Ganz schön bissig ...
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Oktober 2007
Das Ende der Unendlichkeit
von Susanne Bloos

Nachtblauer Himmel, kühle, angenehme Herbstluft. Je tiefer das Blau wird, je weiter es sich dem mitternächtlichen Schwarz annähert, desto mehr leuchtende Glitzerpunkte treten am Firmament hervor.
Die Frau, die festen Schrittes in die zunehmende Dunkelheit wandert, zieht ihren Mantel enger um sich, klappt den Kragen hoch und marschiert unbeirrt weiter. Die nächtliche Schönheit über sich nimmt sie nicht wahr, ebenso wenig wie das Rauschen des Windes, der an letzten vergessenen Blättern zerrt, die von den vergangenen Stürmen verschont worden sind.
Unbeirrt und ohne langsamer zu werden steigt sie eine Hügelkuppe hinauf, geht bis zum höchsten Punkt und bleibt endlich stehen. Millimeter für Millimeter hebt sie den Kopf, bis er weit im Nacken liegt und sie endlich die Schönheit der Nacht wahrnimmt. Lange starrt sie unbewegt nach oben. Ihre Augen haben schnell den einen Stern ausgemacht, nach dem sie gesucht hat, und unverwandt ist ihr Blick auf ihn gerichtet. Kein Laut, keine Bewegung zeigt an, dass noch Leben in ihr ist, eine Statue im blassen Sternenlicht der wolkenlosen Neumondnacht. Die Zeit scheint ihre Bedeutung verloren zu haben, die Erde dreht sich nicht mehr. Doch dann hebt die Frau ganz langsam eine Hand, greift in die Innentasche ihres Mantels und zieht einen dünnen Stapel Papier heraus. Langsam senkt sie den Kopf, blickt fast erstaunt auf das, was sie in der Hand hält, greift erneut in die Tasche.
Sie hockt sich auf den Boden, entfaltet das erste Blatt, beginnt im flackernden Schein des Feuerzeuges zu lesen.

... Heute haben wir eine großartige Entdeckung gemacht, die unser Projekt weit vorantreibt und Dich und mich hoffentlich schon bald wieder nahebringt. Der Stern, den wir entdeckt haben, ist mit bloßem Auge nicht zu erkennen, aber Du findest ihn ein wenig unterhalb von Aldebaran. Denk an mich, wenn Du nach oben siehst, so wie ich es ebenfalls tun werde ...

Eine Träne fällt auf den dünnen Bogen, als die Flamme an seiner Ecke leckt, sich schneller und schneller durch das trockene Papier frisst. Als das Feuer ihre Finger erreicht, gibt sie sich einen Moment dem Schmerz hin, bevor sie loslässt und der glimmende Rest vom Wind davongetragen wird.

Anna, Geliebte, ich werde noch einige Monate, vielleicht Jahre bleiben müssen, bis mein Ziel erreicht ist. Komm zu mir, ich brauche Dich hier. Ich weiß, dass Du an Deiner Arbeit hängst, aber auch hier gibt es vieles für dich zu tun, und ich glaube fest daran, dass wir jede Sekunde auf diesem Planeten zusammen verbringen sollen.

Ein Blatt nach dem anderen geht in Flammen auf, und zu den Sternen am Himmel gesellt sich für kurze Zeit ein tanzender Funkenregen.
Lange bleibt sie sitzen, am Himmel verschieben sich die Sternbilder gen Westen, und erst, als das Schwarz im Osten wieder eine Nuance blauer wird, hebt sie ihren Blick, fixiert ein letztes Mal den Punkt, den nur sie ausmachen kann, und geht schließlich bedächtig, doch bestimmt den Weg zurück, den sie gekommen ist.
Im heller werdenden Morgengrauen flattert ein angekohltes Blatt mit schwarzem Rand:

Wir trauern um Alfred N., Astronom und Physiker, der gestern im Alter von 48 Jahren seinen Verletzungen erlag, die er vergangene Woche bei einem bedauerlichen Zwischenfall auf der Sternwarte von Palo Alto erlitt, wo er die letzten sieben Monate verbrachte. Sein Lebenswerk, die Suche nach bewohnbaren Planeten, bleibt unvollendet.
Er hinterlässt seine junge Frau Anna, nach der er den ersten Stern mit einem hoffnungsvollen Planetensystem benannte, sowie ...

Letzte Aktualisierung: 12.10.2007 - 21.28 Uhr
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