Honigfalter
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Mai 2007
Nachts
von Claudia Göpel


Ich kam nicht zur Ruhe, wie jede Nacht. Der Mond strahlte hell, heller als sonst und die Luft war warm und schwül.
Es war still. Kein Lufthauch ließ die Blätter rascheln, kein Vogel meldete sich, keine Grille zirpte, nichts. Alles Leben schien sich auf den nächsten heißen Sommertag vorzubereiten. Aus der Ferne hörte ich das Plätschern des Brunnens.
Auf einer Parkbank lag ein Mann. Als ich näher kam, konnte ich ihn riechen. Er stank nach Alkohol, Schmutz und Erbrochenem. Angewidert setzte ich meinen Streifzug fort, Richtung Stadt.
In den Häusern brannte nur vereinzelt blau flackerndes Licht. Der Spätfilm für Nachtschwärmer lief. In meinem Leib rumorte es, ich hatte Hunger.
In einem hübschen grün gestrichenen Haus mit großen Fenstern und breiten Simsen stand ein Fenster weit offen. Ich kam vorsichtig näher, presste meine Nase gegen das Fliegengitter, wagte einen Blick hinein. Das Zimmer war groß und freundlich eingerichtet mit viel Holz, an den Wänden hingen bunte Bilder. Eine winzige gelbe Lampe tauchte einen Teil des Raumes in warmes Licht und warf lustige Schatten an die Wand. Es roch nach Babypuder, Creme und Himbeerlimonade. In der Ecke mit dem Nachtlicht standen zwei Betten, je eins an jeder Wand. Der Mond warf eine helle Spur in das Zimmer; einen leuchtenden Pfad, der direkt zu den beiden kleinen Betten führte. Das eine Kind seufzte und blinzelte mit den Augen. Erschrocken wich ich zurück. Aber es schlief. Die dünne Decke war herunter gerutscht und bedeckte nur noch mit einem Zipfel den kleinen prallen Bauch. Die rundlichen Beine waren nackt, die Arme auch. Die Wangen schimmerten rosig und am Hals sah ich sogar aus der Entfernung das süße pulsierende Leben. Das andere Kind lag mit dem Gesicht zur Wand und schnarchte leise. Sie waren höchstens drei und vier Jahre alt. Ich betrachtete die beiden lange; entzückt von ihrem friedlichen Anblick, dem Geruch. Zu gern hätte ich sie berührt, sie gekostet. Nur das verdammte Gitter trennte mich von ihnen. In diesem Moment bewegte sich die Türklinke. Noch bevor ich sehen konnte, welches Elternteil da nach seinen Lieblingen schaute, war ich verschwunden. Dieses Haus würde ich mir merken, ich konnte ja später wieder kommen, nächste Nacht oder nächste Woche. Ein Schauer durchlief mich bei dem Gedanken an die beiden. So jung, so lebendig und zuckersüß in ihrer Unschuld…
Ich zog ruhelos weiter, machte hier Halt, schaute dort durch ein Fenster. Am Hintereingang einer Gaststätte quollen die Tonnen über. Essensreste, ranzige Wurstzipfel und zerknickte Pappschachteln stapelten sich wahllos. Ich hasste den Geruch von Pizza. Das Hungergefühl wurde schmerzhaft.
An der nächsten Ecke hielt ich inne. Ein Backsteinhaus zog mich magisch an. Im ersten Stock stand ein Fenster einen Spalt offen. Daneben klemmte sich eine Regenrinne in die Mauerspalte, Gras wuchs aus dem brüchigen Mörtel. Die Straße lag ruhig, es war kein Laut zu hören. Es war einfach für mich, zum ersten Stock zu gelangen und durch das Fenster einzudringen. Keine lästige Gaze störte.
Ich fühlte mich schwebend leicht und zitterte erwartungsfroh. Der Raum war in sanftes Mondlicht getaucht. Es war das Zimmer eines jungen Mädchens. Ich spürte ihre Anwesenheit sofort.
Sie lag auf dem Rücken, ausgestreckt auf einem weißbezogenen Bett, ohne Decke, nackt. Der Anblick ihres bloßen Körpers erregte mich. Ich kam näher, bemüht, kein Geräusch zu machen. Ich hörte nur das sachte Zacken eines großen Weckers, der auf dem Nachttisch stand. Mein Blick ruhte auf ihren Brüsten, die klein und fest waren, glitt über den Bauch bis hinunter zur Scham, unter deren Löckchen es rosa blitzte. So hell und weich die Haut, so appetitlich. Ich summte leise. Sie bekam eine Gänsehaut, die den goldenen Flaum an ihren Armen aufrichten ließ. Ihre Hand bewegte sich, als ob sie etwas verscheuchen wollte. Dann räkelte sie sich, spreizte die Beine und stöhnte. Es glänzte feucht zwischen ihren Schenkeln, auf denen sich zwei schmale Muttermale befanden, die wie Pfeile auf ihre Grotte gerichtet schienen.
‚Ja, Baby, beweg dich!’ Ich stellte mir vor, wie ich meinen Stachel in ihr unberührtes Fleisch stieß und ihr Blut roch. Meine Sinne vibrierten vor Verlangen. Schließlich breitete ich meine Flügel aus und stürzte mich auf sie. Auf ihren Hals, genau auf die
Stelle wo der Puls schlug. Ich atmete Blut, ich schmeckte Blut, ich trank. Sie wehrte sich nicht.
Danach sah ich sie lange an. Sie lag ganz ruhig und sah aus wie ein Engel. Das blonde Haar umspielte ihr Gesicht und floss in Wellen auf das weiße Kissen. Sie sah friedlich aus und wunderschön. Ihr Atem ging leise und regelmäßig.
Ich war ebenfalls zufrieden, satt und zufrieden. ‚Ich komme wieder, meine Süße, morgen Abend’, surrte ich. Noch ein letzter Blick, dann verschwand ich in die Nacht.


***

Ich konnte nicht schlafen. Die Nacht war warm. Die Hitze des Tages schien in jedem Winkel des Hauses gefangen. Die Zeiger meines Weckers wiesen auf Viertel nach Zwei. Der Mond grinste groß und rund durch die Scheibe. Ich warf die Decke von mir und ging das Fenster öffnen, in der Hoffnung auf etwas Abkühlung. Kurz dachte ich daran, ein Insektengitter anbringen zu müssen, bevor die spätsommerliche Invasion der kleinen Plagegeister richtig begann. Träge strich ich mir eine Haarsträhne aus den Augen, mein Gesicht war heiß und klebrig. Ein Schweißtropfen bahnte sich seinen Weg von der Kehle zwischen den Brüsten hindurch und verlor sich in den Tiefen meines Nabels.
Ich legte mich wieder aufs Bett und begann mich zu streicheln. Mit der linken umfasste ich eine Brust, die kühl war und meiner schweißnassen Handfläche zu entgleiten drohte. Ich knetete sie und rieb den Nippel zwischen den Knöcheln erst sanft und dann fester, bis ein kribbelndes Ziehen vom Magen über den Bauch hinunter zur Scham kroch. Zwei Finger der rechten Hand tasteten über die erhabenen Male auf der Innenseite meiner Schenkel, die mir den Weg wiesen und fanden flatternd meine schwellende Knospe. Ich spürte den Herzschlag an meinen Fingerspitzen und ließ sie immer heftiger kreisen, bis sich die Vibration ganz in meinem Unterleib ausbreitete und die Erlösung sich pochend und warm zwischen meine Schenkel ergoss. Die Finger auf meine feuchte Spalte gepresst, schlief ich endlich ein.
Ein großer, dunkelhaariger Mann stand plötzlich an meinem Bett und sah mich an. Er war in einen Umhang gekleidet, der seinen schlanken Körper umspielte und mit dem Boden zu verschmelzen schien. Seine Gestalt verdeckte die Mondscheibe, deren Licht seinem Haupt einen Heiligenschein verlieh. Die Nase ragte aus dem schattenhaften Gesicht und war wohl zu groß, um sie edel zu nennen. Seine Augen leuchteten. Ich spürte seinen Blick auf meinen nackten Brüsten brennen, hörte ihn atmen. Die Situation war unheimlich, unwirklich und sehr erregend. Ein angenehmer Schauer durchlief mich vom Hals bis zu den Schenkeln. Es war mir egal woher er kam oder wer er war. Ich schnurrte und räkelte mich wie eine Katze, erwartete begierig seine Berührung. Der Mann breitete seinen Umhang aus. Ich sah wohlgeformte Hände, eine unbehaarte muskulöse Brust, drahtige Beine. Ich sah sein Glied, aufgerichtet und glänzend. Ein Lufthauch kitzelte meine Brustwarzen und ließ sie noch härter werden. Mit einem Lächeln entblößte er sein Gebiss und ließ ungewöhnlich spitze Zähne erkennen, weiß und strahlend wie aus einer Zahnpastawerbung. Ich stöhnte und der schöne Unbekannte beugte sich über mich. Ich sehnte mich nach seinem Kuss, seinen Lippen, seinem Biss, doch er summte mir nur zärtlich ins Ohr und so schnell wie er gekommen war verschwand er wieder.

Am nächsten Morgen erinnerte ich mich an meinen Traum und sah lächelnd in den Spiegel. Meine Augen glänzten, mein Gesicht war gerötet und am Hals bemerkte ich einen Einstich, stecknadelkopfgroß und bereits entzündet. Ich tastete danach und es fing an zu jucken…

© Claudia Göpel
18.10.2005 (überarbeitet 02.05.2007)

Letzte Aktualisierung: 02.05.2007 - 08.11 Uhr
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