Der Tod aus der Teekiste
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"Viele Autoren können schreiben, aber nur wenige können originell schreiben. Wir präsentieren Ihnen die Stecknadeln aus dem Heuhaufen."
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September 2007
Niemals
von Barbara Peters

Ich kann nicht einschlafen. Ich muss immer an die neue Lehrerin denken. Die neue Lehrerin ist anders. Sie lacht oder lächelt die ganze Zeit.
Wenn sie sich über ein Mädchen beugt, um ihm zu zeigen, wie ein Buchstabe geschrieben wird, dann liegt ihre Hand auf seinem Arm. Den Jungen wuschelt sie manchmal durchs Haar.
Die anderen mögen das. Sie kichern und melden sich wie wild, damit sie an ihren Tisch kommt.
Wenn sie Pausenaufsicht hat, dann wollen alle neben ihr stehen und mit ihr reden. Die Mädchen zupfen solange an ihrer Jacke, bis sie sich hinunterbeugt und mit ihnen spricht.
Ich will nicht so nah bei ihr sein. Mich soll sie nicht anfassen. Niemand soll mich anfassen.
Als ich gestern im Sportunterricht das Tor geschossen habe, da hat sie mir auf die Schulter geklopft. Das war ein komisches Gefühl. Irgendwie warm und – ach, ich weiß nicht ... es war – beinahe zum Weinen ... sie soll das nicht noch einmal machen! Ich will das nicht!
Ich passe immer genau auf, ob sie an meinen Tisch kommt, denn dann rücke ich ein wenig von ihr weg.
Sie merkt, dass ich nicht so nah bei ihr sein will. Manchmal hebt sie die Hand und lässt sie wieder sinken, bevor sie mich berührt hat. Dann lächelt sie nicht. Sie sieht mich ganz ernst an, fast traurig – aber das ist mir egal.
Neulich ist Jonas beim Turnen vom Kasten gefallen. Er hat ziemlich doll geweint und dann wuchs eine dicke Beule auf seiner Stirn. Ganz blau war die. Jonas tat mir Leid. Ich weiß, wie weh das tut. Ich habe oft blaue Flecken und Beulen – weil ich ... . Ich stoße mich manchmal.
Sie hat Jonas richtig in den Arm genommen und getröstet. Ich musste die ganze Zeit hinsehen. Jonas hatte keine Angst vor ihr. Er hat sich einfach trösten lassen und nach einer Weile hat er schon wieder gelacht. Das war – irgendwie gut, aber ... . Mich muss niemand trösten. Ich heule nicht. Nie.
Ich will nicht, dass sie mich tröstet.
Trotzdem muss ich immer wieder daran denken, wie Jonas geweint hat und wie sie ihn im Arm gehalte ...

Liebe Leserin, lieber Leser,

diese Geschichte gehört zu den Siegergeschichten und erscheint in unserer Literaturzeitschrift Schreib-Lust Print. Wir bitten Sie um Verständnis, dass wir uns nicht selbst Konkurrenz machen möchten, indem wir die Geschichte ebenfalls hier komplett veröffentlichen.

Vielen Dank!

Andreas Schröter

Letzte Aktualisierung: 02.10.2007 - 21.44 Uhr
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