Ganz schön bissig ...
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Juni 2007
Leben, um zu lieben!
von Patrizia Greco


Ich stehe inmitten auf einer großen Wiese. Es muss schon spät sein, denn es ist schon dunkel. Irgendwie habe ich mein Zeitgefühl verloren. Unter mir spüre ich den kühlenden Rasen an meinen Füßen, über mir funkeln die Sterne klar am Himmel. Es ist ein schöner warmer Sommerabend. Ein Sommerabend an dem man am liebsten mit seinem Schatz auf einer Wiese wie dieser liegt, sich gemeinsam die Sterne anschaut und von einer gemeinsamen Zukunft träumt. Aber wir sind nicht zu zweit auf dieser Wiese, um mich herum feiern tausende Menschen ausgelassen, tanzen zur lauten Musik, trinken Bier oder Mixgetränke. Fröhliche, johlende, überwiegend junge Leute, drängen sich um die Bühne, die Getränkestände und die Pommesbuden.
Ich fühle mich einsam, alleine gelassen. Ein Gefühl, das sich in meinem tiefsten Innern langsam ausbreitet. Aber ich bin doch gar nicht einsam, hier sind so viele fröhliche Menschen. Ich habe mich doch so auf dieses Fest gefreut! Die Vorbereitungen für diese Party hatten schon Tage zuvor begonnen. Wir mussten für genügend Getränke und Essen sorgen, Musikkünstler organisiert, die Bühne und Theke aufstellen und die ganze Wiese festlich schmücken.
Wieso nur fühle ich mich so einsam? Letztes Jahr war die Party doch so toll. Da waren mein Schatz und ich noch ein frisch verliebtes Paar, haben uns kurze Zeit vorher kennen gelernt. Aus der Verliebtheit ist nun richtige Liebe geworden. Tag für Tag habe ich das Gefühl, dass unsere Liebe und Vertrautheit wächst. Aber wo ist mein Liebling jetzt? Ich kann mich nicht erinnern wo wir uns aus den Augen verloren haben. Daran, dass wir gemeinsam hierhin gefahren sind, kann ich mich noch erinnern. Eigentlich wollte ich doch hinter der Theke die Mixgetränke mischen, warum bin ich jetzt hier, mitten unter den Leuten? Ich möchte mich zur Theke vorkämpfen, dort sind auch all die Leute die ich kenne, aber keiner macht mir Platz keiner beachtet mich. Trotz meiner bitte, zur Seite zu gehen, reagiert keiner. Was ist nur los? Wie kann man sich unter so vielen Menschen nur so verlassen und einsam fühlen? Ratlos schaue ich mich um. Suche nach bekannten Gesichtern, kann aber keine finden. Eine Welle der Hilflosigkeit schwappt über mich her. Wie kann das denn sein? Warum stehe ich hier so einsam und alleine? In dem ganzen Gedränge wird mir ganz schwindelig, mich umhüllt ein Gefühl der Enge. Luft! Ich brauche dringend mehr Luft! Ich muss raus aus dieser Menschenmenge. Aber irgendwie fühlen sich meine Beine und Füße seltsam an. Es fühlt sich so an, wie wenn ich lose in meinem Körper gefangen bin. Wie wenn meine Seele und meine Gedanken in einer Hülle umherschwirren, über die ich keine Kontrolle mehr habe. Ich will mich bewegen, will aus dieser Ansammlung von jungen Leuten gehen, rüber zum Waldrand, aber weder meine Beine, noch die Füße rühren sich von der Stelle. Sie gehorchen mir nicht mehr. Was ist mit mir los? Was ist geschehen? Dieses Taube Gefühl breitet sich immer mehr in mir aus, ich bin nicht mehr in der Lage, meine Arme zu heben oder einen Finger zu bewegen. Ich habe die Kontrolle über meinen Körper völlig verloren. Warum? Ich will hier weg! Wo ist mein Liebling? Warum ist er nicht hier? Ich spüre wie Panik von mir Besitz ergreift! Ich fühle mich im Stich gelassen, verlassen, irgendwie leer und sehr einsam! Was ist mit mir geschehen? Warum gehorcht mir mein Körper nicht mehr? Ich versuche erneut, zum Waldrand zu gehen, aber alle Mühe vergebens, ich rühre mich nicht von der Stelle. Es geschehen seltsame Dinge mit meinem Körper. Es fühlt sich an, wie wenn ich hin und her gerollt werde. Jetzt, wie wenn mich kräftige Hände an den Schultern packen und mich wachrütteln wollen. Mann könnte meinen, dass jemand alles in meinem Körper wieder an die richtige Stelle rücken will, indem er mich kräftig durchschüttelt. Niemand nimmt mich wahr, keiner bemerkt, wie ich langsam den Bezug zur Realität verliere! Was ist nur los? Hilft mir den keiner? Wieso lassen mich alle im Stich? Einsam, ich fühle mich schrecklich einsam! Die Menschen um mich herum verschwimmen vor meinen Augen. Ich lasse mich vom Rhythmus der Musik treiben, versuche meine Panik zu unterdrücken, indem ich mich auf meine Atmung konzentriere. Ruhe! Langsam kann ich meine aufkommende Hysterie unterdrücken und werde von einer seltsamen Ruhe überflutet. Eine unheimliche Ruhe! Eine Ruhe die mir irgendwie Angst macht. Trotzdem fühle ich mich gelassen und irgendwie erleichtert. Die feiernden Menschen um mich herum nehme ich nur noch schemenhaft wahr und die vorher so laute Musik ist zu einem leisen Summen geworden. Es fühlt sich alles so unwirklich an, fast als wäre ich auf einem Drogen-Trip. Kann es sein, dass mir jemand etwas in mein Getränk gegeben hat? Ich denke nach, kann mich nicht erinnern schon etwas getrunken zu haben. Es fällt mir schwer einen klaren Gedanken zu fassen und zusammenhängend zu denken. Als wenn alles in Zeitlupe vor mir abgespult wird.
Ein leichtes Kribbeln in meinem Körper ist das Einzige was ich spüre. Vielleicht träume ich nur? Vielleicht liege ich schon in meinem Bett, eng an meinen Schatz gekuschelt und die Party ist schon längst zu Ende? Kann das sein? Aber trotz der irrealen Wahrnehmung, ist mir bewusst, dass dies die Wirklichkeit ist. Und auch wenn ich es mir wünschen würde, weil dadurch alles irgendwie zu erklären wäre, dies ist kein Traum!
Plötzlich habe ich das Gefühl von Schwerelosigkeit, das Gefühl zu schweben. Wie kann das sein? Bin ich wirklich auf einem Drogen-Trip? Es wäre die einzige Erklärung! Ich schau auf meine Füße und stelle erschrocken fest, dass diese keinen Kontakt mehr zur Wiese haben. Ich schwebe tatsächlich. So erschreckend und seltsam dies auch sein mag, es ist mir egal, und kommt mir schon fast irgendwie logisch vor. Vor was ich mich fürchte, ist dieses schreckliche Gefühl der Einsamkeit, das Gefühl alleine zu sein. Niemand der sich um mich kümmert, der mir hilft! Langsam hebe ich ab, ohne irgendwas zu machen. Ich schwebe über den Köpfen der tanzenden Menschen, fühle mich wie in Watte gepackt, sicher und unbesiegbar. Es ist ein seltsames Gefühl, gleichzeitig beunruhigend und doch angenehm einlullend. Ich komme dem Waldrand, immer näher, es zieht mich dort hin. Ich muss dorthin zurück! Aber warum?
Plötzlich werde ich von einem einengenden Druck aus meinen Gedanken gerissen. Ein brennender Schmerz durchfährt meine Lungen. Ich werde ersticken! Eine Erkenntnis die sich in meine Gedanken einschleicht. Ich werde einsam und alleine ersticken! Mein Herz fängt an zu rasen, es schlägt viel zu schnell. Es fühlt sich an, wie wenn es sich gleich überschlagen würde. Nein, es wird immer schwächer! Jetzt spüre ich nichts mehr. Nur wieder diese Ruhe. Diese seltsam beruhigende und zugleich angsteinflössende Ruhe! Ich schließe meine Augen und möchte einfach nur noch schlafen.
Whum! Mit einem harten Schlag auf die Brust werde ich aus dieser inneren Ruhe gerissen. Was ist los? Luft strömt in meine Lungen. Stossweise werden sie mit Sauerstoff gefüllt. Ich fühle immer wieder einen rhythmischen Druck auf meiner Brust. Was geschieht mit mir? Ich öffne meine Augen und stelle fest, dass ich schon fast am Waldrand angekommen bin. Unter mir stehen vereinzelt Leute herum, aber etwas weiter drüben hat sich eine Menschentraube angesammelt. Sie stehen um etwas herum, es herrscht hektisches Treiben. Dort steht er! Mein Liebling! Was macht er denn dort? Er sollte doch eigentlich auch hinter der Theke helfen. Er sieht sich hilflos um, Panik steht in seinen Augen! Sucht er vielleicht nach mir? Langsam komme ich diesem Szenario näher, immer noch spüre ich diesen rhythmischen Druck auf meiner Brust und die einströmende Luft in meinen Lungen. Jetzt kann ich sehen, um was sich diese Leute angesammelt haben. Irgendwie überrascht es mich nicht, ich bin auch nicht schockiert über diesen surrealen Anblick. Ich schaue auf einen leblosen Körper, der in der Mitte dieser Menschen liegt. Ich sehe, wie ein Mann diesem leblosen Körper eine Herzmassage gibt und immer wieder Mund-zu-Mund-Beatmung macht. Dieser leblose Körper, der dort unten auf der Wiese liegt ist meiner! Ich liege da untern und bin gleichzeitig hier oben. Langsam wird mir die Bedeutung dieser Szene bewusst. Ich werde sterben! Ich möchte aber nicht sterben. Sagt man nicht immer, wenn man von dieser Welt geht, würde man ein helles Licht sehen? Würde durch einen Tunnel gehen, an dessen Ende man von Freunden empfangen wird? Wo sind diese Freunde? Wo ist das Licht? Nein! Ich möchte nicht sterben, nicht wenn man sich dort, wo immer man dann hingeht so einsam und hilflos fühlt, wie ich mich jetzt fühle. Ich versuche meinem Liebling zuzuwinken, ihm zuzurufen dass ich hier bin, dass er mich nicht aufgeben soll. Aber er hört mich nicht! Er kann mich nicht sehen! Nein, er schaut mit leeren Augen auf meinen Körper. Ich flüstere ihm zu, dass er mich doch bitte zurückholen soll, dass ich noch nicht bereit wäre zu gehen, dass ich noch so viel vorhätte. Ich möchte mein Leben mit ihm verbringen und eine Familie gründen. Möchte unsere gemeinsamen Kinder aufwachen sehen!
In den Augen meines Liebsten sehe ich plötzlich Wut aufflackern. Er geht auf meinen Körper zu und stößt den Helfer, der bis jetzt unermüdlich Wiederbelebungsmaßnahmen durchgeführt hat, weg. Er schüttelt mich wie wild. Ich kann es richtig spüren, wie mein Körper durchgeschüttelt wird. Er schreit auf mich ein. Ich solle nicht gehen, er würde mich doch lieben und könne es nicht ertragen mich zu verlieren.
Ein Ruck geht durch meinen Körper, und dann wird alles um mich dunkel. Was jetzt? Ich spüre die kräftigen Arme meines Lieblings. Spüre wie sich meine Lungen mit Luft füllen, spüre meinen Herzschlag in meiner Brust. Ich öffne meine Augen und kann das liebevolle Gesicht erkennen, welches mein Herz jedes Mal zum lachen bringt, wenn ich es sehe. Das Gesicht, in das ich jeden Morgen als erstes sehen möchte und das für den Rest meines Lebens. Jetzt fühle ich mich geborgen! Die Einsamkeit ist verschwunden! Ich lebe!

Letzte Aktualisierung: 22.06.2007 - 12.31 Uhr
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