Der himmelblaue Schmengeling
Der himmelblaue Schmengeling
Glück ist für jeden etwas anderes. Unter der Herausgeberschaft von Katharina Joanowitsch versuchen unsere Autoren 33 Annäherungen an diesen schwierigen Begriff.
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Juni 2007
Einsam, zweisam, dreisam
von Tanja Muhs

Nur Charlotte und sie. Marie steht am Fenster, knetet Charlottes Zöpfe. Kein Lichtstrahl dringt hinein. Sie spürt die Bewegung des durchgeschnittenen Riemens der Jalousie, hin und her und her und hin. Herausziehen, herausziehen, nur heraus. Fransendes Wollhaar um ihre Hände geschlungen. Zu dritt sind sie seit Papa weg ist, eine kleine Familie- Charlotte, Mama und sie. Marie hat Charlotte lieb, hat sie lieb, weil sie lieb ist. Niemals lässt sie Marie allein, nie wird sie wütend, schreit, beschimpft sie. Nie macht sie garstige Dinge, nie spuckt sie ihr ins Gesicht. Die Zimmertüre hat nicht sie von außen abgeschlossen und auch den Jalousieriemen hat sie nicht durchgeschnitten mit dem scharfen Messer aus der Küchenschublade. Sie packt Marie nicht, zwingt ihr Gesicht nicht auf die schon wieder nasse Matratze. Nie tut Charlotte ihr weh. Sie zeigt nicht mit dem Finger auf Marie, hält sich nicht vor Lachen den Bauch, wenn sie weint.
Charlotte ist lieb, Marie liebt sie, Charlotte ist immer da. Die Mama auch, aber die sitzt nebenan im Wohnzimmer, wo der Fernseher plärrt.

Nein, nein, nein! Sie will es nicht hören. Schon drei Mal hat es geklingelt. Auf der Couch, der Körper stellt sich tot wie eine Häsin über deren Bau ein Adler kreist. Sie darf nicht öffnen, darf nicht öffnen! Der Adler kommt, um ihre Familie zu reißen und zu fressen. Marie ist alles, was sie hat, Marie ist ihr geblieben, nie will sie sie verlieren, zu sehr liebt sie dieses ungezogene Kind. Eine starke Hand braucht sie, nie soll sie werden wie Paul, ihr Vater. Im dunklen Bau hat sie ihr Kind umsorgt, gefahrlos und sicher konnte es gedeihen. Wieder klingelt es und immer wieder drücken ihre Finger den Lautstärkeknopf der Fernbedienung. Sitzen wird sie, warten, bis die Gefahr vorüber ist. Und wenn sie weg sind, wird sie den nächsten sicheren Bau suchen, in der nächsten Stadt, im nächsten Hochhaus im 17. Stock und wenn sie wiederkommen, wird ihre Fährte bereits kalt sein.

Auch die Mama hat sie lieb, abe ...

Liebe Leserin, lieber Leser,

diese Geschichte gehört zu den Siegergeschichten und erscheint in unserer Literaturzeitschrift Schreib-Lust Print. Wir bitten Sie um Verständnis, dass wir uns nicht selbst Konkurrenz machen möchten, indem wir die Geschichte ebenfalls hier komplett veröffentlichen.

Vielen Dank!

Andreas Schröter

Letzte Aktualisierung: 30.06.2007 - 21.01 Uhr
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