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Juni 2007
Beraubt
von Daniel Schmidt


Es ist 7:00 Uhr morgens, als der Wecker klingelt. Ich habe schon darauf gewartet, stehe auf und bin entsetzt, wie schwer es mir fällt. Meine Beine scheinen noch nicht wach zu sein. Mühsam schlüpfe ich in meine Hausschuhe, schleppe mich in die Küchenecke, um mir ein Glas Milch einzugießen.

Im Bad sehe ich im Spiegel eine Frau, die ich nicht kenne. Mit kaltem Wasser versuche ich, meine Lebensgeister zu wecken, es funktioniert leider nicht. Heute ist kein guter Tag. Meine Hüfte schmerzt. Was ist nur los mit meinem Körper? Noch vor ein paar Tagen bin ich mit meinen Freundinnen um den See geradelt, da habe ich nichts gespürt.

Als ich aus dem Bad komme, kriecht ein Frösteln über meinen Rücken, der Luftzug eines Fensters, das ich nicht geöffnet hatte. Vorsichtig schaue ich mich im Zimmer um. Es ist niemand zu sehen. Muss wohl von selbst auf gegangen sein, vielleicht habe ich es gestern nicht richtig geschlossen.

Durch das Fenster dringen Vogelstimmen an mein Ohr. Es wird ein sonniger Tag. Mir fällt ein, dass ich den Kindern versprochen habe, mit ihnen baden zu gehen. Hoffentlich geht’s mir bis zum Nachmittag wieder besser.
Ich schließe das Fenster und gehe zurück in die Küche, um meine Milch zu holen. Die geöffnete Flasche steht neben dem Glas, dabei hatte ich sie in den Kühlschrank gestellt. Ist doch jemand hier? "Hallo?" rufe ich, bekomme aber keine Antwort. Unsicher, fast schon ängstlich, taste ich mich zurück in mein Zimmer. Hier gibt es keine Verstecke, außer unterm Bett. Wie angewurzelt stehe ich davor und überlege, ob ich darunter schauen soll oder nicht. Wenn dort tatsächlich jemand liegt, was soll ich tun?
Ich sehe einen Stock in der Ecke stehen, hole ihn und stochere damit vorsichtig unterm Bett herum. Kein Widerstand zu spüren. Ich wage es und lege mich auf den Boden.
Niemand zu sehen. Ich bin erleichtert. Mühsam ziehe ich mich wieder nach oben.
Ich überlege, ob ich den Schrank vor die Tür rücken sollte, nur zur Sicherheit. Der Versuch scheitert kläglich, er ist einfach zu schwer.

Das Geld! Ich muss nach meinem Geld sehen. Ganz hinten im Schrank habe ich es in einer Socke versteckt. Es ist nicht viel, aber alles, was ich angespart habe. Ich taste nach ihr, räume das ganze Fach aus.
Das Geld ist weg, ich kann es nicht finden. Also doch, ich bin bestohlen worden. Und der Täter ist durch das Fenster geflüchtet. Ich sinke auf das Bett und einzelne Tränen laufen über meine Wangen. Also kein neues Spielzeug für die Kinder. Keine neuen Schuhe für mich. Kein guter Tag, trotz Sonne.

Auf einmal höre ich Stimmen vor der Tür, ein Schlüssel dreht sich im Schloss.
Und dann steht er vor mir, ein Mann, groß und kräftig, um die Fünfzig. Meine Hände umklammern die Bettkante.
"Guten Morgen! Wie geht’s dir heute?" begrüßt er mich. Ich weiß nicht, wer er ist.
"Wer sind Sie?"
"Ich bin dein Sohn."
"Mein Sohn? Der ist doch in der Schule! Ich kenne Sie nicht."
"Ich weiß Mutter. Ich weiß."

© Daniel Schmidt 2007

Letzte Aktualisierung: 06.06.2007 - 11.21 Uhr
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