Der Tod aus der Teekiste
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"Viele Autoren können schreiben, aber nur wenige können originell schreiben. Wir präsentieren Ihnen die Stecknadeln aus dem Heuhaufen."
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September 2007
Dreh dich nicht um
von Claudia Göpel



„Der Plumpsack geht um,
dreht euch nicht um,
wer sich umdreht oder lacht,
kriegt die Hucke vollgekracht.“


Die Melodie eines albernen Kinderliedes. Sie geht mir nicht mehr aus dem Kopf, seit ich hinter mir Schritte vernommen habe. Meine Absätze trommeln im Takt auf die Gehwegplatten.

„Der Plumpsack geht um.“

Wieso musste ich auch die Abkürzung durch den Park nehmen? Die nachtschwarzen Schatten der Baumkronen ragen in den sternenmageren Himmel und verdecken den Mond. Der Weg wirkt plötzlich bedrohlich. Erstes Herbstlaub raschelt unter meinen Füßen. Ganz am Ende steht eine einzelne Laterne. Dahin muss ich es schaffen! Mein Atem geht stoßweise. Die kühle Nachtluft beißt in meine Lungen. Jetzt nur keine Angst zeigen! Ich beschleunige die Schritte. Meine Füße laufen von ganz allein. Schneller werdendes Stakkato. Klack, Klack, Klack.

„Dreht euch nicht um.“

Noch wenige Meter. Hinter mir höre ich es keuchen. Mein Herzschlag dröhnt in meiner Kehle. Bin ich schnell genug? Schneller! Der kriegt mich nicht, denke ich verzweifelt und renne der Laterne entgegen. Aus dem Augenwinkel sehe ich eine dunkle Gestalt mit wehendem Mantel. Sie fuchtelt mit den Armen. Dann stolpere ich über einen Ast und schlage der Länge nach hin.

„Wer sich umdreht oder lacht …“

Ich kann mich nicht rühren. Eine Hand packt meine Schulter.
„Haben Sie sich wehgetan?“
Die Stimme ist ein heiseres Flüstern. Zaghaft wende ich mich ihrem Klang zu, blicke in ein bärtiges Gesicht. Lächelnd reicht mir der Mann seine Hand.
„Sie haben das hier verloren, am Parkeingang.“
Er klappert mit einem Schlüsselbund.
„Oh, mein Gott, haben Sie mir einen Schrecken eingejagt! Warum haben Sie denn nicht gerufen“, frage ich atemlos und spüre die schmerzhafte Anspannung aus meinen Gliedern weichen.
„Ich bin erkältet. Meine Stimme …“, erklärt er.
Erleichtert greife ich nach meiner Tasche und suche im Innern nach einem Taschentuch, um mir die schmutzigen Hände und Knie zu säubern. Da fühle ich sie. Ganz deutlich. Kein Zweifel. Meine Schlüssel!
Langsam hebe ich den Kopf, ungläubig registriere ich ein eingefrorenes Grinsen.
Der erste Schlag seiner Faust mit dem umklammerten Schlüsselbund trifft meinen Kiefer. Knochen knirschen. Ich sacke nach hinten. Der nächste Schlag kracht auf meine Nase und schickt Blitze durch mein Hirn.

„… kriegt die Hucke vollgekracht.“

„… das dritte Mal in zwei Monaten. Die teilweise entkleidete und übel zugerichtete Leiche einer jungen Frau wurde in den frühen Morgenstunden von einem Jogger gefunden. Sie trug, außer einem handschriftlichen Zettel mit einem Kinderreim, keinerlei Papiere bei sich. Die Polizei bittet …“

© Claudia Göpel

Letzte Aktualisierung: 08.09.2007 - 13.32 Uhr
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