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Juni 2007
Einzelkämpfer
von Luzia Fischer


„Ihr kennt mich nicht“, presst Robert zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. Er wischt sich mit einer mürrischen Handbewegung über die Augen. Unentwegt bilden sich neue Schweißtropfen auf seiner Stirn, die wie kleine Sturzbäche über das Gesicht strömen.
„Wenn ihr wüsstest, … aber ihr habt keine Ahnung.“
Geduckt huscht er durch das dichte Unterholz, geräuschlos und geschmeidig wie eine Schlange. Nicht umsonst ist sein Deckname
`Mamba´, blitzschnell, gefährlich und jeden Moment bereit, zuzubeißen.
Robert hält in seiner schweißnassen Hand die Machete fest umklammert. Die Luft ist zum Schneiden dick, heiß und dampfig wie in einem Suppenkessel. Das Haar hängt ihm tropfnass in die Stirn, er verengt angestrengt seine Augen. Durch das fast lückenlos geschlossene Blätterdach der gigantischen Urwaldbäume sickert kaum Licht, aber ihm entgeht trotzdem nichts. Einige Meter seitlich lugen gelbgrüne Augen aus einem Dickicht von Geäst und Lianen hervor. Ein schwarzer Panther verfolgt ihn hartnäckig, beobachtet jede seiner Bewegungen. Robert lässt sich nicht beirren, zuckt auch nicht zusammen, als ein Affe über ihm im Baumwipfel laut aufkreischt.
Viel gefährlicher ist das kleine Getier, das sich im dichten Blattwerk versteckt hält, über den glitschigen Boden krabbelt. Frösche oder Insekten, wie diese giftigen Tausendfüßer, die sich gern in einem Stiefel verirren. Plötzlich vernimmt er ein Zischen neben seinem rechten Ohr. Aus seinem Augenwinkeln erfasst er eine giftgrüne Schlange, die sich gefährlich nahe um einen Ast schlängelt.
Mit stahlhartem Griff packt er zu, knapp hinter dem züngelnden Kopf, und schleudert sie mit voller Wucht gegen einen Baumstamm. Robert spürt noch ein kurzes Zucken unter seinen Fingern, dann baumelt sie wie ein ausgewrungenes Handtuch herab. Seine Mundwinkel verziehen sich verächtlich, als er das Reptil von sich wirft.
„Ihr kennt mich nicht. Wisst nicht, wozu ich fähig bin.“

Mittlerweile klebt seine Hose wie eine verrunzelte Haut an den Beinen. Die Luft wird immer feuchter und heißer. Sie drückt wie Blei auf seinen Lungen und macht ihm das Atmen schwer.
Kurz darauf hört er gedämpfte Stimmen. Er ist auf der richtigen Spur. Ganz in der Nähe müssen die Entführer ihr Lager aufgeschlagen haben.
„Ihr Ahnungslosen“, knurrt Robert grimmig in sich hinein. „Bald werdet ihr euch wünschen, mir niemals begegnet zu sein.“
Auf einmal denkt er an die Leute in dem kleinen Badeort, wo er normalerweise lebt. Dort kennt niemand seine wahre Identität. Mit den Leuten pflegt er kaum Kontakt. Selbst im `Dorfkrug´ trinkt er sein Bier allein in einer Ecke. Sie mögen ihn für einen einsamen Trottel halten, der nicht einmal in Stande ist, eine Frau abzubekommen. Aber das alles gehört zu seiner Tarnung. Ein hoher Preis, den er - Robert Meier, Spezialagent mit den Deckennamen `Mamba´ - zu zahlen hat.

„Ihr kennt mich nicht“, stößt er wieder zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. „Ihr kennt mich alle nicht.“
Plötzlich spürt er einen kalten Luftzug. Vorsichtig wendet er seinen Kopf zur Seite. In der offenen Tür zeichnet sich eine ganz in Weiß gekleidete Gestalt ab.
„Doch, du bist Robert Meier, unser Dorfpolizist. Wie lange sitzt du schon wieder mutterseelenallein im Dampfbad?“, fragt der Bademeister über das ganze Gesicht grinsend. „Nur zu deiner Information: das Schwimmbad schließt in fünfzehn Minuten.“

Letzte Aktualisierung: 27.06.2007 - 17.09 Uhr
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