Das alte Buch Mamsell
Das alte Buch Mamsell
Peggy Wehmeier zeigt in diesem Buch, dass Märchen für kleine und große Leute interessant sein können - und dass sich auch schwere Inhalte wie der Tod für Kinder verstehbar machen lassen.
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August 2007
Sandburg am Strand
von Anna Maria Sauseng

Ich riss die Zeitung aus der Hand meiner Freundin, nur eine Sekunde streiften meine Augen das Foto, dann hörte ich mich selbst schreien:
„So ein Schuft, so ein Betrüger, so ein gemeiner Mensch!“ Und ich schrie und schrie, Tränen kollerten über mein Gesicht, ich warf das Tagesblatt in die Luft, wo es zerfedert am sandigen Boden landete.
Erna meine Freundin legte die Hand auf meinen Arm:
„Sei froh, dass du so glimpflich davon gekommen bist. Ich hätte es mir auch nicht gedacht, dass dieser fesche Kerl so ein Lump ist.“
Allmählich beruhigte ich mich.
Vorgestern war es erst, da lagen wir auch hier im Sand und suhlten uns in der warmen Sonne. Bis uns ein dunkler Schatten bedeckte, ein großer Mann vor uns stand und uns sein charmantes Lächeln einfing, dabei seine Augen sich hinter den Lidern versteckten.
Er sagte:
„Hallo!“ wir grinsten als Antwort und gleichzeitig sagten wir auch „Hallo!“
Ob er sich setzen dürfe, natürlich war er uns willkommen.
„So ein wunderbares Wetter heute.“ sagte er, mit seiner sonoren Stimme.
„Ja, ein Wetter genau für Urlaub und Freiheit.“ flötete ich zurück. Seine Gegenwart machte mein Herz unrhythmisch, es wirbelte in meiner Brust. War es seine Gegenwart und somit nach langer Zeit ein Mann, der mich angesprochen hat, dabei mir seine Nähe schenkte. Ich weiß nicht so genau, was es war, jedenfalls wünschte ich mir, dass er bleiben möchte.
„Urlaub und Freiheit meinten Sie?“
„Ja, endlich frei sein ist doch schön, oder?“
Meine Freundin zog sich zurück, sie sprang in das Wasser.
Und wie er gut reden und zuhören konnte, und die Zeit verging so schnell. Meine Tochter kam auf uns zugelaufen, sie schaute uns neugierig an, sie fragte:
„Mami, wer ist der Herr, will er dich heiraten?“ Ich spürte dabei eine unerträglich Wärme in mir hochsteigen und verneinte diese Frage.
„Aber nein, Irmi, der Mann ist Herr Hai, Uwe Hai, er will mich nicht heiraten, aber er will uns morgen auf eine kleine Flugreise mitnehmen, willst du?“
„Fliegen? Oh ja, hurra!“ Und sie hüpfte zurück in das Wasser.
Wir verabredeten und also für den nächsten Tag. Es sei eine Dienstreise, meinte er. Und sein Kollege sei erkrankt er habe zwei Tickets und für die Kleine wird er schon sorgen, dass sie mitkommen könne.
Meine Freundin redete mir zu, diese Einladung anzunehmen. Und so stand ich am nächsten Tag am Flughafen voll Erwartungen, meine Tochter wirbelte vor Freude neben mir.
Herr Hai war pünktlich. Salopp, elegant kam er auf uns zu, seine Augen waren wieder untergetaucht im Polster seiner Lider. Er hatte Routine am Gelände, bald saßen wir gemütlich mit Irmi, nebeneinander in der Maschine.
Er gab sich als Reporter aus und ich, als Sekretärin könne dann seinen Bericht ins Reine tippen, meinte er.
Er legte seine schwere Hand auf meine Schulter und flüsterte:
„Du, ich liebe dich!“ Er zog mich zu sich und die Wärme unserer Köper flossen ineinander.
Das Kind war eingeschlafen.
Uwe streichelte meine Hand. Es war, als würde er damit meine Enttäuschungen des Lebens wegwischen. Ich dachte an meine Beziehung mit dem Vater von Irmi, der bald andere Frauen sein Eigen nannte und mich mit der Tochter allein zurückgelassen hatte. Die Zeit, bis finanziell mein Leben geregelt wurde, war sehr hart gewesen.
Erst dieser Urlaub sollte für mich eine Abwechslung werden. Meine Freundin meinte:
“Vielleicht lernst du jemanden kennen.“ Und wirklich, so dachte ich noch gestern, war mir dieses Glück zugeflogen. Meine innere Verlassenheit, dieses dunkle Loch des Alleinseins war mit Licht gefüllt worden. Ich legte meinen Kopf an seine Schulter wiegte mich in Geborgenheit.
Wie locker meine Beine mich über den harten Asphalt des Ortes getragen haben, als ich mit Irmi bis zum verabredeten Mittagessen durch die Stadt bummelte. Alles war so leicht, so hell gewesen gestern und voll von Zukunftsplänen.
Uwe kam pünktlich zum vereinbarten Lokal. Er war nicht mehr so selbstsicher, seine Haltung leicht gebückt, seine Augen groß, nicht zugedeckt. Er hatte auch nicht mehr so locker gesprochen, und schaute dauernd um sich, als suche er etwas.
Auf meine Frage, was den mit ihm sei, antwortete er, es gab Ärger, ich solle es wegstecken.
Beim nachmittägigen Rückflug schlief mein Kind wieder ein. Uwe fragte mich, ob wir uns abends treffen könnten, ich wollte, ja. Aber ich verneinte es, weil ich Irmi nicht allein im Hotelzimmer zurücklassen wolle.
„Du bist eine so wunderbare Frau!“ sagte Uwe immer wieder. Es tat mir gut von jemandem verehrt, zu werden.
„Wir wollen doch im Kontakt bleiben, oder?“ fragte er.
Was wollte ich denn sonst, dachte ich, und nickte ihm zu. Wieder streichelte er meine Hand, es tat gut von jemandem gehalten, zu werden. Ich spürte ein Sattsein in mir. In meinem Traum von Neubeginn und Familie wurde ich gestört durch eine Ansage aus dem Lautsprecher, wir sollten auf unseren Plätzen bleiben und die Ruhe bewahren.
Da zuckte Uwe plötzlich zusammen. Er nestelte am Gurt, wurde aschfahl im Gesicht.
„Ist dir nicht gut?“ fragte ich. Er hörte mich nicht, er starrte mit aufgerissen Augen zum Ausgang.
Seine Hand, die ich festhalten wollte, war eiskalt und nass.
Das Flugzeug setzte auf, ruckte und bald darauf flog die Türe auf und es stürmten einige Polizisten auf unseren Platz zu, verlangten die Ausweise von Uwe und auch von mir. Irmi begann, zu weinen. Die Handschellen klickten bei Uwe und mich bat man auch mit zukommen.
Irmi hielt ich fest an der Hand und stolperte mit den Männern dem Ausgang zu. Mit einem Streifenwagen wurden wir zum Revier gebracht, ausgequatscht. Man wollte mir einfach nicht glauben, dass ich Herrn Hai erst am Vortag kennengelernt hatte, dass ich nichts von ihm wusste.
Meine Adresse von Zuhause und vom Hotel wurde notiert und ich wurde aufgefordert mich für eventuelle Fragen bereit zuhalten.
Er war nicht Uwe Hai, er war auch nicht Reporter, er war ein Heiratsschwindler und vielleicht war er auch der langgesuchte Lustmörder.
„So ein Schuft!“ schrie ich noch einmal und trat fest auf die verstreuten Blätter am Boden.

Letzte Aktualisierung: 15.08.2007 - 16.53 Uhr
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