Ganz schön bissig ...
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August 2007
Rosige Zeiten
von Tina Mews

Vom ersten Augenblick an war Ines klar, dass die Chemie nicht stimmte. Sie saß im Besucherraum und wartete auf ihren Vorstellungstermin. Sie hatte ihren künftigen Kollegen im Blick und Zeit genug ihn zu beobachten. Die ganze Zeit rief ihr Bauchgefühl aber sie brauchte den Job.

Und sie bekam ihn auch.

Viel lieber, als mit dem unsympathischen Meckerkopf, hätte sie mit ihrer Vorgängerin zusammengearbeitet. Die war offen und lebendig und hatte unglaublich viel mit Ines gemein.
Stattdessen saß Ines mit dem übel riechenden, plumpen Kerl zusammen, der sich ständig in alles einmischte, ohne von irgendwas eine Ahnung zu haben. Da er Ines wichtige Informationen vorenthielt, konnte sie ihren Job kaum bewältigen. Er lästerte über alles und jeden und hatte keine Hemmungen seine rassistischen Ansichten zu offenbaren.
„Na ja, im Dschungel ham die ja auch keine Wecker.“ So kommentierte er die Verspätung eines schwarzen Kollegen. Ines war sprachlos.

Von Tag zu Tag fiel Ines das Aufstehen schwerer. Sie konnte sich kaum aufraffen ins Büro zu fahren. Obwohl sie so lange einen Job gesucht hatte, ging es ihr schlechter als vorher. Als sie mit den Nerven am Ende war, suchte sie das Gespräch mit dem fiesen Kollegen.
„Wenn ihnen das hier nicht passt, können sie ja kündigen“, war das Einzige, was er zu sagen hatte.

In der Mittagspause schüttete Ines der Kantinenköchin ihr Herz aus. In ihr fand sie jemanden, der genauso empfand. Wie oft hatte er die Köchin vor den Kollegen bloßgestellt oder schikaniert, wenn das Essen nicht seinem Geschmack entsprach. Täglich riss er Witze über ihre Kochkünste und versuchte sie lächerlich zu machen.

„Vielleicht sollte ich ihm eine Gläschen Lebertran untermischen. Oder besser noch: Gift.“ Die Köchin hatte scheinbar konkrete Pläne das Problem aus der Welt zu schaffen.

„So funktioniert das leider nicht. Da müssen wir andere Wege finden“, murmelte Ines in Gedanken.

Schließlich bat sie ihren Chef um eine Versetzung.
„Das kommt überhaupt nicht in Frage. Ich habe keine Lust schon wieder Stellen neu zu besetzen. Der Kollege ist schon so viele Jahre in der Firma, da kann man nichts machen. Beißen sie die Zähne zusammen, dann geht das schon.“
Ines Sorgen wurden brutal abgeschmettert. Sie suchte nach Auswegen, zermarterte sich das Hirn und kam keinen Schritt weiter. Eigentlich wollte sie nur weg. Wenn sie nur das Geld nicht so dringend brauchen würde.
Plötzlich fiel es ihr wie Schuppen von den Augen.
Wieso eigentlich ich?! Soll der doch gehen. Oder wenn er wenigstens mal länger krank wäre….

„Ihr Kollege fällt die nächsten Wochen aus. Er hatte gestern einen Bandscheibenvorfall.“ So begrüßte der Chef Ines am nächsten Morgen. Sie glaubte ihren Ohren nicht zu trauen.
Der Chef bemerkte offensichtlich nichts von ihrer Erleichterung. Sie jubelte innerlich, ließ sich jedoch nichts anmerken. Ein schlechtes Gewissen hatte sie nicht, schließlich hatte sie nur so vor sich hingedacht und ihn ja nicht krank gemacht. Außerdem machte er ihr seit Monaten das Leben schwer, da hatte sie sich die Auszeit verdient.

In den nächsten Wochen arbeitete Ines wohl gelaunt und bei jedem Anruf des kranken Kollegen hoffte sie, er möge länger wegbleiben. Das funktionierte eine zeitlang ganz gut. Aber nach sieben Wochen entspannten Arbeitens war die gute Zeit für Ines vorbei.

Er kam zurück, und seine Schikanen gingen weiter. Er erklärte den Kollegen, dass eine andere Bewerberin Ines Stelle hätte bekommen sollen, die viel geeigneter sei. Nach den Wochen des eigenständigen Arbeitens war Ines jedoch so fit in ihrem Job, dass seine Tricks, ihr Fehler unterzuschieben, kaum noch funktionierten. Trotzdem wurde die Situation für Ines unerträglich, da viele Kollegen seinen Lügengeschichten glaubten. Sie fühlte sich ausgeliefert und isoliert.

Da sah sie eines Morgens den verhassten Kollegen auf einer Leiter hantieren, als er sich wieder einmal um fremde Angelegenheiten kümmerte.
Ines Augen blitzten auf und wie von selbst schossen ihr Gedanken in den Kopf. Das hatte doch schließlich schon mal geklappt, warum also nicht noch mal?
Sie stellte sich vor, die Leiter beginne zu schwanken. Nur ein bisschen.
Und tatsächlich. Der plumpe Kollege verlor das Gleichgewicht als er sich neugierig vorbeugte und stürzte herab.
Ines war wie gelähmt. Hatte sie das bewirkt? Konnte sie hexen?
Andere Kollegen kamen hinzu und packten ihn ins Auto. Er wurde ins Krankenhaus gefahren und fiel erneut für mehrere Wochen aus.

Ein wenig unheimlich war Ines die Sache schon, aber sie konnte auf keinen Fall mit jemandem darüber reden. Sie konnte es selbst kaum glauben, wie sollten Andere das verstehen?
Ines stellte sich vor, was sie mit einer solchen Macht bewirken könnte und bekam Angst. Dem Kollegen gegenüber hatte sie kein schlechtes Gewissen, da er sie so oft gelinkt hatte und eine Strafe verdiente. Stattdessen überlegte sie, wie sie ihre Macht steuern konnte, ohne dass sie zu großen Schaden anrichtete.

In den Wochen seiner Abwesenheit hatte sie genügend Zeit für Pläne und sie konzentrierte sich auf ihre Aufgabe. Die Lösung war so einfach.

Am ersten Tag nach seiner Genesung bat er um einen Termin beim Chef. Hatte es wirklich geklappt?
„Kommen sie doch mal bitte in mein Büro“, rief Ines` Chef durch den Flur. „Ihr Kollege hat gekündigt und möchte uns so schnell wie möglich verlassen.“

Ines hätte fast laut losgejubelt. Der Chef fragte Ines, ob sie die Arbeit übergangsweise auch alleine schaffe und sie erklärte, das sei gar kein Problem. Sie war unglaublich erleichtert und ging beschwingt in ihr Büro.

In der Mittagspause gönnte sie sich ein Glas Sekt und feierte ihre Befreiung. Und fing an zu überlegen, wo sie denn sonst noch Probleme zu lösen habe.

Da kamen rosige Zeiten auf sie zu…

Letzte Aktualisierung: 21.08.2007 - 23.46 Uhr
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