. Da musste auch ihr Handy sein. Sie fand es in der Innentasche. Katja, erinnerte sie sich. Mit ihr zusammen war sie in der Fußgängerzone gewesen. Buchladen. Citycafé. Und dann? Sie wählte Katjas Nummer. Jetzt würde sich alles aufklären.
Hier ist Vera. Hilf mir.
Sauer bist du?
Erklären? Ich dachte, Du kannst mir erklären.
Welcher Mann?
Ich bin weggegangen?
Mit dem Mann?
Weiß nicht. Hügelig ist es hier. Anders.
Katja? Katja!!!
Das Gespräch wurde unterbrochen. Vera versuchte es noch einmal, bekam aber keine Verbindung mehr. Niemand weiß, wo ich bin, dachte sie. Was sollte sie nur tun? So einen Blackout hatte sie noch nie gehabt. Sie ließ sich auf das Sofa fallen, legte den müden Kopf auf das Polster und streckte die Beine aus. Cocktail getrunken. Mit einem Mann weggegangen. Der hatte sie hierher gebracht und alle möglichen Sachen mit ihr gemacht. Und wo war er, dieser Unbekannte? Vielleicht beobachtete er sie heimlich. Eigentlich sollte sie vor Angst verrückt werden, doch die lähmende Müdigkeit war stärker.

Sie schreckte hoch. Ein fremder Mann saß neben ihr.
„Piranhas mögen Skalare. Wusstest du das, Lady?“
„Nein, bitte nicht…“, flehte sie.
„Dieser hier liebt die weißen.“
Der Unbekannte fischte die weiße Schönheit aus dem kleinen Becken. Dann hielt er den Käscher hoch und schaute zu, wie der Fisch im Netz zappelte. Als er sich nur noch schwach bewegte, ließ er ihn langsam in das größere Becken gleiten.
‚Your skin has turned to white….’, sang Cat Stevens.
Es dauerte eine Weile, bis der Skalar sich wieder bewegte. Und es dauerte wieder eine Weile, bis das schwarze Schuppenmonster aus einer Ecke seines Reiches kam und sich der weißen Schönheit näherte.
„Schau genau hin, Lady“, sagte der Mann und seine Augen bewegten sich schnell.
„Siehst du die weiße Zackenreihe? Siehst du, was er macht?“
So stark der Sog.
Zu stark.
„Ein herrliches Skelett“, schwärmte er. „Wie es schwebt. Ich kann mich nicht satt sehen.“
„Schneeweiß“, hauchte sie.
„Ja, so schön weiß.“
Böse Augen! Sie wollte weglaufen, die Beine gehorchten nicht.
„Was ist mit dir, Lady? Deine Händchen. Sie sind ja so kalt. Komm zu mir.“
Mit starken Armen zog er sie zu sich hinüber.
Ganz steif wurde sie.
„Du bist ja überall kalt. Lass uns tanzen, Lady.“
Er umschlang sie mit seinem massigen Körper.
„Jaa, so ist es schön.“
„Nein, nicht…“ Ihre Stimme. Warum versagte ihre Stimme?
„Ich spiel es noch einmal für dich. Hörst du es?“
‚Your skin has turned to white…’
„Immer wieder spiele ich es für dich.“
‚Why do you sleep so still?’, sang Cat Stevens.
„Du zitterst ja. Musst du nicht. Karl ist doch bei dir. Lass uns schwimmen, Lady. Wie die Fischlein im Wasser.“
So still hier.
Zu still.

www.renatehupfeld.de











Letzte Aktualisierung: 27.04.2007 - 19.29 Uhr
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