Madrigal für einen Mörder
Madrigal für einen Mörder
Ein Krimi muss nicht immer mit Erscheinen des Kommissars am Tatort beginnen. Dass es auch anders geht beweisen die Autoren mit ihren Kurzkrimis in diesem Buch.
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Juni 2007
überfällig
von Helga Rougui


ich habe schon seit längerem gemerkt daß sich etwas verändert hat
seit einiger zeit ist es um mich herum immer stiller und stiller geworden
nach und nach sind aus vielen einige
aus einigen wenige
aus wenigen seltene
atemzüge geworden
stiller und stiller ist es geworden
auch das geflüster zwischen denen die sich gleichen und die ein paar waren
ist - naturgemäß - immer weniger geworden

jedoch

seit einiger zeit ist es wirklich sehr sehr still
wirklich still
allzu

still

wenn wirklich schon alle weg sind
worauf warten sie dann noch um mich zu holen

dieses gefühl des alleinseins wird mir zuviel
ich ertrage nur das alleinsein das mir wegen meiner privilegierten stellung gebührt
aber dieses alleinsein jetzt schmeckt anders
mir scheint
alle räume um mich sind leer
die kammern hallen wieder von nicht geatmeten atemzügen aus vorigen leben

ich wußte immer daß diese zeit der absoluten stille kommen würde
ich weiß das und
das gehört zum spiel

aber nun dauert es schon sehr lange
und es wächst das gefühl der vergeblichkeit
das ist falsch
ich fühle daß ich meine bestimmung erfüllen muß
aber niemand nimmt sich meiner an

ich bin die königin
ich throne in der mitte
alle sind zweimal vorhanden
ich nicht
ich bin der solitär
den man sich aufspart
als besonderen genuss zm schluß

aber niemand hört mich
ich schlafe

ich wache wieder auf
und schlafe
ich warte eine lange weile
und noch eine lange
weile

seit einer sehr langen weile
kein licht mehr
keine unterbrechungen meiner dunkelheit
keine geräusche

und jetzt
fühle ich es
meine existenz stinkt

ich fühle sie
meine konsistenz
die reif und fertig ist

meine seele
verfärbt sich gelb und es ist zu spät

ich verharre in tödlichem schwarz

ich wußte immer daß ich zuletzt an der reihe wäre
aber
es ist doch so als hätten sie mich vergessen

ich rolle mich ein
ich bin nicht da
ich werde allein übrigbleiben
und triumphieren trotz alledem

zersetzt

mein gott
was stinkt hier so

das bin ich?
das bin ich

o mein gott

alt und allein
was für eine kombination

… … …

plötzlich
helles gleißendes sonnenlicht in allen kammern

… … …

„Guck mal, Amelie, die in der Mitte ist übrig, die ham wir ganz vergessen letztens …“

„Au ja guck mal, das ist die Beste in der Mitte – die teilen wir uns -
Aber -
Wie sieht die denn aus?
Nee, die kannze nich mehr essen!
Komm, schmeißse wech…“

… … …

auf einem goldenen samtkissen liegend
nehme ich die huldigungen
der teeblätter kartoffelschalen wurstpellen entgegen
huldigungen für die eine die einzige
die
einsame
königin
auf ewig
einsam
in ihren träumen

Letzte Aktualisierung: 18.06.2007 - 21.06 Uhr
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